Nachruf Ein beherzter Gestalter tritt – notgedrungen – ab

Bruno Ensslen 2017 vor einer  seiner Arbeiten während seiner Ausstellung in Geislingen.
Bruno Ensslen 2017 vor einer  seiner Arbeiten während seiner Ausstellung in Geislingen. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Hermann Dölger 14.04.2018

Dass der Mensch Geist ist und nicht Körper, das war an ihm unmittelbar zu erleben: fast durchscheinend und recht reduziert in seiner Körperlichkeit kam einem Bruno Ensslen zuletzt entgegen, der Gruibinger Grafiker, Maler und Buchautor, wenn man ihn traf. Der Verfassung seines Körpers widmete der unverbesserliche Kettenraucher nur die nötigste Aufmerksamkeit. Seine Sinne waren den Inhalten und Bildern zugewandt, in denen er ein reiches Leben entfaltete.

Die ganze Erzählweise der Enss­lenschen Gedichte, Sprüche und auch eines „Schwabenkrimis“ atmen eine tief empfundene Sympathie für Eigenheiten der „normalen“ Menschen, der Nachbarn aus dem Dorf. Und seine Freude am Naiven und Kuriosen, das in unserem alltäglichen Wollen und Trachten steckt. Hinter jedem Komma wartet eine verblüffende und oft komische Wendung von Geschichte, Rhythmus oder Sinn. Mit damals 70 Jahren trat er damit in die Öffentlichkeit und war vom Stand weg erfolgreich und anerkannt. Als Maler arbeitete er mit einem Format, das gerade noch im Atelier eigenhändig zu bewegen war: zwei mal eineinhalb Meter. Diese Formate passen zwar in kaum ein Wohnzimmer, aber es ging auch nicht darum, Wohnzimmer hübsch zu schmücken, sondern einem Thema gediegen Ausdruck zu verschaffen und um großzügige, anspruchsvolle Gestaltung.

Dass man ihn erst 2017 als Maler kennenlernen konnte, lag an seiner weitgehenden Zurückhaltung bezüglich einer Ausstellungstätigkeit, die ihn schlicht wenig interessierte. Es gelang, ihn voriges Jahr zur Teilnahme am Geislinger Kunstfrühling und anschließend zu einer Einzelausstellung zu gewinnen, die im Sommer hundert seiner Werke präsentierte – mit Staunen und Bewunderung wahrgenommen von ausnahmslos allen Besuchern der Schau.

Dort zeigte sich die Meisterschaft dieses leidenschaftlichen Gestalters in ihren vielen Facetten, und auch seine gekonnten charaktervollen Zeichnungen waren zu sehen.

Vor dieser künstlerischen letzten Lebensphase lag Bruno Enss­lens Berufskarriere als selbständiger Werbegrafiker, der in den besten Zeiten zehn Mitarbeiter beschäftigte und für mehrere seiner Kampagnen und Gestaltungen Preise gewann. Als Kind war er mit Familie 1946 nach Schwaben gekommen und besuchte dort die Schulen bis zur Kunsthochschule in Stuttgart, bevor er sich als Grafiker in jungen Jahren selbständig machte.

Außer seine leiblichen Nachkommen hinterlässt er uns seine Werke, literarisch und bildnerisch, die noch vielen Menschen die Augen öffnen, die Seele berühren und ein Lächeln auf die Lippen zaubern werden.