Lob für Infoabend Kinderkrebsfälle in Eschenbach: Echo aus dem ganzen Land

250 Gäste waren zur Informationsveranstaltung gekommen. Unser Bild zeigt den Blick vom Podium, am Pult Eschenbachs Bürgermeister Thomas Schubert.
250 Gäste waren zur Informationsveranstaltung gekommen. Unser Bild zeigt den Blick vom Podium, am Pult Eschenbachs Bürgermeister Thomas Schubert. © Foto: Giacinto Carlucci
Eschenbach / Jürgen Schäfer 18.12.2018
Der Infoabend zu den Eschenbacher Kinderkrebsfällen bewegt die Menschen. Es gab weitere Hinweise, worauf die gehäuften Erkrankungen zurückzuführen sein könnten.

Rückmeldungen aus allen Ecken des Landes bekam der Eschenbacher Bürgermeister Thomas Schubert auf seinen Infoabend zu den Kinderkrebsfällen im Ort, die in den letzten zehn Jahren exorbitant gestiegen sind. Das berichtete Schubert im Gemeinderat. Er habe dabei noch zusätzliche Hinweise bekommen, worauf die gehäuften Erkrankungen zurückzuführen sein könnten.

Beispiel:  Ein 88-Jähriger aus dem Raum Würzburg habe angeboten, Wasseradern aufzuspüren. Verborgenen Wasseradern wird ein störender Einfluss auf die Gesundheit nachgesagt. Da die Anreise für den hochbetagten Wünschelrutengänger keine Kleinigkeit ist, schrieb er dazu: Eventuell fahre ihn sein Enkel her.  Erdspalten oder geologische Schwachstellen, die sich am Alb­rand befinden sollen, sind auch ein Thema. Schubert berichtete, dass er von einer gesundheitsschädlicher Konzentration des Edelgases Radon gelesen habe, die gar nicht so weit weg sei. Andererseits: Im Hochschwarzwald ist Radon ein Heilmittel.

Nachfassen will Schubert auch bei den Windverhältnisse am Müllheizkraftwerk, das nördlich von Eschenbach liegt. Ein Besucher des Infoabends, der Gleitschirmflieger war, hatte den Verdacht geäußert, dass der Wind den Rauch durchs Heubachtal nach Eschenbach tragen könnte. In Sachen Strahlenschutz betonte Schubert, dass die Funkstrahlen von der Mobilfunkantenne am Sportplatz minimalst seien im Verhältnis zum privaten Handy, dem Funkwecker und was so zum privaten Alltag gehöre. Von der Landesanstalt für Umwelt kommt die Aussage, dass Mobilfunksender die Grenzwerte durchschnittlich zu weniger als einem Prozent ausschöpften. In seltenen ungünstigen Fällen seien es zehn bis 20 Prozent. Auf die indivuellen Vorsorgemaßnahmen weise auch das Bundesamt für Strahlenschutz hin. Das unterstreicht der Eschenbacher Gemeinderat. Sechsmal höher als im Durchschnitt sind die Kinderkrebsfälle in Eschenbach, bezogen auf das letzte Jahrzehnt. Über dem Durchschnitt liegt auch das Erwachsenen-Krebsregister für den Ort, das seit drei Jahren geführt wird und noch nicht die fünf Jahre erreicht hat, die zur Beurteilung herangezogen werden. Schubert nannte jetzt Zahlen: Erwartbar wären in diesen drei Jahren 40 Fälle, tatsächlich seien es 53. „Das müssen wir auch streng im Auge behalten.“

Müllheizkraftwerk bleibt in der Kritik

Gemeinderäte lobten die Aufarbeitung des „so schweren Themas“ beim Infoabend mit zehn Experten und 250 Besuchern in der Technotherm-Halle. Reinhard Bauch bekam das Gefühl, „dass man der Sache auf den Grund geht“, Wilfried Eitle hörte ein sehr positives Feedback.  Wolfgang Rotsch sieht Eschenbach „ein bissle reingewaschen“  von Dingen, „an denen man nichts ändern kann“.

Das Müllheizkraftwerk bleibt in der Kritik. Erich Steiger nannte es ein ungutes Gefühl und einen faden Beigeschmack, dass diverse Messungen am Müllofen vom Betreiber selbst vorgenommen würden. Dr. Jürgen Stavenow forderte, jeden Eintrag von Gift aus der Müllverbrennung zu minimieren. In Vorbereitung ist die schriftliche Forderung  der Gemeinde, den Dioxin-Ausstoß ständig zu messen.

Aber auch anderes beschäftigt die Gemeinderäte. Über die Firma AHC im Gewerbepark höre man, ihre Emissionen seien locker unter den Grenzwerten. Aber: „Wer legt Grenzwerte fest?“ fragte Steiger, und erinnerte an die Verpuffung vor Jahren. Er habe immer das Gefühl, es werde etwas gemauschelt.  Stavenow sieht es so: Grenzwerte seien immer das, was machbar sei. Er wolle sie so niedrig wie möglich haben. Eitle kritisiert, dass der Staat bei Gesundheitsrisiken vieles zulasse. 

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