Vortrag Einblicke in ein Land voller Gegensätze

Der Theologe und Gemeinderat Hans-Ulrich Lay und sein Sohn Aaron berichteten in Zell von ihrer Israel-Reise.
Der Theologe und Gemeinderat Hans-Ulrich Lay und sein Sohn Aaron berichteten in Zell von ihrer Israel-Reise. © Foto: Sabine Ackermann
Zell / SABINE ACKERMANN 09.08.2018

In Kirchen ist es verlässlich kühl, und aufgrund ihrer Geschichte stoßen die Deutschen bei Israelis bestimmt auf wenig Gegenliebe. Das sind zwei Gedankengänge, die bei dem kurzweiligen Ausflug ins „Gelobte Land“ mit den Reiseführern Hans-Ulrich und Aaron Lay widerlegt wurden. Erstens war es in der Zeller Martinskirche „bollahoiß“, wie eine Besucherin treffend feststellte, und zweitens deuten in Israel mancherorts Fahnen in Schwarz-Rot-Gold auf eine Begeisterung für Deutschland hin. „Wir Deutschen sind heute bei den Israelis nach den USA die beliebteste Nation und werden bevorzugt behandelt“, erklärt Hans-Ulrich Lay.

Nur eine von vielen Tatsachen, die das Vater-Sohn-Gespann in einem „intensiven und schnellen Reise-Rhythmus“ erlebt hatte und nun zur Freude vieler nachhaltig zu präsentieren wusste. „Das gemeinsame Erlebnis hat uns noch enger zusammengeschweißt, auch wenn wir über vieles kontrovers diskutiert haben“, so der Theologe und Gemeinderat. Vieles habe sein 19-jähriger Sohn, der demnächst das Studium der Wirtschaftswissenschaften beginnt, kritischer gesehen, verrät der 48-Jährige aus Zell.

Bei ihrem neuntägigen Roadtrip durch sieben Städte Israels legten sie 1300 Kilometer mit dem Auto und 120 zu Fuß zurück. Die zahlreichen Gegensätze blieben in Erinnerung, wie beispielsweise die Menschen im Westjordanland, einer absolut kargen Wüstenlandschaft. Auf ihren Eseln sitzend, hüten sie Ziegen und schauen dabei aufs Smartphone. „Überhaupt ist Israel hoch technologisiert, sogar die Speisekarten sind digitalisiert“, sagt Hans-Ulrich Lay und ergänzt: „Beeindruckend auch die Qualität der Straßen.“ Dazu zählen freilich nicht die vielen „sinkholes“ auf dem Weg zum Toten Meer, dessen Rückgang der Grund für diese bis zu acht Meter tiefen Krater ist.

Obwohl Nazareth als Heimat Jesu gelte, spüre man dies hier kaum, so der Vater und zeigt ein Foto mit Leuchtreklame von Microsoft und „Merry Xmas“. Die Regale voll mit Weihnachtsmännern und Osterhasen wirken ebenso skurril wie das Schild „Trump Make Israel Great“. Nicht minder verrückt, dass man am Damaskustor – dem momentan heikelsten Ort Jerusalems – zu Walzermusik Kaffee und Sachertorte genießt oder an einer Essensausgabe eine etwa 20 Jahre alte Israelin mit umgehängter Waffe steht.

Beim Aufgang auf den in die Stadtmauer eingebundenen Tempelberg werden Besucher in drei Gruppen aufgeteilt: Muslime kommen an allen Eingängen sowie zu jeder Zeit hoch, Juden nur unter massiver militärischer Begleitung und alle anderen über einen Steg mit Kontrolle wie am Checkpoint Charlie, berichtet Hans-Ulrich Lay. Und er erklärt auch, was es mit dem Loch in der Mauer auf sich hat. „Da soll Mohammend bei seiner Himmelfahrt vor rund 1500 Jahren sein Pferd angebunden haben.“

Unzählige heilige Gedenkstätten und bekannte Plätze suchten die beiden auch bei 44 Grad im Schatten auf. Besonders der Modellnachbau von Auschwitz, ein Zugwaggon und Yad Vashem, den Ort, bei dem Hans-Ulrich Lays Worte deutlich werden: „Hier müssen wir Deutschen Verantwortung für unsere Geschichte übernehmen.“ Des Weiteren besuchten sie den Schwurbrunnen „Beersheba“, den Berg der Seligpreisungen und Ort der Brotvermehrungen sowie den Garten Gethsemane, wo Jesus nach der Überlieferung betete und verhaftet wurde. Auch der Gang durchs Löwentor in die Altstadt entlang der Via Dolorosa, dem Leidensweg Jesu, durfte nicht fehlen. Spannend zu sehen, wo sich einst Tod und Begräbnis Jesu vollzogen haben sollen, in der heutigen Vermarktung aber ein Ausverkauf der Botschaft von der Auferstehung stattfinde, heißt es dazu.

Am Schluss gab es verdienten Beifall für die informative Reise nach Israel. Bei Getränken und Knabbereien tauschten sich die Gäste noch aus.

App warnt Nutzer vor Raketenangriffen

Alarm Im Hightech-Land Israel gibt es seit etwa 2015 die Raketen-Warn-App „Red Alert“ fürs Smartphone. Diese warnt anhand von GPS-Koordinaten zeitgleich mit örtlichen Sirenen, die in außerhalb liegenden Gemeinden nicht zu hören sind, vor einem Angriff. Mehr als eine Million Israelis (jeder achte) und etwa eine halbe Million Menschen außerhalb des Landes haben die Anwendung fürs Smartphone heruntergeladen.

Deckung Immer, wenn eine Rakete abgefeuert wird, gibt es einen Sirenenalarm in Israel – unabhängig davon, ob die Rakete vor dem Einschlag durch das Abwehrsystem abgefangen wird. Heult eine Sirene, schlägt auch die App Alarm. Dann hat man etwa 15 bis 90 Sekunden Zeit, um in einen Bunker zu gehen. Ist keiner in der Nähe, versucht man von Wänden fernzubleiben und geht unter eine Treppe in Deckung.

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