Sie arbeiten in Bäckereien, bei Werkzeugmachern und in Autowerkstätten – 59 der insgesamt rund 250 Flüchtlinge, die in Ebersbach und den Teilorten leben, haben einen Job. Diese von der Stadt erhobene Zahl entspricht nach ihren Angaben einer Beschäftigungsquote von fast 40 Prozent der erwachsenen geflüchteten Männer und Frauen. Der Anteil schließt volle Stellen sowie Stellen in Teilzeit und Mini-Jobs mit ein.

Wie Arbeitgeber die Flüchtlinge in ihren Firmen und Betrieben wahrnehmen, schildert Ebersbach voraussichtlich ab März in mehreren Artikeln im Stadtblatt. „Die Serie soll den Ebersbachern eine andere Sichtweise nahebringen“, sagt Corinna Luksch. Die 23-jährige Soziologiestudentin sprach in den vergangenen Wochen mit rund einem Dutzend Firmenchefs und brachte deren Berichte zu Papier. Die Arbeitgeber schildern in den Texten, was gut und was schlecht läuft mit den Beschäftigten aus dem Ausland, warum sie sich zu deren Einstellung entschieden haben und ob sich das Arbeitsklima durch die Beschäftigung von Geflüchteten verändert hat.

Die Berichte verdeutlichen, welche Bedeutung die Syrier, Nigerianer oder Tschetschenen für die Betriebe haben. Einige der Firmen suchen händeringend Auszubildende: „Ich empfinde die Flüchtlingswelle als etwas sehr Positives“, sagt die künftige Geschäftsführerin der Bäckerei Rau in Roßwälden, Christina Speißer-Eberhardinger. „Vor allem für uns als Handwerker, weil viele Deutsche keinen Handwerksberuf mehr ausüben möchten.“ Speißer-Eberhardinger berichtete Corinna Luksch von ihren Erfahrungen mit dem Syrer Firas Almasre, der seit zwei Jahren in dem Betrieb arbeitet und inzwischen eine Bäckerlehre begonnen hat. „Viele Geflüchtete wollen arbeiten, und wir benötigen den Nachwuchs. Das ist perfekt für beide Seiten“, findet Christina Speißer-Eberhardinger. Ohne diese Arbeitskräfte aus dem Ausland stehe die Existenz vieler kleiner Betriebe auf der Kippe.

Andere Firmen können die Geflüchteten gut gebrauchen, weil dem einheimischen Nachwuchs die Tätigkeit recht bald zu monoton wird. „Es ist so, dass die Leute mit einem guten Realschulabschluss natürlich immer im Hinterkopf haben: An der Maschine möchte ich nicht mein Leben lang stehen“, weiß Frank Weigele. Er leitet mit seinem Bruder Matthias den Werkzeugbauer EWS in Uhingen. Die Geschäftsführer beschäftigen drei Flüchtlinge aus Afrika. „Bei denen, die man mitzieht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach dem erfolgreichen Abschluss bleiben, größer“, sagt Frank Weigele.

Kaum überraschend stellen die Sprachkenntnisse der Geflüchteten meist das größte Hindernis im Arbeitsalltag dar. Wenn Mohammed Shamsalla etwas nicht versteht, sagt er trotzdem manchmal „Ja“  und weiß dann nicht, was er machen muss, hat Oliver Kuhn bemerkt. Er leitet die Werkstatt des gleichnamigen Autohauses in Plochingen. Sein Defizit bereitet dem Iraker auch in der Berufsschule noch Probleme, doch Kuhn zufolge übt Mohammed abends und am Wochenende, um auf das sogenannte B2-Niveau zu kommen. Mit einem solchen Vokabular können Ausländer die Anforderungen eines Berufs meistern.

Andere Flüchtlinge tun sich weniger mit ihren Sprachkenntnissen schwer, sondern mehr mit kulturellen Unterschieden. So dauerte es lange bis der Nigerianer Stephen Epete akzeptierte, dass er nicht in Badelatschen an den Maschinen des Werkzeugherstellers EWS arbeiten durfte. „Er kann nicht in Sicherheitsschuhen laufen, er braucht seine Badeschlappen“, habe Epete gesagt, berichtet sein Chef Frank Weigele. Auch drückten die Kollegen anfangs ein Auge zu, wenn sich der Afrikaner anders verhielt, als in einem deutschen Betrieb üblich – etwa, als er sich hinter die Maschine zum Schlafen legte. Weigele zufolge machte Epete in letzter Zeit aber so große Fortschritte, dass ihm die Firma einen Ausbildungsplatz anbot.

Diese und andere Schilderungen sollen einen Eindruck vermitteln, wie die Integration von Geflüchteten in der Arbeitswelt vonstatten geht. Die Artikel sollen auch dazu beitragen, manche Vorurteile über die Menschen zu widerlegen – etwa, „dass sie das Sozialsystem ein bisschen ausnutzen“, wie Corinna Luksch sagt. Eine solche Unterstellung bestätigen die Arbeitgeber nicht, sondern beschreiben die ausländischen Kräfte häufig als hilfsbereit, fleißig und motiviert. Vielleicht tragen die Schilderungen der Chefs in der Artikelserie der Stadt dazu bei, dass der eine oder andere die ausländische Arbeitskraft beim Bäcker, Mechaniker oder beim Schreiner mit anderen Augen sieht.

Artikelserie soll in Ausstellung münden


Zusammenfassung Die in den Artikeln der Serie zu Wort kommenden Arbeitgeber und zentrale Aussagen aus ihren Schilderungen präsentiert die Stadt voraussichtlich am 25. März im Rathaus auf Bannern.

Autorin Corinna Luksch unterhielt sich jeweils etwa eine dreiviertel Stunde mit Arbeitgebern aus der Region. Die Studentin macht bis Ende März ein Praktikum bei der Stadt. Die zwölf Beiträge für die Serie verfasste sie unter Ägide der Flüchtlingshilfe. Aus deren Reihen kam im vergangenen Jahr auch die Idee für die Artikelserie.