Bürgermeisterwahl Ein Rathauschef auf Wahlkampftour

Ortsrundgang in Winzingen: Der Donzdorfer Bürgermeister Martin Stölzle ist auf Wahlkampftour. Er will weitere acht Jahre Rathauschef bleiben.
Ortsrundgang in Winzingen: Der Donzdorfer Bürgermeister Martin Stölzle ist auf Wahlkampftour. Er will weitere acht Jahre Rathauschef bleiben. © Foto: Staufenpress
Donzdorf / Karin Tutas 07.04.2018
Bürgermeisterwahl: Amtsinhaber Martin Stölzle will am 15. April den Posten des Rathauschefs von Donzdorf verteidigen.

An der Ortsdurchfahrt von Winzingen lächelt Bürgermeister Martin Stölzle vom Wahlplakat herab. Einige Laternenmasten weiter hängt das Konterfei Ibrahim Ender Arslans. Es ist Wahlkampf in Donzdorf. Dicke Wolken türmen sich über dem 1700-Seelen-Ort auf,  zehn Grad, Regenschauer – Martin Stölzle hat sich den ungemütlichsten Tag dieser Woche für seinen Ortsrundgang durch den Donzdorfer Teilort ausgesucht.   Aber da muss man durch, schließlich will der 57-Jährige, der seit 24 Jahren Rathauschef von Donzdorf ist, das auch weitere acht Jahre bleiben.

Nun also Wahlkampf. „Darauf war ich von Anfang an eingestellt und hatte eine Strategie, unabhängig von der Bewerberlage“, erklärt Stölzle. Nachdem der Gemeinderat bei der Stellenausschreibung auf den Zusatz „Der Amtsinhaber bewirbt sich wieder“ verzichtet und damit signalisiert hatte, dass Mitbewerber erwünscht sind, sei es für ihn keine Überraschung gewesen, dass kurz vor Ende der Bewerbungsfrist neben Dauerkandidatin Friedhild Miller mit Ibrahim Ender Arslan ein weiterer Herausforderer auf der Matte stand. Die Konkurrenz verleiht dem Wahlkampf eine neue Dynamik, der Mitbewerber ist fleißig unterwegs, und auch der Amtsinhaber gibt richtig Gas.

„Ich denke, im Gespräch kann man am besten vermitteln, was wir in den vergangenen Jahren für die Stadt und die Ortsteile erreicht haben“, meint Stölzle. Der Rundgang durch Winzingen ist der dritte nach Donzdorf und Reichenbach. 15 Hartgesottene, ausstaffiert mit warmen Jacken und Regenschirm, trotzen am Donnerstagabend den unwirtlichen Temperaturen.  „Der Regen ist durch“, Kandidat Stölzle, begleitet von Tochter Katharina nebst Hund, verbreitet Zuversicht.

Trotzdem geht’s erstmal zum Aufwärmen ins Bürgerhaus, wo der Amtsinhaber im Schnelldurchlauf die Entwicklung des Ortsteils in den vergangenen Jahren Revue passieren lässt. Mit dem Bürgerhaus nebst Poststelle sowie einem Wohn- und Geschäftshaus sei eine kompakte und attraktive Ortsmitte geschaffen worden, die darüber hinaus über eine nachhaltige Wärmeversorgung, einer mit Hackschnitzeln betriebenen Heizzentrale, verfüge.  Schule, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten – Winzingen verfüge über eine „hervorragende Infrastruktur“, sagt Stölzle und hebt als Besonderheit hervor, dass die Ortsteile über ein eigenes Budget im Haushalt verfügten.

Rhetorisch gewandt spielt der 57-Jährige seinen Amtsbonus aus. Aus dem Effeff kommen die Zahlen und Fakten. Stets vermeidet Stölzle das Wort „Ich“, spricht stets von „Wir“ und meint damit den Gemeinderat. Erster Stopp an der Heldenberghalle, Vereins-, Dorf- und Festhalle zugleich. Stölzle lobt das Vereinsleben und das „tolle Zusammenspiel“ von Stadt und Ort. „Donzdorf wär‘ nix ohne Winzinga“, wirft ein  älterer Mann in die Runde und hat die Lacher auf seiner Seite. Dann geht’s zum meistdiskutierten Ort der vergangenen Monate, der Schule. Der Rathauschef erinnert an die lange und heiße Diskussion um die Frage Neubau oder Sanierung. Der Gemeinderat hat sich mehrheitlich für letztere entschieden. Ein Bürger macht kein Hehl daraus, dass ihm das nicht gefällt. Auch Stölzle hat sich für einen Neubau ausgesprochen. Aber das sei  eine demokratisch getroffene Entscheidung, die es zu respektieren gelte, „auch ein Bürgermeister muss damit leben, dass er mit seinem Kopf nicht immer durchkommt“.

Der Blick geht nach vorne: „Jetzt geht’s darum, dass wir das Beste für die Winzinger Kinder bauen.“  Allerdings erwarten auch die Reichenbacher, dass sich etwas mit ihrer in die Jahre gekommenen Schule tut, „beides gleichzeitig schaffen wir nicht“, macht Stölzle deutlich. Wer zuerst dran kommt, sei eine kommunalpolitische Entscheidung. Die allerdings müsse im Lauf dieses Jahres fallen, erklärt er auf Nachfrage nach dem Zeitplan energisch. Beifälliges Nicken in der Runde.

Ein eisiger Wind pfeift den Spaziergängern auf dem Weg zum Ortsrand um die Ohren. Lebhafte Gespräche, die Stimmung ist gelöst. „Am Maibach“ sollen in einem Wohn- und Mischgebiet neue Bauplätze entstehen – ein Thema, das den Winzingern auf den Nägeln brennt. Doch zuvor müsse der neue Flächennutzungsplan aufgestellt werden, „für manches braucht man halt einen langen Atem“, sagt Stölzle und räumt ein, dass es an kurzfristigen Baumöglichkeiten fehle. „Das muss kurz und knackig nochmal überlegt werden, um die eine oder andere Familie am Ort zu halten.“

Eine letzte Stippvisite am Kindergarten – mit 100 Kindern der größte der ganzen Stadt – dann ist der Rundgang nach eineinhalb Stunden beendet. Für Stölzle ist es nicht der letzte Termin an diesem Tag. Ein Besuch beim Schützenverein steht noch an. Und in der kommenden Woche geht’s in die Vollen. Stölzle nimmt sich eine Auszeit vom Rathaus: weitere Termine und Hausbesuche.  In Donzdorf sei viel erreicht worden in den vergangenen Jahren, „ich denke, dass ich das vermitteln kann“, meint der Amtsinhaber.

Bewerbervorstellung: Drei Termine gibt’s

Person: Martin Stölzle ist seit 24 Jahren Bürgermeister von Donzdorf und bewirbt sich für seine vierte Amtszeit. Der 57-Jährige ist in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Töchter.

Termine: Die offiziellen Bewerbervorstellungen zur Bürgermeisterwahl sind am Montag, 9. April, in Winzingen, am Dienstag in Reichenbach und am Mittwoch in Donzdorf. Beginn jeweils 20 Uhr.

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