Handwerk Gastronom brennt für den Gitarrenbau

Immer wieder lauscht Stefanos Poligenis dem Klang des Holzes, aus dem er Gitarren baut. Die Begeisterung für das Instrument begleitet ihn seit seiner Jugend.
Immer wieder lauscht Stefanos Poligenis dem Klang des Holzes, aus dem er Gitarren baut. Die Begeisterung für das Instrument begleitet ihn seit seiner Jugend. © Foto: ANDREA MAIER
Uhingen / ANDREA MAIER 10.01.2018
Stefanos Poligenis betreibt ein griechisches Restaurant. In seiner Freizeit erschafft er mit Hingabe Saiteninstrumente.

Stefanos Poligenis wohnt mit seiner Frau und den drei Töchtern in Uhingen. Gemeinsam mit seinen Eltern und Brüdern betreibt er die Taverna Notos, ein beliebtes, griechisches Restaurant in Faurn­dau. Wann immer es ihm möglich ist, arbeitet er in Oberberken – in seiner Werkstatt.

„Samstags bin ich immer hier.“ Mit leisem Lächeln öffnet Stefanos die Tür. Was für ein Duft! Der Geruch von Mahagoni, Ebenholz, Palisander, Cedro und Fichte streicht warm und würzig durch die kleinen Räume, in denen der 35-Jährige das tut, was ihn rundum glücklich sein lässt. Hier baut er Gitarren. „Meistergitarren“, wie der Fachhändler, mit dem er zusammenarbeitet, schreibt. Sieben ganz unterschiedliche Gitarren hängen an der Wand, ein Sofa lädt zum Verweilen, zum Probieren der unterschiedlichen Modelle ein.

Es klopft. „Aah, hier riecht‘s gut.“ Markus braucht nur schnell ein paar Saiten für seine Gitarre, die Stefanos gebaut hat. „Die ist unvergleichlich – und einfach besser, als alles, was ich bislang gespielt habe.“ Begeistert erzählt der Hobbymusiker, wie er immer wieder vorbei kam, zuschaute, wie aus verschiedenen Hölzern ein wundervoll klingendes In­-
­s­trument wurde. Rund 40 Stunden Arbeit stecken darin: entwerfen, sägen, biegen, schleifen, bohren, anpassen, leimen, pressen, einlegen, einklopfen, einfädeln. Stefanos schätzt den Kontakt zu seinen Kunden. „Wenn ich weiß, wie jemand spielt, wie jemand Musik erlebt, baue ich das Instrument genau für diese Person.“

Als er elf war, kam er mit seinen Brüdern zu den Eltern nach Deutschland. Die Jungs waren bei den Großeltern in Griechenland geblieben, bis Mutter und Vater mit einem Restaurant die Lebensgrundlage für die Familie aufgebaut hatten. Sein Bruder Kostas bekam damals eine Gitarre zum Geburtstag und freute sich – Stefanos war Feuer und Flamme. Er lieh sich das Instrument, übte in jeder freien Minute, brachte sich alles selbst bei.

Mit 14 kratzte er sorgsam den Lack des Instrumentes ab, „Ich habe alles probiert, da war nichts zu machen: sie klang nicht gut.“ Mit 16 hatte er jede Menge Fachbücher gelesen, ungezählte Anleitungen über‘s Internet angeguckt, alte Gitarren auseinander gebaut und deren Innenleben studiert – er fühlte sich bereit. „Ich baute mir selbst eine Gitarre – die war gar nicht schlecht“, erinnert er sich lachend.

Die Familie zog 1998 nach Unterberken und etablierte im ‚Stern‘ ein griechisches  Spezialitäten-Restaurant. Stefanos schloss eine solide Kaufmanns­ausbildung ab, sein Interesse am Gitarrenbau brannte weiter. Er suchte und fand im Remstal einen Gitarrenbauer, von dem er viel lernte. Endlich konnte er sehen, riechen, hören, fühlen, wie eine Gitarre entstand. Seine Zeit war knapp, er engagierte sich mit Eltern und Brüdern im Restaurant, heiratete, gründete seine eigene Familie. Das Brennen für den Gitarrenbau blieb. 2012 lernte er den Gitarrenbauer Kolya Panhuyzen kennen. Der in Bad Boll lebende Meister lud Stefanos ein, an seinem Wissen, an seiner Erfahrung teilzuhaben. Sie bauten eine Gitarre gemeinsam. Stefanos saugte auf, was er lernen konnte – und das war „unbeschreiblich viel“. Durch Panhuyzen habe er ein anderes Level erreicht, sagt er und schätzt sich glücklich.

Alles hat seinen Platz in dieser Werkstatt, in der die Hölzer mindestens zehn Jahre ruhen, bevor sie verarbeitet werden. Einen Großteil des Handwerkszeugs und der Präzisionsmaschinen hat Stefanos um- oder selbst gebaut. Jeder Arbeitsschritt ist mit Hingabe optimiert. Er nimmt einen winzigen Geigenhobel aus Messing zur Hand und führt ihn in feinem Bogen über das Holz. „Dieses Geräusch“, erzählt er, „erinnert mich an sehr glückliche Zeiten mit unserem Großvater.“ Der habe wunderschöne Verzierungen in Stöcke geschnitzt, mit einem einfachen Messer Meisterwerke geschaffen. Es sind diese Geräusche der Bearbeitung von Holz, das Klingen der einzelnen Werkstücke, wenn er mit den Händen immer wieder darüber streicht, leise klopft und aufmerksam horcht. Zu erleben, wie aus rohem Holz ein feines Instrument wird, wie viele Komponenten zusammengefügt ein wunderschönes Ganzes ergeben, sei für ihn „jedes Mal auf‘s Neue etwas ganz Besonderes“. Jede seiner Gitarren entsteht mit aller Geduld, mit aller Aufmerksamkeit, mit allen Sinnen.

Stefanos nimmt eines der ausgestellten Instrumente und betrachtet es. Er spiele viel zu selten, sagt er. Doch wenn, dann reichten wenige Minuten, um durch das Spüren des Klanges über den ganzen Körper, „tiefen Frieden“ zu empfinden. Neben viel Wissen und Erfahrung braucht es großes handwerkliches Können und enorme Präzision, um eine gute Gitarre zu bauen. Für Stefanos Poligenis bedeutet es zudem „als ganzer Mensch gefordert zu sein“. Und genau das ist es, was Gitarristen beim Klang von Stefanos’ Gitarren hören und was in jedem Winkel der kleinen Werkstatt spürbar ist.

In Handarbeit gefertigte Instrumente

Arbeitsplatz Interessierte erreichen den Gitarrenbauer Stefanos Poligenis im Restaurant Taverna Notos in Faurn­dau unter Tel. (07161) – 91 90 200. Seine Werkstatt „Stephane Guitars“ finden Besucher in der Wangener Straße 48 in Oberberken neben einem Lebensmittelgeschäft.

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