Bad Boll Durchdrungen von Ironie

Bad Boll / SVENJA EL BASTAWISY 31.10.2013
Der große Saal des Kurhauses Bad Boll war voll besetzt bei der Premiere des Stücks "Das von Juwelen funkelnde Weib" von theaterfuereinjahr und Angela Hack. Geladen hatte die VHS Bad Boll/Voralb.

Auf dem Programm stand eine besondere Premiere des Theaterprojekts "Das von Juwelen funkelnde Weib", eine Kooperation von theaterfuereinjahr und Angela Hack, "verknüpft mit der Uraufführung des Liederzyklus "La Fuite de la lune", die vom Publikum mit langem herzlichen Applaus und dem Wunsch nach zwei Zugaben honoriert wurde. Der estnische Komponist und Pianist Vsevolod Pozdejev war eigens für das Konzert nach Bad Boll gereist.

Im Wechsel zwischen Gesang, Rezitation und kurzen Spielszenen wurden die Zuschauer in die Welt von Oscar Wilde mitgenommen. Die von Thomas Faupel und Angela Hack gespielten Szenen aus dem Bühnenstück "the importance of being earnest" und dem Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" ließen das Publikum schmunzeln und machten zugleich nachdenklich. Immer waren die Texte durchdrungen von der für Wilde typischen Ironie und seinem Wortwitz. Gesellschaftskritische Texte - etwa Ausschnitte aus Wildes Essay "Die Seele des Menschen im Sozialismus" - wurden eindrucksvoll von Thomas Faupel vorgetragen. Faupel, zuständig für Textauswahl, Regie und Rezitation, gab an diesem Abend einen spannenden Einblick in das umfangreiche Werk des Lyrikers und Skandalautors Oscar Wilde.

Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch die Musik, die von Angela Hack und Vsevolod Podzdejev auf Grundlage einiger Gedichte Wildes von den Künstlern hingebungsvoll vorgetragen wurde. Ulrich Hahnel rundete die anspruchsvollen Klavierarrangements stimmungsvoll ab und glänzte zudem mit zwei Geigensoli.

Zwei Gesangsstücke des neu geschaffenen Liederzyklus stachen besonders hervor: "The Dole of the kings daughter", eine imposante Ballade, in der Pozdejev sein Können am Instrument und Hack ihre Stimmgewalt zeigen konnten, und "Ave Imperatix", eine düstere Kritik an der viktorianischen Zeit. Hier sorgte Fabian Fahrenschon, der als Soldat mit Snaredrum durch den Mittelgang schritt und fortan das Ensemble ergänzte, für Gänsehaut.

Ganz anders hingegen "Canzonet", ein lustiges Lied mit Tanzeinlage und Violinsolo, in dem Angela Hack die Schleppe ihres viktorianischen Kostüms kurzerhand zum Pfauenrad umwandelte und als Tanzrequisite ummünzte.

Besonders beeindruckend waren die stimmliche Vielseitigkeit Angela Hacks und die Virtuosität Vsevolod Pozdejevs am Klavier. Ihr Zusammenspiel war eine Freude, da hätte man sich noch das ein oder andere Lied mehr gewünscht.

Ein weiteres Highlight: Pianist Vsevolod Pozdejev spielte zwei Eigenkompositionen für Klavier und wurde dafür vom Publikum mit großem Applaus belohnt.

Ein schöner Abschluss war der Tanz der Salome von Angela Hack, begleitet von Klavier, Trommel und Geigenimprovisation.

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