Kreis Göppingen E-Bürgerauto "Lorenz" vor dem Start

Einweisung in den Elektro-Antrieb, den kaum einer der Fahrer schon kannte: Das Bürgerauto „Lorenz“ für den Verband Raum Bad Boll soll bald starten.
Einweisung in den Elektro-Antrieb, den kaum einer der Fahrer schon kannte: Das Bürgerauto „Lorenz“ für den Verband Raum Bad Boll soll bald starten. © Foto: Staufenpress
ANGELA BÖTZL 07.10.2016

Am Steuer sitzen ehrenamtliche Fahrer aus dem Verbandsgebiet. „Wir hatten mit etwa 20 Interessenten gerechnet“, erklärt Michael Deiß vom Gemeindeverwaltungsverband (GVV). Bei der Vorstellung des E-Autos im Zeller Autohaus Ratzel waren es 13, von denen die meisten aus Zell kamen. Deiß zeigt sich zuversichtlich: „Da kommen bestimmt noch ein paar dazu“, denn engagieren könne sich jeder. „Einzige Voraussetzung ist natürlich ein Führerschein“, fügt Tina Holz vom GVV an, die für die Organisation des Bürgerautos zuständig ist. Voraussichtlich ab dem 17. Oktober wird das Elektroauto im Einsatz sein. Von da an werden Fahrgäste unter der Woche zwischen 8 und 18 Uhr innerhalb des Verbandsgebietes befördert.

Das Prinzip ist simpel: Man ruft den Fahrer an, sagt wohin man möchte und wird abgeholt. Die Fahrten erfolgen auf Spendenbasis. So einfach es klingt, es steckt viel Planung hinter dem Projekt, wie Jochen Reutter, Chef des Trägerverbandes, erläutert. So kamen bei dem Treffen auch seitens der ehrenamtlichen Fahrer noch einige Fragen auf. Wie werden die Fahrten organisiert und wer fährt wann?

Die Praxis wird es zeigen

Es wurde gegrübelt und diskutiert. Schlussendlich müsse sich das einfach einspielen, sagt der Bad Boller Bürgermeister Hans-Rudi Bührle, das Modell habe sich in Heiningen und Rechberghausen ja bereits bewährt. „Die Erfahrung wird zeigen, wie es am besten funktioniert.“, stimmt Reutter zu. Die Schwierigkeit läge vor allem in der Organisation, weil das Auto in sechs Gemeinden unterwegs sei.

 Projektträger und Organisator ist der GVV Bad Boll. Das Fahrzeug bezahlt der Krankenpflegeverein, für das E-Auto gab’s eine Umweltprämie. „Die laufenden Kosten übernimmt der GVV“, berichtet Bührle, Strom und Parkplatz stellt das Autohaus Ratzel zur Verfügung. Durch das strombetriebene Bürgerauto solle die E-Mobilität stärker in den öffentlichen Fokus gerückt werden. „Natürlich stehen die ökologischen Gründe im Vordergrund“, meint Deiß.  Der weiße Elektrogolf ist für die Ehrenamtlichen komplettes Neuland. „Das kenn‘ ich noch gar nicht“, erklärt Wolfgang Liebrich. Der Hattenhofer möchte Teil der guten Sache werden und stellt sich als Fahrer zur Verfügung.

Bei der Instruktion erklärt Sascha Fortenbacher vom Zeller Autohaus Ratzel alles Wichtige zum Umgang mit dem E-Mobil. „Wichtig ist, dass es abends immer wieder aufgeladen wird“, sagt er. Dies geschieht an der Ladestation, die sich ebenfalls beim Autohaus befindet. Dort wird der Fünfsitzer immer wieder abgestellt und an den Strom angeschlossen. Je nach Fahrweise reicht der Lithium-Ionen-Akku des Autos für 100 bis 120 Kilometer. Im Winter kommt noch die Heizung des Autos als Stromverbraucher dazu. „Der E-Motor produziert keine Wärme“, erklärt Fortenbacher, deshalb müsse die Energie für die Heizung ebenfalls vom Akku kommen.

Akku im Winter mehr belastet

So wird die Akkulaufdauer im Winter doch etwas mehr beansprucht, um ein Zähneklappern beim Fahrer und seinen Fahrgästen zu verhindern. Aber „je kälteresistenter die Fahrgäste, desto weiter die Fahrleistung“, fügt er schmunzelnd hinzu. Wird der Strom dann trotzdem mal knapp, liegt im Kofferraum ein Ladekabel für die herkömmliche Steckdose parat. Damit kann das Elektroauto auch zu Hause aufgeladen werden.

Erstaunte Gesichter gibt es dann bei der Probefahrt, denn der E-Golf bewegt sich völlig lautlos über den Asphalt. Kein Brummen, kein Knattern, man hört nichts, wenn er um die Ecke biegt. „Ein Junge lief gerade auf die Straße, der hatte das Auto gar nicht bemerkt“, berichtet Walter Dahlmann von der Zeller Seniorengruppe 60 plus, die sich hier kräftig einbringen will. Aber zur Not gäbe es ja eine Hupe. Bei der Probefahrt demonstrierte Fortenbacher den Mitfahrern außerdem, wie man während der Fahrt Energie zurückgewinnen kann. „Erstaunlich, ich bin wirklich platt“, sagt Dahlmann, und auch Klaus Wolfframm aus Dürnau ist überzeugt: „Das ist ein Stück Zukunft.“

Verwaltungsfüchse  finden „Lorenz“ im Buchstabendschungel

Woher kommt der Name Lorenz? Stefanie Rieger und Tina Holz vom Verwaltungsverband haben ihn in den Ortsnamen der sechs Verbandsgemeinden von Aichelberg bis Zell gefunden. Weil kein einzelner Ort Namenspate für das gemeinsame Bürgerauto sein sollte, haben sie mit den Ortsnamen so lange gepuzzelt, bis sich wie im Kreuzworträtsel „Lorenz“ ergab. 

Mobilität: Grundsätzlich steht das Bürgerauto allen Bürgern der sechs Gemeinden zur Verfügung. Besonders die Mobilität und Selbstständigkeit der älteren Generation soll damit aufrechterhalten werden.

Testphase: In den nächsten zwei Jahren soll das System getestet werden. „Wir werden sehen, wie sich die Reaktion entwickelt“, sagt der Bad Boller Bürgermeister Hans-Rudi Bührle. Gegebenenfalls werde dann über ein zweites Bürgerauto nachgedacht und die Einsatzbereiche in Ost und West aufgeteilt.