Kommentar Arnd Woletz: Absahnen bei Schwachen

Kreis Göppingen / Arnd Woletz 10.07.2018
Bei der Wohnungssuche sind auch anerkannte Asylbewerber oft überfordert. Und auf dem leergefegten Wohnungsmarkt treffen sich manchmal auf skrupellose Geschäftemacher. Eine unheilvolle Mischung.

Dass die Konkurrenz um Wohnraum die eigentliche Herausforderung beim  Flüchtlingsthema ist, war seit langem abzusehen. Das wird umso sichtbarer und brisanter, je mehr Asylbewerber in die Anschlussunterbringung wechseln, sich also selber um eine Wohnung bemühen müssen. Wie jetzt wieder in Göppingen öffentlich wurde, geraten sie häufig in eine unheilvolle Mischung aus eigener Überforderung und eklatantem Mangel auf dem Markt. Dass es unter Immobilienbesitzern auch  schwarze Schafe gibt, die diese Lage schamlos ausnutzen und ihre Zimmer faktisch vergolden, bestätigen  nicht nur die Integrationsmanager. Dem Tatbestand des Mietwuchers widersprechen die Behörden zwar. Das dreiste Absahnen sollte die Allgemeinheit dennoch nicht kalt lassen, denn  in vielen Fällen bezahlt die öffentliche Hand.

Nun rächt sich, dass viele vergleichsweise günstige, aber scheinbar unrentable Wohnungen in den vergangenen Jahren vom Markt verschwanden. Ärgerlich ist, dass die gerechte Verteilung der Last innerhalb des Landkreises noch immer nicht gelungen ist. In Göppingen wird – auch von der städtischen Wohnbau – viel gebaut, die Stadt stöhnt aber unter einem weit überproportionalen Anteil an Wohnungssuchenden, während es Nachbarstädte beim Schulterzucken belassen. Das ist aber zu viel wenig.

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