Bad Ditzenbach Ein Leben für den fairen Handel

Gudrun Lamparter ist überzeugte Christin und kämpft für Gerechtigkeit. Jeden Mittwochnachmittag verkauft sie mit ihren ehrenamtlichen Helfern auf dem Bad Ditzenbacher Wochenmarkt fair gehandelte Produkte.
Gudrun Lamparter ist überzeugte Christin und kämpft für Gerechtigkeit. Jeden Mittwochnachmittag verkauft sie mit ihren ehrenamtlichen Helfern auf dem Bad Ditzenbacher Wochenmarkt fair gehandelte Produkte. © Foto: Heike Siegemund
Bad Ditzenbach / Von Heike Siegemund 06.07.2018
Gudrun Lamparter aus Bad Ditzenbach kämpft für Gerechtigkeit: Vor 28 Jahren hat die überzeugte Christin die „Aktion fairer Welthandel“ gegründet.

„Für gute Produkte sollten wir einen fairen Preis zahlen. Einen Preis, der es Produzenten erlaubt, in Würde zu leben.“ Kann dieses Bekenntnis, das in den Städten durch Weltläden bereits mit Leben gefüllt wurde, auch auf dem Land umgesetzt werden? Mit dieser Vision und dem Wunsch, ein Zeichen gegen den ungerechten Welthandel zu setzen, startete Gudrun Lamparter im Jahr 1990 den ersten Verkauf von fair gehandelten Produkten nach dem Gottesdienst in der Christuskirche. Die Ware bezog die Ditzenbacherin über die „Gepa“, einem Importeur fair gehandelter Produkte. Die Gottesdienst-Besucher nahmen das Angebot an, sodass die Verkaufspalette immer größer wurde. 1997 kamen fair gehandelte Bananen hinzu: Bis zu acht Kisten monatlich konnte Gudrun Lamparter an Interessierte weitergeben.

Als schließlich die Lokale Agenda Bad Ditzenbach, der Gudrun Lamparter angehörte, 2003 den Wochenmarkt gründete, ergab sich für die „Aktion fairer Welthandel“ der evangelischen Christusgemeinde im Täle eine große Chance: Es bot sich die Möglichkeit, das gesamte faire Sortiment jede Woche einem viel größeren Kundenkreis anzubieten. So konnten zahlreiche Menschen erreicht werden, denen das Thema fairer Handel bis dahin teilweise gar nicht bekannt war.

Mittlerweile ist der Stand von Gudrun Lamparter und ihren ehrenamtlichen Helfern nicht mehr wegzudenken vom Ditzenbacher Wochenmarkt. Mehr als 60 unterschiedliche Lebensmittel, die meisten mit Bio-Zertifikat, und Kunsthandwerkprodukte werden hier verkauft. Außerdem bietet die Aktionsgruppe die Produkte im Rahmen von kirchlichen Veranstaltungen und jeden Montagnachmittag im „Treffpunkt Miteinander“ in der Ortsmitte an.

Insgesamt steige der Verkauf von fair gehandelten Produkten deutschlandweit, auch durch ein entsprechendes Angebot in Supermärkten und Lebensmitteldiscountern, freut sich Gudrun Lamparter. „Trotzdem kann man nicht von einer Euphorie sprechen.“ Es sei ein langsames Umdenken in den Köpfen der Leute: Zunächst sei vor allem die gesunde Ernährung im Mittelpunkt gestanden, weshalb die Menschen verstärkt Bio-Ware kauften; „jetzt denken manche noch ein bisschen weiter und fragen sich: Wie geht es eigentlich den Menschen, die unsere Nahrung und Kleidung produzieren?“.

Die heute 61-Jährige war in Göppingen in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und engagierte sich als Jugendliche im Christlichen Verein junger Menschen. „Das Christliche gehörte zum Alltag und hat mich geprägt.“ Geprägt hat sie auch die Theologin und Autorin Dorothee Sölle, der das Thema Gerechtigkeit besonders am Herzen lag. Auch der Weltladen in Göppingen und die Hintergründe haben sie schon früh interessiert.

Von der ersten bis zur neunten Klasse besuchte sie die Waldorfschule in Winterbach bei Schorndorf. Anschließend war sie zwei Jahre auf der Wirtschaftsschule in Göppingen und absolvierte dann eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bei „Breuninger“ in Stuttgart. Nach einem diakonischen Jahr in einer Jugendhilfeeinrichtung der Samariterstiftung in Nürtingen stieg sie in den Betrieb der Eltern ein, die einen Großhandel für Autoersatzteile führten. „Ich war mir sicher, dass man sich auch hier sozial einbringen und Verantwortung für die Mitarbeiter übernehmen kann.“ Acht Jahre lang arbeitete sie mit, dann kam die „Familienphase“. Ihr Mann Otto Lamparter, heute Gemeinderat in Ditzenbach und sehr aktiv in der Flüchtlingsarbeit im Ort, war in der Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde Köngen aktiv; in Ludwigsburg ließ er sich zum Sozialdiakon ausbilden und erhielt anschließend eine Stelle in der Brüderhausdiakonie in Deggingen. So zog es die Lamparters zunächst nach Mühlhausen und Auendorf, bevor sie in Ditzenbach ihr Haus bauten. Das Paar bekam zwei Kinder: Ihr Sohn ist heute hauptberuflich in der Flüchtlingsarbeit in Stuttgart tätig, und die Tochter betreibt mit ihrer Familie einen Milchviehbetrieb mit Pferdehof bei Wangen im Allgäu.

Gudrun Lamparter engagierte sich im Elternbeirat, sowohl im Kindergarten als auch in der Grund- und Realschule. Sie leitete zehn Jahre das Vorschulkinderturnen des FTSV. Knapp zehn Jahre war sie bei „Miriam Care“ in der häuslichen Betreuung beschäftigt. Außerdem arbeitete sie etwa elf Jahre lang ehrenamtlich im Bezirksarbeitskreis für Frauen des evangelischen Kirchenbezirks Geislingen mit und gehört seit 1988 mit ihrem Mann dem ökumenischen Gesprächskreis in Ditzenbach an.

Für die Zukunft hat Gudrun Lamparter eine Vision: Sie und die Gruppe „Aktion fairer Welthandel“ wünschen sich, dass Bad Ditzenbach Fairtrade-Gemeinde wird. Bürgermeister Herbert Juhn ist aufgeschlossen für das Thema. Im Herbst soll der Gemeinderat darüber entscheiden. Sollte Ditzenbach Fairtrade-Gemeinde werden, könne man damit einen weiteren Impuls setzen, betont Gudrun Lamparter – „und die gesamte Bevölkerung für das Thema sensibilisieren“.

Porträtreihe über starke Frauen im Landkreis

In diesem Jahr feiert der Landkreis Göppingen seinen 80. Geburtstag, zudem wird das Frauenwahlrecht 100 Jahre alt. Die GZ veröffentlicht aus diesem Anlass die Porträtreihe „Starke Frauen“, die im Landkreis als „Heldinnen des Alltags“ oft im Verborgenen Großartiges leisten. Ob die Pflege von Angehörigen, herausragende Leistungen als Unternehmerin, Künstlerin und Sportlerin oder Engagement im Ehrenamt – die Serie soll Frauen und ihre ­Arbeit zeigen.

Die Serie erscheint in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Lidwine Reustle, dem Kreisfrauenrat sowie unserer Partnerzeitung NWZ.

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