Kommentar Arnd Woletz: „Doppelt attraktiv“

Göppingen / Arnd Woletz 17.07.2018
Modellcharakter hat das Lebenshilfe-Post-Projekt in Jebenhausen. Es schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe. Doch ein Allheilmittel gegen das Filialsterben ist es auch nicht.

Es hat Vorbildcharakter, was die Lebenshilfe und die Post in Jebenhausen auf die Beine gestellt haben: eine Postagentur, in der Menschen mit Behinderung Arbeit finden. Tatsache ist: Im Landkreis gab es in der Vergangenheit immer wieder lange Gesichter und Proteste bei der Bevölkerung, wenn wieder eine Filiale geschlossen hat.  Auch die Agenturen, mit denen die Post  zusammenarbeitet, um die Rentabilität zu erhöhen, sind kein Selbstläufer, wie ebenfalls das Beispiel Jebenhausen zeigte, wo die Agentur im vergangenen Jahr schloss. Dass nun der Neuanfang mit der Lebenshilfe gelungen ist und  das Projekt auch noch integrative Funktion für die Menschen mit Behinderung hat, macht es doppelt attraktiv.

Man darf sich aber nichts vormachen. Das weitere Ausdünnen bei verbrauchernahen  Dienstleistungen und im Einzelhandel werden  auch solche Vorzeigeprojekte, so nachahmenswert sie auch sind,  nicht aufhalten können. Dabei müssen wir alle uns mal wieder an die eigene Nase fassen. Der total vernetzte Kunde erledigt Einkaufen, Kommunikation und Dienstleistungen vom heimischen Computer aus. Das macht denen, die eine Filiale an der Ecke betreiben wollen, den Garaus. Da hilft auch der dank Onlinehandel boomende Paketmarkt nicht viel.  Das Filialsterben wird wohl weiter gehen.

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