Kommentar Kristina Betz: „An Weitsicht gespart“

Kreis Göppingen / krib 25.07.2018
Wer Lehrer vor den Sommerferien entlässt, um Geld zu sparen, spart auch an Weitsicht: Der Beruf wird so abgewertet.

Um Geld zu sparen, werden Lehrer vor den Sommerferien entlassen, um dann nach sechs Wochen wieder angestellt zu werden. Das Geld kann so anderweitig verwendet werden – nur wem nützt die „Hire and Fire“- Praxis auf lange Sicht, wenn immer weniger Lehrer übrig bleiben, die man für die dringend benötigten Stellen gewinnen kann? Denn viele motivierte und engagierte Lehrer werden das Spiel nicht mitspielen. Bevor im Sommer die Arbeitslosigkeit und der Wegfall des Gehalts drohen, wandern sie ab in Bundesländer oder Nachbarländer, in denen sie und ihre Arbeit mehr wert sind.   Denn Fakt ist: Wertschätzung sieht anders aus. Den jungen Lehrern wird signalisiert, dass ihre Arbeit eine lästige Kostenstelle ist, die man bei nächster Gelegenheit streichen kann. So spart man an Geld, aber auch an Empathie und Weitsicht. Wenn das Bildungsministerium den Lehrermangel ernst nimmt, muss es auch seine Fürsorgepflicht ernst nehmen. Qualität und Engagement gibt es nur gegen Fairness. Es wird Zeit, dass sich das Ministerium klar von dieser Praxis distanziert und als attraktiver Arbeitgeber präsentiert, um Lehrer zu gewinnen, statt sie zu vertreiben.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel