Kreis Göppingen/Stuttgart eSport kommt langsam im Landkreis an

Kreis Göppingen/Stuttgart / Ruben Wolff 13.04.2018
Der VfB Stuttgart setzt seit dem vergangenem Jahr auch auf eSport und im Landkreis Göppingen plant ein Salacher mit seinem Team, den Trend in die Heimat zu holen.

Mit viel Wucht hämmert Mario Gomez den Fußball ins gegnerische Tor. Der Treffer ist wie eine Erlösung für den VfB. Doch der Mario Gomez, der auf dem Bildschirm zu sehen ist, ist nicht der, den wir sonst im Fernsehen sehen. Es ist die virtuelle Nachbildung des berühmten Fußballers und gesteuert wird er vor einem eSportler, der auf einer Bühne sitzt.

Die digitale Revolution greift auch längst nach dem „realen“ Sport. Bis 2020 sollen mit eSport Umsätze in Höhe von etwa 130 Millionen Euro in Deutschland erwirtschaftet werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte. Lukrativ ist der Trend dank des Kartenverkaufs, des Merchandising, Sponsorengeschäfte und Premium-Contents.

SC Geislingen zockt mit, aber nicht als E-Sport-Team

„Ich bin Zocker erster Stunde“, sagt Jasko Šuvalic, der den SC Geislingen in der Bezirksliga auf den ersten Tabellenplatz geführt hat. Seine Spieler lieben es, Bälle im Tor ihres Gegners zu versenken – real wie virtuell. Šuvalic versteht also die Zockerleidenschaft, aber wundert sich darüber, dass solche Wettbewerbe in ausverkauften Hallen ausgetragen werden wie zuletzt in der Kölner Lanxess-Arena: „Ich verstehe noch nicht ganz, wer sich das anschauen soll“, sagt Šuvalic.

Samet Köylü versteht das bereits. Er setzt sogar darauf. Der 30-jährige Salacher gehört zum Vorstandsteam von Jokers eSport. Insgesamt gehören rund 40 Gamer der Gruppe an, die deutschlandweit an Turnieren teilnimmt. Zuletzt waren Köylü und seine Mitstreiter in München und Wiesbaden.

Jokers eSport sucht sich Platz in Wirtschaftswelt

Lädt Köylü seine Konsole hoch, um zu spielen, steuert er aber keine Fußballer über den Bildschirm, sondern Soldaten mit Waffen. Ihn erfüllt eine Leidenschaft für Ego-Shooter. „Mich fasziniert dabei, dass es nicht ums Ballern geht. Wir müssen uns Strategien zurechtlegen und im Team arbeiten, um den Gegner zu schlagen“, sagt der Salacher, der täglich drei Stunden seines Feierabends für seine Leidenschaft opfert.

Köylü hat sich auch eine Strategie abseits der virtuellen Welt zurechtgelegt. Er will den elektronischen Sport im Kreis Göppingen bekannter machen und Jokers eSport als Kleinunternehmen anmelden. Dann könnte er Sponsorengelder annehmen. Es gibt bereits einen Autohändler in Göppingen, der Jokers eSport finanziell unterstützen will.

Alleine sind Köylü und seine Gamer-Freunde aber heute schon nicht. Sie haben Partner, die sie beispielsweise mit Energy-Drinks versorgen, die bei der Live-Übertragung eines Events ins Internet nur im Bild auftauchen sollen. Unternehmen sehen eine große Chance, ihren Bekanntheitsgrad auf diese Weise zu erhöhen.

Die eSport-Welle breitet sich aus und Köylü versucht, die richtigen Kanäle zu legen, damit die Welle den Landkreis Göppingen erreicht.

Der Boom im elektronischen Sport scheint nicht aufzuhalten sein. Bis 2020 könnte die Branche weltweit 600 Millionen Zuschauer haben und einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften. Das sagt der Analyst Peter Warman vom Unternehmen Newzoo, wie aus Presseberichten zu entnehmen ist. Unrealistisch ist das nicht, denn wie das Schweizer Marketing Netzwerk ESB recherchiert hat, gab es bereits Anfang vergangenen Jahres rund 400 Millionen Fans der Sportart weltweit.

Der VfB greift nach Talenten aus der Region

Der VfB Stuttgart hat im Juli vergangenen Jahres zwei eSportler verpflichtet: Erhan Kayman und Marcel Lutz, der aus Marbach am Neckar stammt. „Wir wollten zwei Dinge miteinander verbinden: Reichweite bei einer interessanten und jungen Zielgruppe und das, was den VfB auszeichnet: Talente aus der Region zu fördern“, sagt Christian Ruf, der beim schwäbischen Traditionsverein den Bereich „Digitaler Vertrieb, Clubs und Fan-Service“ leitet.

Gezockt wird beim VfB ein Fußballspiel – „weil es zu unserem Kernprodukt passt“, erklärt Ruf. Kriegsspiele lehnen sie beim VfB ab, „weil wir als größter Sportverein in Baden-Württemberg einen gesellschaftspolitischen Auftrag haben“.

Im VfB-Trikot wollen Kayman und Lutz virtuelle Traumtore schießen, doch in der TAG Heuer Virtuellen Bundesliga erreichte zuletzt keiner von ihnen die Finalrunde. „Wir hatten einen gebrauchten Tag und sind aufgrund der Auswärtstore-Regel mit einem der Jungs knapp ausgeschieden“, erklärt Ruf. Ein Grund dafür war der sogenannte 85er Modus, der in den gängigen E-Sports-Turnieren nicht verwendet werde und daher keine Parade-Disziplin für die VfB-Stars sei.

VfB plant eigenes eSport-Turnier

Ruf glaubt an den elektronischen Sport: „Er ist die perfekte digitale Ergänzung zum `realen` Fußball im Stadion.“ Der Bereichsleiter sehe immer mehr Talente, die beweisen, wie gut sie an der Konsole sind. Aus diesem Grund will der VfB auch bald ein Nachwuchsturnier veranstalten, um junge Spieler kennenzulernen.

Aktuell sei aber noch zu beobachten, dass es dem eSport an Strukturen fehle. „Diese werden jedoch benötigt, um faire und transparente Wettkämpfe auf allen Ebenen zu gewährleisten. Hierbei kann und wird eine Anerkennung als Sport helfen, um diese zu schaffen und den eSport weiter zu professionalisieren.“

Anerkannte Sportart?!

Im Koalitionspapier der CDU/CSU und SPD ist zu lesen, dass eSport als „Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht“ anerkannt werden soll. Das hätte eine tiefgreifende Wirkung, denn fortan könnte der eSport in die Sportförderung der Länder integriert werden. Spieler und Trainer bekämen ein Sportlervisum. Und auch der Aufbau einer breiten Amateurstruktur wäre dann möglich. (Quelle: esport.kicker.de)

In den USA, Brasilien, China und Frankreich wird eSport schon längst als Sportart anerkannt.

Das Spiel „League Of Legends“ ist als Disziplin bei den Asiatischen Olympischen Spielen anerkannt. Es wird inzwischen auch über eine Olympiateilnahme diskutiert.

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