Großprojekt Ein paar Kröten schlucken

Die Eschenbacher Halle bekommt langsam ein Gesicht: Der Fensterbau läuft, hinkt allerdings dem ursprünglichen Zeitplan hinterher.
Die Eschenbacher Halle bekommt langsam ein Gesicht: Der Fensterbau läuft, hinkt allerdings dem ursprünglichen Zeitplan hinterher. © Foto: Staufenpress
Jürgen Schäfer 15.09.2017

Wir haben ein paar Kröten zu schlucken und hoffen, dass es damit zu Ende ist.“ So kommentierte der Heininger Bürgermeister und Verbandsvorsitzende von Heiningen und Eschenbach, Norbert Aufrecht,  die Mehrkosten an der Sport- und Kulturhalle von Eschenbach, die die beiden Gemeinden bauen. In der Verbandsversammlung legten die Architekten eine neue Kostenprognose von 4,5 Millionen vor – 500 000 Euro mehr als eine Berechnung Ende 2015.

Aufrecht orientierte sich an einer jüngeren Prognose mit festgelegter Bauzeit, die 4,25 Millionen auswies und noch im Mai Bestand hatte. Dann sind es Mehrkosten von 250 000 Euro. Für Heiningen sei dies noch im Rahmen: Es bliebe unter dem Limit von 800 000 Euro. Der Eschenbacher Schultes Thomas Schubert hat auch eine gute Nachricht: Zum Vorsteuerabzug werde ein sehr habhafter Betrag in Aussicht gestellt, so dass man Mehrkosten mit dem Vorsteuerabzug noch auffangen könne.

Ein böse Überraschung ist nach wie vor die Rechnung des Rohbauers, die um 150 000 Euro höher ausfiel, aber noch nicht geprüft sei. Der Eschenbacher Bürgermeister Thomas Schubert merkt verärgert an, die Rechnung sei ohne Vorwarnung gekommen.

Ansonsten seien es kleinere Beträge, die sich aufsummieren, sagte der Verbandsvorsitzende Aufrecht. Kopfzerbrechen macht die Frage, ob man am unteren Dach Haken anbringen soll, an denen sich später Arbeiter bei der Wartung der Fassade einhängen können. Verbandsbaumeister Reiner Reule und Bürgermeister Aufrecht hatten große Bedenken, weil jede noch so kleine Undichtigkeit beim Einbau fatal wäre. „Dann dringt Wasser ein und niemand findet das Loch.“

Letztlich rangen sich fast alle zu der Lösung durch, die die Architekten vorschlugen. „Wir haben damit keine negativen Erfahrungen gemacht“, sagte Thorismuth Gaiser. Die Alternative wäre eine höher gezogene Fassade, die das Erscheinungsbild der Halle verändert – verträglich, wie die Architekten meinten. Wilfried Eitle (Eschenbach) sah das anders: „Das verdeckt die Sicht auf die Verglasung.“ Es wäre auch 20 000 Euro teurer. Aufrecht votierte dann auch für die Anker, „weil’s jetzt ums Geld geht“.

Für 19 000 Euro soll die Küche mehr Ausstattung bekommen: eine Kühlzelle, Induktionskochplatten, eine Geschirrspülmaschine für Gläser, einen Wasserenthärter. Man sehe jetzt einfach klarer, was nötig sei, sagt Aufrecht. „Man kann nicht alles beim ersten Federstrich bedenken.“ Sein Eschenbacher Kollege Schubert berichtete, dass er für die Küchenplanung vier Fachleute konsultiert habe und dann vier Meinungen bekommen habe. Sein Hinweis: Für den Betrieb der Voralbhalle stünden sogar zwei Kühlzellen.

Der neue Bauzeitenplan: Im Februar soll die Halle fertig sein. Dann geht es in einen Probebetrieb, und Einweihung soll erst am 15. April sein. So habe man noch einen Puffer, so Aufrecht.

Gemeinden können Mehrwertsteuer sparen

Unternehmen Eine Gemeinde kann eine Halle als Unternehmen führen, ebenso ein Hallenbad, die Wasserversorgung, gegebenenfalls die Gas- oder die Stromversorgung. Dann kann sie beim
Hallenbau die Mehrwertsteuer wieder vom Finanzamt zurückholen – aber nur zum Teil. Wenn in der Halle Schulsport betrieben wird, ist das eine hoheitliche Aufgabe. Dafür gibt’s keinen Steuerbonus.

Investitionen Auch die neue Sporthalle von Bad Boll mit ihrem Mix von Schul- und Vereinssport ist so ein gewerblicher Betrieb. Das lohnt sich aber nur bei einer hohen Investition, weiß der dortige Kämmerer Christian Gunzenhauser. Man brauche einen Steuerberater, um die Verhältnisse darzustellen und fortzuschreiben.