Bepflanzung Ein Kreisel, der begeistern soll

Eine Visitenkarte soll der Kreisel von Bad Boll für den Kurort werden. Um die richtige Bepflanzung gab’s eine leidenschaftliche Debatte.
Eine Visitenkarte soll der Kreisel von Bad Boll für den Kurort werden. Um die richtige Bepflanzung gab’s eine leidenschaftliche Debatte. © Foto: Staufenpress
Jürgen Schäfer 03.05.2018

Fast zwei Jahre hat Bad Boll schon einen Kreisel an der Landesstraße, der die Abzweigung in den Erlengarten entschärfen soll. Mit der Bepflanzung ließ sich die Gemeinde Zeit – man wollte das in Ruhe entscheiden. Es kam eine Idee mit Charme: Der Gartengestalter der Wala auf den angrenzenden Thermalbadgrundstücken solle einen Entwurf vorlegen. Das zog sich. Als Zwischenlösung hat die Gemeinde Tulpen in den Kreisel gepflanzt. Als Blickfang, sagt Bürgermeister Hans-Rudi Bührle, passend zum Frühling. Damit nicht nur Gras drüberwächst, das neuerdings auch wieder gefährdet ist. Weil Schwertransporte durch den Kreisel rollen, zur Überraschung der Gemeinde.

Es tut sich also was am Kreisel – und jetzt liegt auch der Entwurf des Wala-Gartengestalters vor. Der Technische Ausschuss des Gemeinderats ist großenteils angetan von dem „Staudenbeet“, wie es Dorothee Kraus-Prause (Grüne) charakterisierte. Das blüht mal gelb und mal blau im Wechsel der Jahreszeiten, das sei etwas dauerhaftes und nachhaltiges. „Die halten 15, 20 Jahre, wenn es gute Stauden sind.“

Allerdings: Billig ist diese Gartenkunst nicht. Der Bauausschuss sah sich mit Kosten von 40 000 Euro konfrontiert, und das ist schon eine abgespeckte Version. Man könnte den Kreisel nämlich auch illuminieren und mit Wasseranschluss versehen. Ein Unterflurhydrant war vorgeschlagen. 10 000 Euro für Bodenstrahler, dazu die Stromversorgung via Kabel oder Fotovoltaik – man käme auf fast 60 000 Euro. „Schon heftig“ nannte das Bürgermeister Hans-Rudi Bührle, und befand: „Nice to have“ – schön, wenn man‘s hat. Aber nicht notwendig. Eine Wasserleitung vom Erlengarten heranzuführen seien gar utopische Kosten. Es gebe auch das Thema Lichtverschmutzung, gab Bauamtsleiter Andreas Milde zu bedenken. Also die Klage, dass nachts zuviel Beleuchtung für Tier und Mensch herrscht.

Jürgen Seiz (UWV) wollte das als einziger nicht gleich abhaken. Er wundere sich über so teure Beleuchtung. „Das müsste doch mit LED machbar sein.“ Wenn der Kreisel beleuchtet sei, sähen ihn die Autofahrer rechtzeitig, das sei doch ein Sicherheitsaspekt. Hannes Baab (Grüne) entgegnete, der Kreisel sei ja beschildert. Bürgermeister Bührle legt den Finger auf einen anderen Punkt. „Wir haben dort Tempo 70.“ Die Sicherheit sei ein Argument, damit runterzugehen. Die Geschwindigkeit sei just ein Thema der nächsten Verkehrsschau.

Ohne Beleuchtung, ohne Hydrant: 40 00 Euro bleiben für die Gestaltung à la Wala. Friedrich Aichele (CDU) findet das nicht verhältnismäßig für einen „Kreisverkehr-Inhalt“. Warum lasse man es nicht beim Status quo? Jetzt die Tulpen und vielleicht mal was anderes, daran verdienten dann die Gärtner in Bad Boll, das sei lokale Wirtschaftsförderung. Der Bauhof der Gemeinde könne das pflanzen. Er wolle eine Bad Boller Lösung. Auch Seiz befand: Die Kosten für die Stauden seien immens. Alles andere sei bei weitem preiswerter.

Pascale Dereims-Locher (Grüne) plädierte für das Besondere, das in diesem Fall so nah liege. Was auf dem Wala-Gelände gepflanzt sei, begeistere die Leute. „Ich will diese Begeisterung auch am Kreisel.“ Ein Kreisel sei eine Visitenkarte. In Frankreich, ihrer alten Heimat, wimmele es vor Kreiseln, und wenn dort eine Bepflanzung richtig gelungen sei, freue man sich. Hannes Baab will auch eine schöne Visitenkarte. „Wir sparen an dem, was unnötig ist. Wir kommen in Regionen, die verkraftbar sind.“

Außenrum soll Rasenfläche bleiben, in der Mitte der Boden ausgetauscht und mit Substrat angefüllt werden, damit Unkraut keine Chance hat. Für die reine Bepflanzung sind 12 000 Euro angesetzt. Reiner Pfefferle (CDU) hat eine Idee, wie man den Kreiselschmuck billiger kriegen kann. Ob das nicht ein Meisterstück für einen jungen Mann sein könnte? Oder für Studenten? Das will Bürgermeister Hans-Rudi Bührle eruieren.

Kämmerer Christian Gunzenhauser musste allerdings Wasser in den Wein träufeln. Es sei noch unklar, ob man die Kreiselbepflanzung im nächsten Haushalt unterbringe. Der ist dann der erste mit doppischer Buchführung, die alles auflistet, was die Gemeinde zu leisten hat. „Da stehen Pflichtaufgaben im Vordergrund.“ Bürgermeister Bührle räumt ein: Die Kreiselgestaltung sei derzeit „ein ungedeckter Scheck.“ Aichele sieht sich bestärkt. „Das läuft auf meinen Standpunkt hinaus.“

Kreiselkunst kommt nicht in Frage

Unterhalt Der Kreisel an der Landesstraße bei Bad Boll ist Eigentum des Landes. Aber die Gemeinde ist für den Unterhalt zuständig.

Sicherheit Skulpturen im Kreisel sind wegen der Verkehrssicherheit nicht zulässig, stellt Bauamtsleiter Andreas Milde klar. Sie wären eine Verletzungsgefahr, wenn einer in den Kreisel brettert. Das hat der Staat aus schlimmen Erfahrungen heraus verfügt. Innerhalb von Ortsdurchfahrten wäre das möglich, am Übergang schon kritisch. Am Bad Boller Kreisel stoßen selbst hochstämmige Bäume und Metallprofile auf Sicherheitsbedenken, so Milde.