Aichelberg E-Bürgerbus beerdigt

Aichelberg / JÜRGEN SCHÄFER 17.05.2013
Mit einem Schlagabtausch hat der Verband Raum Bad Boll das Projekt E-Bürgerbus beerdigt. Für die Befürworter ist es eine vertane Chance.

Die Ablehnung ist größer als bisher bekannt: Neben Zell und Schlierbach hat auch Aichelberg die Beteiligung an zwei verknüpften Bürgerbus-Linien von Bad Boll bis Schlierbach abgelehnt. Knackpunkt für die Aichelberger war die Anbindung nach Weilheim, wohin sie viele "Lebensbeziehungen" hätten, gab Bürgermeister Martin Eisele bekannt. Ob dies machbar ist, habe sich auf die Schnelle nicht klären lassen. Der Schultes selbst war für den E-Bürgerbus - wie alle seiner Kollegen in den betroffenen Gemeinden.

Sehr enttäuscht bei der Verbandsversammlung in Aichelberg zeigten sich die Befürworter in den Gemeinden Bad Boll, wo die Zustimmung einhellig war, und Hattenhofen, wo es zwei Enthaltungen gegeben hatte. Die Bad Boller Gemeinde- und Regionalrätin Dorothee Kraus-Prause bedauerte es "außerordentlich", dass eine "wirklich ausgesprochen sinnvolle Arbeit, auch in Kooperation mit der Region", gescheitert sei. Sie sei darüber überrascht, denn es sei doch Konsens gewesen, dass man Bürgerbuslinien im Voralbgebiet haben wolle. Das sei bereits Bestandteil des EU-Leuchtturmprojekts gewesen. "Es wäre eine Chance gewesen, Pflöcke einzurammen." Jetzt stelle sich für Bad Boll die Frage, eine "kleine Lösung" nach Eckwälden oder Pliensbach zu entwickeln.

Rainer Staib bekräftigte: "Es wäre das Geld wert gewesen. Das Projekt wäre innovativ gewesen, man hätte es mit Benzinmotor weiterführen können." Bad Boll habe mehrere schlecht vernetzte Randgebiete.

Auch Bianca Wolf-Hofmann (Hattenhofen) schimpfte: "Günstiger hätten wir es nicht probieren können." Jetzt habe man den Stillstand, "wir sitzen auf unseren Dörfern, der ÖPNV wird weniger". Kontra bekam sie von ihrem Ratskollegen Günter Gaul, der auf fehlenden Bedarf hinwies. "Im Rufbus Hattenhofen-Schlierbach sind fünf Leute gefahren." Gaul fand die Schelte unberechtigt.

Die Frage des unbeheizten Busses kochte noch einmal hoch. Kurt Ulmer (Zell) führte aus, dass er am meisten recherchiert habe und von einem E-Bus in Offenbach erfahren habe, der im Winter boykottiert worden sei, "weil man schlichtweg die Heizung vergessen hat". Staib fand es unbegreiflich, wenn das Projekt an "einem so kleinen Punkt" scheitere. "Daimler wollte es doch auch testen."

Der Zeller Bürgermeister Werner Link wehrte sich gegen den Vorwurf, man habe etwas überstülpen wollen. "Von uns wird erwartet, Ideen zu entwickeln, Motor der Gemeinden zu sein." Auch der Verbandsvorsitzende, Hattenhofens Bürgermeister Jochen Reutter, trauerte den "Perspektiven für einen zukunftsorientierten ÖPNV" nach.

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