Demografie Ebersbach muss Kitas bauen

Ebersbach muss in den nächsten Jahren sein Angebot an Kinderbetreuung erheblich erweitern. Vor allem soll das in der Kernstadt und in Roßwälden geschehen.
Ebersbach muss in den nächsten Jahren sein Angebot an Kinderbetreuung erheblich erweitern. Vor allem soll das in der Kernstadt und in Roßwälden geschehen. © Foto: Julian Stratenschulte (dpa)
Ebersbach / Ingrid Zeeb 06.07.2018
In Ebersbach steigt der Bedarf an Kinderbetreuung. Die Stadt will Kinderhäuser in der Kernstadt und in Roßwälden bauen.

Die gute Nachricht ist: Die Kinderzahlen in Ebersbach steigen in den nächsten Jahren. Die weniger gute: Die Stadt muss trotz angespannter Finanzen in zusätzliche Kindergartenplätze investieren. Geplant ist zunächst der Bau einer neuen zentralen Kindertagesstätte mit fünf Gruppen in der Kernstadt, deren Standort der Gemeinderat noch festlegen muss. Zwei dieser Gruppen dienen als Ersatz für die Villa Kunterbunt, die wegen baulicher Mängel aufgegeben werden muss, wie Hauptamtsleiter Günther Pfeiffer jetzt im Ausschuss für Verwaltung und Bürgerschaftliches Engagement sagte. Auch in Roßwälden muss in den nächsten Jahren gebaut werden.

Verstärkt wird die Nachfrage dadurch, dass mehr Betreuungsplätze für unter Dreijährige notwendig sind und verstärkt Inklusionskinder mit besonderem Förderbedarf in die Einrichtungen kommen. Für Kinder dieser beiden Gruppen müssen zwei Betreuungsplätze zur Verfügung gestellt werden, erläutert Sozialmanagerin Anne-Kathrin Schmid bei der Vorstellung des Kindergartenbedarfsplan 2018/19.

Und der hat es in sich. „Zum 1. Mai 2019 werden die Plätze in fast allen Einrichtungen gefüllt sein“, erläuterte sie. Erst im September, wenn der nächste Jahrgang in die Schule kommt, gibt es wieder Entlastung.

Es kommen mehrere Faktoren zusammen: Die Villa Kunterbunt müsse wegen der schlechten Bausubstanz aufgegeben werden, sagte Schmid. Die Ausweisung von neuen Baugebieten und der Generationswechsel in bestehenden Vierteln erhöhe den Bedarf. Außerdem steigt der Bedarf an Ganztagesbetreuung signifikant (Schmid: „Das Kinderhaus Schatzkiste ist überfüllt“) Der Bedarf an Plätzen für unter Dreijährige (U3) steige stetig, ebenso die Zahl der Inklusionskinder.

Leichte Entlastung bringen fünf zusätzliche Plätze, die der ASB in seiner Kita „Filsblick“ vorübergehend bereitstellt, und die Wiedereröffnung der Einrichtung im Ringweg in Roßwälden im November. Sie soll für drei bis fünf Jahre Bestand haben. „Wir brauchen einen Masterplan für den Mehrbedarf an Gruppen“, forderte Sybille Herb (CDU) mit Blick in Richtung Stadtverwaltung. „Wir müssen jetzt langsam konkreter werden, was zu tun ist.“

Ingrid Scherr (SPD) stellte fest, dass man bei der Ausweisung neuer Wohngebiete künftig früher daran denken müsse, welche Folgemaßnahmen – gerade bei der Kinderbetreuung – das nach sich ziehe. Auf die Frage von Sybille Herb, ob die Kita im Ringweg auch von der evangelischen Kirche betrieben werden kann, sagte Keller: „Es gab Gespräche mit dem Ergebnis, dass die evangelische Kirche definitiv nicht einsteigen wird.“ Sprich, die Stadt übernimmt die Trägerschaft.

Offen bleiben musste die Frage von Gisela Hoyler-Roos (SPD), wie viele auswärtige Kinder die Ebersbacher Einrichtungen besuchen. Der Waldorfkindergarten spiele da wohl eine wichtige Rolle, hieß es, denn er ziehe besonders viele Familien von auswärts an. Anne-Kathrin Schmid konnte nur die Aussage machen, dass zwei Drittel mehr auswärtige Kinder Einrichtungen in Ebersbach besuchen als umgekehrt Ebersbacher Kinder die in anderen Gemeinden.

Klaus Walter (Grüne) nutzte die Diskussion, um seine grundsätzliche Skepsis gegenüber „der Ausweisung von Neubaugebieten auf Teufel komm raus“ zu äußern: „Sind die Mehreinnahmen mit den Ausgaben gegengerechnet? Wie ist der Saldo?“ Widerspruch kam von Brigitte Kreisinger (CDU): „Das geht nicht, zu sagen, wir frieren alles ein. Das ist die falsche Diskussion.“ Auch Eberhard Keller findet es „kontraproduktiv, sich weiterem Zuzug zu verschließen. Ich warne davor, aus Ebersbach ein Seniorenheim zu machen.“ Zuzug brauche man, um die Infrastruktur aufrechtzuerhalten und keine Einrichtungen schließen zu müssen.

Neuer Anlauf beim Waldkindergarten?

Waldkindergarten: Seit Jahren wird in Ebersbach immer wieder über einen Waldkindergarten diskutiert, doch alle Versuche, einen solchen einzureichten, sind bisher im Sande verlaufen. Jürgen Nagl (FWV) regte an, einen neuen Versuch zu starten und sich das Forsthaus in Büchenbronn, das man schon einmal im Blick hatte, noch einmal anzuschauen. Ingrid Scherr (SPD) sagte, derzeit hätten zu wenige Eltern Interesse daran, vielleicht sollte man es in fünf Jahren noch einmal versuchen. Nagl konterte: „In Deizisau funktioniert es auch, da sind zwei Gruppen voll.“

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