Mittelaltermärkte boomen, besonders zur Weihnachtszeit. Für den Leiter des Ebersbacher Stadtmuseums, Uwe Geiger, ist das ein Grund, mit der neuen Ausstellung in der "Alten Post" den Blick auf historisch belegte Fakten zu lenken. "Frauenleben im Mittelalter" lautet das Thema der Schau, die am kommenden Sonntag eröffnet wird.

"Das Interesse am Mittelalter ist groß", stellt Geiger fest, "und oft ist viel Phantasie im Spiel". Die von der Kölner Kunsthistorikerin Alice Selinger zusammengestellte Wanderausstellung im Stadtmuseum hat eher einen nüchternen Blickwinkel. Auf drei Etagen werden die unterschiedlichen Rollen der Frauen betrachtet: als Nonnen oder Mystikerinnen, Prostituierte oder Heilerinnen, Bäuerinnen, Handwerkerinnen und Händlerinnen. Die vielen Aufgaben, die Frauen bewältigen mussten, werden in Vitrinen anschaulich dargestellt, vom Korbflechten bis zum Federnschleißen, vom Kräutersammeln bis zum Bierbrauen.

Lokale Aspekte lassen sich dem Thema kaum entlocken. Das an der Landstraße liegende Ebersbach hatte zwar aufgrund des Marktrechts eine gewisse Bedeutung, "aber es war ein Dorf ohne große Bürgergeschlechter", sagt Geiger. "Je ländlicher das Gebiet, desto weniger weiß man heute darüber." Was in der Ausstellung über das Leben der Frauen auf dem Land erklärt werde, gelte aber auch für Ebersbach und seine Teilorte. Auf den Tafeln erhält der Besucher einen Eindruck, wie hart die Frauen auf dem Land arbeiteten. Neben anstrengender Feldarbeit erledigten sie vielfältige Aufgaben. Die einzige Möglichkeit, dem zermürbenden Kreislauf der Geburten und der schweren Landarbeit zu entgehen, war der Gang ins Kloster - doch dieser stand nur den Frauen der oberen Schichten offen. Nonnen waren die einzigen Frauen, die im Mittelalter lesen und schreiben konnten.

Angereichert wird die Schau mit einigen lokalen Funden, unter anderem eine steinerne Fratze, die in der heutigen Fischerstraße gefunden wurde. "Sie ähnelt stark dem Gesicht eines Leprakranken" und deute auf eine Leprastation hin, erklärt der Museumsleiter.

Info Vernissage ist am Sonntag ab 11 Uhr, die Schau ist bis zum 24. Januar donnerstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Zusätzliche Öffnungszeiten: Heiligabend, 26. Dezember und 6. Januar jeweils von 14 bis 17 Uhr.