Endlich ist es soweit. Die Wehen haben eingesetzt, die Reisetasche ist gepackt, das Baby ist auf dem Weg. Im ersten Stock in der Klinik am Eichert in Göppingen angekommen, fragt die diensthabende Hebamme im Aufnahmezimmer die werdende Mutter nach ihren Allergien, Medikamenten und persönlichen Wünschen. Anschließend hört sie die Herztöne des Babys ab, und der an diesem Tag zuständige Arzt stellt sich der Schwangeren vor.

Bettina Hartmann ist leitende Hebamme und seit 2007 in der Klinik am Eichert. Wenn sie auf die vergangenen Jahre zurückblickt, gibt es für sie nicht den einen, schönsten Moment, sondern viele kleine. Als Hebamme wünsche sie sich genauso wie das Paar, dass die Geburt problemlos verläuft. „Wenn alles harmoniert, das ist das Schönste.“

Wichtig sei, dass sich das Paar wohlfühlt, deshalb gibt es neben den fünf Wehenräumen ein Entspannungsbad, eine Geburtswanne und einen Aufenthaltsraum mit einem großen Balkon. Die schwangeren Frauen haben die Möglichkeit, sich zu bewegen, zu liegen oder auf einem Gymnastikball zu sitzen. „Jede werdende Mutter reagiert unterschiedlich auf die Wehen“, weiß Hartmann. Deshalb müsse man spontan entscheiden, was für die schwangere Frau in dem Moment in Frage kommt und was sich für sie am besten anfühlt.

Vor der Entbindung darf die Frau entscheiden, wer bei dem Moment der Geburt dabei sein soll. Aber mehr als zwei Personen sind im Entbindungssaal nicht erlaubt. „Das bringt sonst zu viel Unruhe in den Raum“, erklärt die leitende Hebamme. Meistens wählen die Frauen deshalb den Partner, die Mutter oder eine Freundin. Das Paar sehe sie dabei als Einheit. Der Mann habe leider oft das Gefühl, in diesem Moment nichts für seine Frau tun zu können. Aber allein seine Anwesenheit helfe der Schwangeren sehr.

Große Verantwortung während Geburt

Während der Geburt hat eine Hebamme eine große Verantwortung zu tragen. Da müsse sie sich fragen: „Was kann ich? Wo sind meine Grenzen?“ Neben einem hohen Maß an Empathie sei die Verantwortungsbereitschaft eine wichtige Charaktereigenschaft, wenn man sich für den Beruf interessiert. Die Hebamme soll die Frau und ihren Mann mit ihren Sorgen und Ängsten abholen, sie muss spüren, was der werdenden Mutter wichtig ist, sodass sie eine schöne Geburt erlebt.

Weiter geht es in den OP-Saal für die Frauen, die ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt bringen wollen – oder sogar müssen. Hartmann erklärt, wann es zu einem geplanten Kaiserschnitt kommen kann: „Die Gründe sind beispielsweise Vorerkrankungen der Mutter oder die Querlage des Babys, die eine natürliche Geburt erschweren oder sogar unmöglich machen.“

Hartmanns Aufgaben und die ihrer Kolleginnen sind sehr vielseitig. Neben den Geburtsvorbereitungskursen und der Rückbildungsgymnastik – um Bauch und Beckenboden nach der Geburt wieder zu stärken – hat sie für Patientinnen in den Sprechstunden immer ein offenes Ohr. Während der Geburt entwickeln die Hebammen ein intimes Verhältnis zur werdenden Mutter. Sie massieren und streicheln sie und versuchen damit, ihre Schmerzen zu lindern. Auch nach der Geburt sind sie noch zwei bis drei Stunden für die frischgebackenen Mütter da.

Hebammen leiden mit

In ihrem Beruf schätzt sie besonders das Miteinander mit den Kollegen. Hartmann liebt ihre Arbeit: „Wir sind ein tolles Team, das gut zusammenhält.“ Wo es möglich ist, entlasten die Auszubildenden und Pflegeassistenten die Hebammen zusätzlich. „Es ist toll, frische Ideen von jungen, motivierten Menschen zu bekommen“, betont sie. Auch Arbeitskräfte aus dem Ausland seien wichtig, besonders für solche Frauen, die ebenso aus dem Ausland stammen und mit ihnen in ihrer Muttersprache sprechen können.

Vor vier Jahren hat Hartmann die Leitung übernommen. „Zu Beginn sind immer Freudentränen mitgeflossen, als die Babys zur Welt gekommen sind. Da war ich emotional noch richtig stark dabei“, berichtet die 50-Jährige. Nun sehe sie das, was sie damals erlebt habe, bei den Auszubildenden, die sie als Leitung mitbetreut: „Man durchläuft alles mit dem Paar gemeinsam. Von der Vorbereitung bis hin zu dem Moment, wenn die Mutter glücklich ihr Kind im Arm hält.“