Leitartikel Jürgen Schäfer zur Intitiative für eine Voralbbahn Ein Versuch ist es wert

Kreis Göppingen / Jürgen Schäfer 03.03.2018

Es ist ein unglaublich reizvoller Gedanke, den Voralbraum von Göppingen bis Kirchheim mit einer Bahnstrecke zu verbinden. Allerdings auch ein unglaublich kühner. Deswegen ist diese Idee bisher nur ein Strich auf der Karte des Regionalplans geblieben. Keiner hat es bisher ernsthaft aufgegriffen.

Jetzt aber doch. Es ist verdienstvoll von den Grünen-Abgeordneten aus Göppingen und Kirchheim, Alex Maier und Andreas Schwarz, das Thema auf die politische Agenda zu heben. Das hat seine Logik – die Grünen sind für die Schiene. Sie haben’s gut angepackt und es geschafft, die Rathauschefs von Göppingen bis Kirchheim an einen Tisch zu bringen. Und siehe da – ein Grundinteresse scheint es zu geben. Absolut richtig ist, worüber man spricht: nicht über die Wiederbelebung von alten und halben Sachen, einer Boller Bahn oder einem Kirchheimer Bähnle bis Weilheim, sondern über das Ganze. Nur das macht Sinn. Sichtbar geworden ist, dass es ein vitales Interesse von Kirchheimer Seite gibt.

Eine Substanz gibt es. Das Pendlerpotenzial zwischen Kirchheim und Bad Boll ist schon länger ein Thema – die Schiene kann das am besten lösen. Fahrgäste nehmen lieber den Zug als den Bus. Es gibt die Verflechtungen zwischen den beiden Räumen, die durch eine harte Kreisgrenze getrennt sind. Mit einer Voralbbahn könnten sie zusammenwachsen. Seit Jahr und Tag wünschen sich die Menschen rund um Bad Boll die Anbindung zur S-Bahn nach Kirchheim.  Es würde auch die Wirtschaftsstandorte hüben wie drüben stärken.

Für viele wäre eine Voralbbahn ein Segen. Der Ringschluss von Göppingen über Kirchheim nach Plochingen mit allen weitergehenden Verbindungen wäre noch ein Zusatzeffekt – und wer weiß, vielleicht geht’s auch mal weiter bis zu den Fildern. Aber: Man muss sich so ein Projekt schon genau anschauen, für das man kräftige Zahlmeister braucht. Ist es genug Potenzial? Kann man einigermaßen sicher sein, dass die Pendler, Schüler, Einkaufsbummler und Ausflügler eine Bahn auch nutzen? Wie müsste man das Zugangebot ausgestalten?

Fragen über Fragen. Kopfzerbrechen machen schon die bautechnischen. Wie kann man die Topografie zwischen Weilheim und Bad Boll bezwingen, wie die Orte gut anbinden, wie die verbauten Enden der alten Strecken umschiffen?  Gleichwohl: Man soll es eruieren. Der Versuch ist es wert.

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