Hattenhofen Ein Multitalent in Endlosschleife

Um Einfälle nie verlegen: Jörg Knör als Karl Lagerfeld. Foto: Sabine Ackermann
Um Einfälle nie verlegen: Jörg Knör als Karl Lagerfeld. Foto: Sabine Ackermann
Hattenhofen / SABINE ACKERMANN 22.03.2014
"Vip, Vip, hurra" mit Jörg Knör in der Sillerhalle. Vielseitig, brandaktuell und sehr sympathisch präsentiert er Schlag auf Schlag die besten Promis der Fernsehlandschaft - weil er es einfach kann!

"Hoppe hoppe Reutter, Jochen hilft gern weiter". Schnell merken die über 350 Zuschauer, Jörg Knör hat seine Hausaufgaben gemacht. Erzählt ein wenig über Hattenhofen und Göppingen, wobei ihm gleich aufgefallen sei, dass "GP" nicht für die Hohenstaufenstadt stehe, sondern gleichwohl für die "grauenvolle Plörre", die man ihm serviert habe.

Den kleinen Seitenhieb auf das heimische Sauerwasser nimmt ihm der Bürgermeister freilich nicht übel, ist er doch froh, dass Gabriele und Peter Grabinger den Bambi-Gewinner über die hiesige Hermann-und Hilde-Walter-Stiftung in die kleine Gemeinde holten. Es gab jede Menge Programm für das Geld, was ja generell den Schwaben gelegen kommt. Nach der Premiere in Berlin war Hattenhofen die zweite Station seines neuen Programms und dementsprechend noch picke-packe vollgepackt.

Wie ein schillernder Kolibri flatterte der 54-jährige Hamburger von Promi zu Promi und schlüpft binnen weniger Augenblicke in deren Haut. Kaum hat man das Wort "Kriminalpolizei" des nuschelnden Tatort-Kommissars Til Schweiger gedanklich übersetzt, kommt Uli Hoeneß ins Spiel. Und bevor das "Runde ins Eckige" nach Landshut geht, widmet ihm Peter Maffay noch ein Ständchen: "Manchmal verlässt dich dein Glück, manchmal will der Staat sein Geld zurück", ertönt es stimmlich eins zu eins. Wie brandaktuell sein Programm gestrickt ist zeigt sich auch im Dialog Vladimir ("ohne Krim, da geht der Putin nie ins Bett") und Gerhard Schröder, letzterer war ja als Bundeskanzler dessen bester Kumpel.

Jörg Knör ist wohl der einzige Alleinunterhalter, der genaugenommen gar nicht alleine ist. Da schauen vom singenden Andreas Gabalier, über Karl Lagerfeld bis hin zu Udo Lindenberg so viele andere vorbei, dass man sich immer wieder die Augen reiben muss, ob außer Jörg und Gute-Seele-Techniker Norbert Bonn doch noch ganz andere die Bühne bevölkern. Okay, manchmal kalauert es auch schon mal bei den Reimen und die Gürtellinie wird dezent nach unten verschoben. Aber wer schafft es schon, die bekannte Merkel-Raute als "Einflugschneise für den Lady Shaver" zu deuten, ohne prollig zu werden? Willy Brandt, der genau so wenig präsent wie der nach ihm benannte Flughafen ist, Inge Meysel, Peter Alexander, Helge Schneider, Marcel Reich-Ranicki, Desirée Nick oder Papst Benedikt in seiner Duschkabine - Jörg Knörr kennt und kann sie alle. Immer noch ein "Hinhöhrer" Udo Jürgens und Boris Becker, wobei sich die Tennislegende wundert, dass in seiner Autobiographie kein Mercedes vorkommt.

Spannende Abwechslung, wenn Jörg Knör sein Talent als Karikaturist oder als Saxofonist unter Beweis stellt und sich im Publikum Zuschauer greift. Schade, dass das grandiose Multitalent die stehenden Ovationen gar nicht mehr mitbekommen hat, denn irgendwann hatte auch dieser Künstler Feierabend.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel