Konzert Ein Abend voller Premieren im Casa Nova

Rechberghausen / Axel Raisch 07.02.2018
Die inklusive Band „The Sixteens“ der Welzheimer Nikolauspflege sorgte im Rechberghäuser Begegnungscafé Casa Nova für ein volles Haus. Das SWR Fernsehen war für ein Bandportrait vor Ort.

Eine solche Gänsehaut bei der Hitze hier drin“ habe sie noch nie erlebt, gestand Sabine Renning am vergangenen Samstag zum Abschluss des Konzerts der „Sixteens“ in ihrem prallvoll besetzten Café der seit fünf Jahren bestehenden inklusiven Begegnungsstätte Casa Nova in Rechberghausen.

Es war ein Abend voller Premieren. Bei keiner Veranstaltung zuvor habe er Gäste am Eingang wegen Überfüllung des Cafés abweisen müssen, berichtete Matthias Renning. Erstmals war das SWR-Fernsehen da, um ein Bandporträt zu machen. „The Sixteens“, eine inklusive Band der Welzheimer Nikolauspflege, stellte dabei ihre erste CD „Behind Our Eyes“ vor. Sänger Ralf Friton (48) an der Gitarre und der blinde Geiger Jörg Seibold (41) wurden an diesem Abend von Martin Sauer an der Cajon unterstützt.

Von Irish Folk bis Rock

Dass die zwanzigjährige musikalische Zusammenarbeit nun zur Produktion einer CD geführt hatte, ist vor allem der Beharrlichkeit Seibolds zu verdanken, dessen großer Wunsch diese CD war. Die Vielfalt der darauf enthaltenen Musikstücke von Angelo Branduardi bis Avicii und von Irish Folk bis Rock spiegelt die Einflüsse und Vorlieben beider Musiker wider. Heilerziehungspfleger Ralf Friton und Jörg Seibold lernten sich vor über 20 Jahren in der Welzheimer Nikolauspflege kennen.

Seither sind sie nicht nur im Alltag der Einrichtung für Blinde, Sehbehinderte und mehrfach behinderte Erwachsene ein eingespieltes Team, sondern auch musikalisch. „The Sixteens“ werden von der Einrichtung gefördert und unterstützt. Im Gegenzug spielen die beiden Musiker Mittel für die Arbeit in Welzheim ein. Zwei bis drei Auftritte absolviert das Duo pro Monat. Organisationen, Firmen, Vereine, die eigene Einrichtung, aber auch Privatpersonen buchen Seibold und Friton.

Die Begeisterung für Branduardi war es auch, die Jörg Seibold zum Erlernen des Geigespiels motivierte. Das musikalische Gen habe er von seinem Großvater, der aus dem Gedächtnis Akkordeon gespielt habe, erzählt Jörg Seibold.

So ähnlich funktioniert es nun auch beim Enkel. Einmal erlernt durch Brailleschrift, muss er fortan jedes Konzert aus dem Kopf bestreiten. Auf Blockflöte und Gitarre in der Schulzeit folgten Geige und Bratsche, demnächst möchte er noch die Querflöte ins Repertoire aufnehmen. Er träume von einer Karriere als Berufsmusiker, verrät Seibold nach dem umjubelten Konzert in Rechberghausen. Friton bringt die Erfahrung aus einer früheren Rockband und einem aktiven Musik-Duo mit.

Für Unterhaltung und Überraschungsmomente sorgten sie auch an diesem Abend. „Aha, das wussten wir jetzt gar nicht, dass wir auch Tracy Chapman im Repertoire haben. Der Abend bleibt spannend“, sagte Ralf Friton überrascht, als bei der Zugabe die Euphorie mit Jörg Seibold durchging. Die Improvisation klappte perfekt. Nicht nur dies quittierten die rund 80 Besucher mit kräftigem Applaus und Bravo-Rufen.

Von Seibolds Musikgefühl beeindruckt zeigte sich Markus Laux, der selbst Musik macht. „Er spürt die Noten, und das haben wir wiederum im Publikum gespürt“, sagte der Göppinger nach dem Konzert.

Auf das außergewöhnliche Duo Friton-Seibold wurde auch der SWR aufmerksam und drehte in den vergangenen Wochen ein Bandporträt. Höhepunkt ist dabei das Konzert im Casa Nova. In dem dreieinhalb Minuten-Beitrag der Landesschau wird auch die Arbeit in der Nikolauspflege sowie der Weg von Jörg Seibold in die Einrichtung zu sehen sein. Der genaue Sendetermin im Februar stehe noch nicht fest, sagte Redakteur Markus Frank am Rande des Konzerts.

Der Name entstand aus einer einfachen Rechnung

Namen: Wie es zum Namen „The Sixteens“ kam: „Es ist die Kombination der 12 Saiten, die Ralfs Gitarre bei der Gründung der Sixteens hatte und den vier Saiten meiner Geige“, erklärt Jörg Seibold. Dass diese Erläuterung durchaus nötig ist, zeigt das Beispiel einer Anfrage. „Es wollte uns jemand buchen, der dachte, wir seien zwei 16-Jährige“, schmunzelt Seibold.

Kunst: Die Begegnungsstätte CasaNova öffnete vor fünf Jahren ihre Türen für Veranstaltungen rund um Kunst sowie für und unter Einbeziehung benachteiligter Menschen. Träger ist der gleichnamige Verein, der 2010 gegründet wurde und dem Sabine und Matthias Renning vorstehen.

CD: Die CD ist bei der Nikolauspflege erhältlich. Kontakt und Hörprobe gibt es online.

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