Kreis Göppingen / Evelyn Krix  Uhr
Rund 900 Teilnehmer waren in Göppingen und Geislingen unterwegs , um bei der Nacht der Ausbildung verschiedene Unternehmen kennenzulernen.

Ich weiß noch gar nicht, was ich machen soll“, sagt Jana aus Bartenbach. So wie ihr geht es wahrscheinlich vielen, die bei der Nacht der Ausbildung von Unternehmen zu Unternehmen fahren, um sich über berufliche Chancen klar zu werden. Vor ein paar Minuten ist die 14-Jährige mit ihren Freunden aus dem Bus gestiegen, um sich bei der Wilhelmshilfe in Göppingen zu informieren.

Im Hof wartet man schon sehnsüchtig auf den möglichen Nachwuchs. Pflege sei ein Beruf mit Zukunft, findet Auszubildende Eileen Vincek und Personalleiterin Annette Vater erklärt, dass es einen Fachkräftemangel gebe. „Die Ausbildungsplätze sind alle belegt“, viele blieben aber nur einige Jahre in dem Beruf: „Die fehlen dann wieder.“

Burger und Rollstuhlparcours

Nicht nur für Infos sondern auch für Spaß hat man hier gesorgt: Neben Burgern gibt es einen Rollstuhlparcours. „Was ist besser – vorwärts oder rückwärts?“, fragt Sarah aus Geislingen als sie ihre Freundin mit dem Rollstuhl über eine Palette fahren soll. „Man muss ausprobieren, was für einen besser ist“, antwortet Danica Korenic, Heimleiterin für Pflege. Die Mädchen sind völlig scharf darauf und machen aus dem Parcours ein Wettrennen. „Ich hab das schon öfter gemacht – meine Mama ist Altenpflegerin“, erklärt Sarah. Ihre Freundin Lena hat sich dabei aber ein bisschen hilflos gefühlt: „Man muss dem anderen vertrauen.“ Nach zwei Stunden zieht Vater schon ein Fazit: „Sie haben Spaß, interessieren sich wirklich und nehmen die Infos mit. Von daher sehe ich das bisher als Erfolg.“

Bei Häfele Bad und Wärme im Stauferpark ist weniger los. Hier stellt sich die Innung Sanitär, Heizung, Klima mit den Berufen Anlagenmechaniker und Kaufmann für Büromanagement vor. Die meisten, die aus den Bussen aussteigen, seien Mädchen, stellen die Vorstandsmitglieder Alexander Huber, Volker Breusch und Rainer Häfele fest. Es sei nahezu unmöglich, Mädchen fürs Handwerk zu begeistern. Gängiges Vorurteil sei, dass es ein Männerberuf ist, erzählt Häfele. „Wenn Mädels in solche Berufe gehen, dann sind es eher Schreiner oder Raumausstatter“ oder auch die Töchter von Firmenchefs, die dadurch einen Bezug dazu hätten.

„Man es sich ja mal anschauen“

Körperlich sei das Handwerk aber nicht mehr so anstrengend wie früher, sagt Huber und Breusch ergänzt: „Wir sehen abends, was wir geschafft haben. Ich möchte keinen Beruf haben, wo ich abends kein Ergebnis sehe.“ Begeistern konnten sie die Mädchen, die kamen, aber trotzdem nicht. Auch nicht mit selbstgemachten Flaschenöffnern aus Formstücken und Rohrleitungen, die sonst für Wasserleitungen da sind. Sie seien fürs Handwerk nicht talentiert genug, finden Lara aus Schlierbach und Annika aus Bünzwangen. „Aber man kann es sich ja mal anschauen.“

Beim Landratsamt hätten sich zwölf Personen für die Ausbildung zum Forstwirt interessiert, sagt Forstwirtschaftsmeister Rolf Wahl von der unteren Forstbehörde des Landratsamtes. „Man hätte ein bisschen später anfangen können“, findet er. Gegen 17, 18 und 19 Uhr sei der Andrang gut gewesen. „Das war’s eigentlich. Dann war nichts mehr los.“ Zufrieden ist Susanne Mainka von der Abteilung Aus- und Fortbildung aber trotzdem und schätzt die Besucherzahl auf etwa 70. „Wenn die Busse kommen, dann kommen ein paar.“ Hauptsächlich werde nach den Ausbildungen zum Vermessungstechniker und zu den Verwaltungsberufen gefragt. „Viele Stellen sich den Beruf Verwaltungswirtin langweilig vor, aber das ist nicht so“, findet Auszubildende Laura Kuck. Später könne man in viele verschiedene Bereiche gehen. Darunter Bauamt, Poststelle oder Kfz-Zulassungsbehörde. „Mir gefällt die Führerschein- und Bußgeldstelle ganz gut. Da ist immer viel los.“

