Ein kleines Haus ganz groß: In einer Werkstatthalle in Albershausen entsteht bei der Firma TK-Energietechnik derzeit ein „Tiny-House“, das bald in ganz Deutschland im Auftrag einer Bausparkasse für die zukunftsweisende und besonders flächensparende Hausbaumöglichkeit werben soll.

Etwa so groß wie ein Seecontainer ist der Rohbau, den ein Tiny-House-Hersteller ins Filstal geliefert hat. Im Gepäck: Ein Bauplan und viele Aufgaben, die Jürgen Taxis, Geschäftsführer der Firma TK Energietechnik, mit seinem Team und Handwerkskollegen innerhalb kurzer Zeit meistern mussten. „Wir haben ein gutes Netzwerk, so dass wir zum Beispiel schnell einen Schreiner gefunden haben, der den Innenausbau begleitet und realisiert“, berichtet Jürgen Taxis.

Tiny House ist auch ein Smart-Home

Hand in Hand habe man dann gearbeitet – auf der einen Seite wurde der Sanitärbereich vorbereitet, die Glasfront montiert und an einer anderen Stelle die Kabel für die innovative Technik gelegt, mit der das Mini-Haus ausgestattet werden soll. 150 Meter Datenkabel und rund 400 Meter Kabel für die Elektroinstallation sind verlegt. „Es wird fast alles eingebaut, was man für ein zeitgemäßes Smart-Home braucht“, erklärt Taxis. „Wir konnten alles aus einer Hand anbieten und haben den Auftrag so bekommen“, sagt er.

Eine Vollausstattung soll das Haus bekommen – so würde man es beim Auto nennen. Tatsächlich soll ein Tiny-House ähnlich einem Auto konfiguriert und bestellt werden können – eine Mischung aus Fertighaus und Wohnmobil, die später aber durchaus fest an einem Platz stehen soll. In den USA sind die kleinen Häuser auch mobil unterwegs. Der Markt in Deutschland sei aber ein anderer, schätzen Experten, die in den Mini-Häusern aber dennoch Zukunft sehen – weil bezahlbarer Wohnraum immer gefragter wird. Basis für das Tiny-Haus, das in Albershausen smart wird, ist das von den Berliner Architekten Simon Becker und Andreas Rauch entwickelte „Cabin Spacey“, ein funktionales System aus nachhaltigen Materialien und einer Grundfläche von 10 mal 2,7 Metern für Wohn- und Schlafbereich, Badezimmer und Küche.

Unbegrenzte technische Möglichkeiten

Auch wenn die Wohnfläche sehr begrenzt ist, so sollen zumindest die technischen Möglichkeiten fast unbegrenzt sein, die das Musterhaus bei Jürgen Taxis erhält. „Es ist durchaus eine Herausforderung, die gesamte Haustechnik einzubauen“, berichtet Taxis. Einen Frisch- und Abwassertank wird es geben, eine Solaranlage auf dem Dach, W-Lan-Hotspot, smartes Energiemanagement und vieles mehr. Das Haus soll autark betrieben werden können, weil es schließlich bald auf Marktplätzen Werbung machen soll. Startschuss für die Tour des Tiny-Houses ist im Frühjahr in Stuttgart – danach folgen zahlreiche weitere Stationen in Deutschland. Eine Bausparkasse möchte so zeigen, dass man sich auch mit vergleichsweise kleinem Geldbeutel die eigenen vier Wände realisieren kann.

Ob eine mehrköpfige Familie auf so kleiner Fläche glücklich wird? Das weiß auch Jürgen Taxis nicht, ist sich aber sicher, dass die kleinen Häuser durchaus Zukunft haben – bereits jetzt gibt es Tiny-House-Dörfer als Siedlungen für Menschen, die alle Vorzüge der eigenen vier Wände schätzen, wenn auch auf kleinerer Fläche. Auch Campingplätze haben so eine Möglichkeit, gut ausgestattete Mini-Häuser zu bauen und entsprechenden Komfort zu bieten. Ferien- oder Gästehaus, Hotelerweiterungen, Studentenwohnheime aber auch Seniorenwohnungen können als sogenannte Tiny-Houses geplant werden – ebenerdig und altersgerecht.

Vernünftiges Mini-Haus kostet 50 000 Euro


Eindruck Interessierte können sich das Tiny-House bis zum Wochenende im Hof der Firma TK Solartechnik in Albershausen anschauen.

Baurecht In Deutschland gibt es strenge Regeln, die für die Baugenehmigung von Tiny-Houses beachtet werden müssen.

Energie Häuser unter 50 Quadratmeter Fläche müssen keinen Energieausweis haben. Dennoch sind viele dieser Mini-Häuser nach ökologisch sinnvollen Konzepten errichtet.

Kosten Die Kosten für ein Tiny-House sind wesentlich geringer als bei klassischen Gebäuden. Seriöse Anbieter sprechen von einer Investition ab 50 000 Euro, die man für ein vernünftig ausgestattetes Eigenheim rechnen muss – mindestens. tif