Kommentar Dirk Hülser: Falscher Verdacht

Göppingen / Dirk Hülser 04.05.2018
Wenn auf der Baustelle der Barbarossa-Thermen bald auch gebuddelt wird, sollte die Blindgänger-Sondierung stattfinden, bevor wieder Metall ins Erdreich eingebracht wird.

Hinterher ist man immer schlauer. Natürlich hätten sich die Verantwortlichen die Evakuierung von Teilen Göppingens am 22. April sparen können, doch dies war so nicht vorhersehbar. Bei verdächtigen Messungen und Hinweisen auf Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg sind bestimmte Abläufe vorgeschrieben. Dazu gehört eben auch, Menschen aus der Gefahrenzone zu bringen.

Interessant ist allerdings ein Hinweis des Kampfmittelexperten, der die Bauarbeiten begleitet hat: Meist würden zuerst Stahlträger angebracht, um die Baugrube zu sichern, so wie es auch auf der EVF-Baustelle der Fall war. Sinnvoller wäre aber, zuerst die Sondierungsbohrungen vorzunehmen, da mit deren Hilfe Abweichungen im Magnetfeld der Erde gemessen werden – hier stören die Träger aus Metall natürlich. So kam offenbar auch die fehlerhafte Messung zustande, die schließlich zur größten Evakuierungsaktion in der Göppinger Nachkriegsgeschichte geführt hat.

Wenn auf der Baustelle der Barbarossa-Thermen an der Lorcher Straße bald auch in die Tiefe gebuddelt wird, sollte die Blindgänger-Sondierung vielleicht stattfinden, bevor wieder Metall ins Erdreich eingebracht wird. Auch wenn das einen Zeitverzug bedeutet. Allemal besser, als womöglich nochmal ein ganzes Quartier  unnötigerweise zu evakuieren.

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