„Es ist Nervenkitzel“

Marc Kazmaier ist im zweiten Lehrjahr zum Forstwirt. Vorher hat er internationales Finanzmanagement studiert und jetzt eine verkürzte Ausbildung begonnen. „Es ist eine sinnvolle Betätigung an der frischen Luft.“ Mutig müsse man für den Beruf sein, weil das Holz unberechenbar sei, äußert sein Kollege Marius Bellmann: „Es ist Nervenkitzel. Vor allem in der Erntezeit, wenn man die Bäume fällt.“

70 Besucher seien auch ins Fitnessstudio In Shape im Stauferpark gekommen, sagt Ausbildungsbeauftragter René Sommerschuh. „Ich weiß von den Ausbildungsmessen, dass der Fitnessbereich bei jungen Menschen hohe Anziehungskraft hat, aber ich hätte mich auch über die Hälfte gefreut.“ Schleppend habe es angefangen, findet Daniel Gasser. „Ab 18 Uhr war hier Halligalli.“

Erstes Mal in Geislingen

In Geislingen findet die Nacht der Ausbildung zum ersten Mal statt, 13 Unternehmen öffnen ihre Türen und stellen ihre Ausbildungsplätze vor. Eva Geiselmann von den veranstaltenden Wirtschaftsjunioren begrüßt die Jugendlichen am Bahnhof. „Dass die Ausbildungsnacht nach Geislingen gekommen ist, verdanken wir den Schülern“, sagt sie. Mit ehrenamtlichen Helfern habe sie Geislinger Schulklassen besucht und dabei die große Nachfrage gespürt. Zwar ist in Göppingen die Veranstaltung doppelt so groß, zufrieden ist Geiselmann mit der Premiere im Raum Geislingen trotzdem.

So geht es auch WMF-Ausbildungsleiter Karl Grözinger: „Wir haben unser Ziel erreicht. 350 Jugendliche haben uns besucht“, sagt er am Abend. In den Hallen der Geislinger Metallwarenfabrik dürfen die jungen Besucher experimentieren und programmieren.

Mehr als 50 Jugendliche informieren sich bei Präsentationen und auf Rundgängen über das Speditionsunternehmen Wiedmann & Winz in den Neuwiesen und informieren sich unter anderem über Ausbildungsberufe in der neuen Zentraldisposition und im Technik-Center. Geschäftsführer Micha Alexander Lege spricht von einem „vollen Erfolg“ und nennt die Nacht der Ausbildung ein „neues und vielversprechendes Format, um Schüler und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen“.

„Es hätten mehr Jugendliche sein können“

Ein eher kritisches Fazit ziehen andere Unternehmen und Helfer: „Es hätten mehr Jugendliche sein können“, erzählt Marc Glasr, Mitglied der Wirtschaftsjunioren. Er ist jedoch zuversichtlich, dass die Zahl der Interessenten nächstes Jahr steigt.

„Es kamen wenige vorbei, aber die, die kamen, waren sehr inte­ressiert“, sagt Katrin von Engel vom Albwerk, das unter anderem einen Segway-Parcour vorbereitet hatte. „Wir versuchen auf die jungen Leute einzugehen“, erklärt Hans Seidl, Personalleiter im Geislinger Rathaus. Oberbürgermeister Frank Dehmer und er beraten gerade die 16-jährige Michelle, die zurzeit noch die Degginger Realschule besucht und wissen will, in welchen Bereichen im Rathaus gearbeitet wird. Bis 19 Uhr ist einiges los im Rathaus, danach wird es deutlich ruhiger.

Große Resonanz

Mit neun Bussen wurden die Teilnehmer der Nacht der Ausbildung auf fünf Touren zu den 41 Unternehmen gebracht. Einige Besucher sowie teilnehmende Unternehmen kritisierten, dass die Busse nicht jede Firma direkt anfuhren und die Jugendlichen mehrere Minuten zu Fuß gehen mussten. Die Wege seien weder ausgeschildert noch beleuchtet gewesen, bemängelt Anna Metzger, die mit ihren Eltern die Nacht der Ausbildung besuchte.

Insgesamt seien rund 900 Menschen in Göppingen und Geislingen unterwegs gewesen, sagt Eva Geiselmann von den organisierenden Wirtschaftsjunioren. Geislingen hatte man bei der zweiten Auflage der Aktion zusätzlich hinzugezogen, 400 Menschen haben das Angebot genutzt: „Wir sind super zufrieden, dass es dort so gut ankam.“