Konzert Duo Recital als Entdeckung im Kurhaus

Anne Rothaupt (l.) und Hazel Beh bewältigten bei ihrem Konzert mühelos alle spieltechnischen Klippen. 
Anne Rothaupt (l.) und Hazel Beh bewältigten bei ihrem Konzert mühelos alle spieltechnischen Klippen.  © Foto: Bettina Steinbacher
Bad Boll / Ulrich Kernen 14.08.2018

Wahrhaft königliche Musik erklang am Sonntag im königlichen Festsaal des Kurhauses Bad Boll. Das Duo Recital (Anne Rothaupt, Violine, und Hazel Beh, Klavier) hatte drei Werke auf seinem Programm, die zu den anspruchsvollsten ihrer Gattung zählen: die Sonate Nr. h-moll BWV 1014 von J.S.Bach, die Sonate Nr. 2 opus 121 von Robert Schumann und die „Kreutzer-Sonate“ von Beethoven.

Wer befürchtet hatte, dass die jungen Künstlerinnen diese anspruchsvolle Wahl bereuen würden, wurde eines Besseren belehrt. Sie bewältigten nicht nur alle spieltechnischen Klippen, sondern zeigten auch keine Konzentrationsschwächen in diesem kraftzehrenden Programm. Deshalb waren sie frei für intensive und spannende Interpretationen.

Bei Bachs Sonate hatten sie sich dafür entschieden, das Emotionale im Werk in den Mittelpunkt zu rücken, und das war gut so! Die schnellen Sätze blitzten vor rhythmischer Energie und Munterkeit, die langsamen waren deshalb so ergreifend, weil sich die Künstlerinnen die Zeit dafür nahmen, das Gesangliche auszuspielen. Die Balance zwischen Violine und Klavier war in dieser Phase aber noch nicht optimal, weil die gute Pianistin ihre Rolle als Partnerin noch nicht angenommen hatte.

Ein Duo lebt vor allem aus dem Zuhören. Robert Schumanns Anliegen in seiner zweiten Sonate war, permanente Wechsel zwischen Forschheit und Feinheit, Spannung und Entspannung umzusetzen. Da standen harte Schläge schroff neben feinem Pochen. Äußerste Zurückhaltung verlangte der Choral im dritten Satz, und das stimmte fast überall. In wilder, entfesselter Jagd beschloss das Duo die Sonate, ohne auf Sicherheit zu spielen. Die beiden gingen voll auf Risiko und wurden mit einer grandiosen Interpretation belohnt.

In der abschließenden Kreutzersonate von Ludwig van Beethoven erlebte man dann einen besonderen Prüfstein und – es kam der Durchbruch! Nun musizierte auf der Bühne ein echtes Duo, das sich freigespielt hatte und selbstbewusst und unerschrocken alle Schwierigkeiten meisterte. Die Variationenfolge des Andantes bescherte eine besondere Überraschung: In zahlreichen Abwandlungen zelebrierten die beiden die atemberaubende Schwerelosigkeit dieser Musik – ganz große Kunst und ein besonderer Moment in diesem Konzert.

Eine elektrische Entladung nach der anderen folgte im Finale. Voller Spielfreude stürmte das Duo voran, und dann gelangen auch heikle Sachen wie von selbst…

Fazit: Anne Rothaupt und Hazel Beh werden ihren künstlerischen Weg machen und dann hoffentlich auch einmal wieder nach Bad Boll zurückfinden!

Harfe und Lyra im Königlichen Festsaal

September-Konzert Den nächsten Konzertabend in der Reihe „Töne der Klassik“ bestreitet am Sonntag, 9. September, das Duo Bredl-Wuckelt in der seltenen gehörten Besetzung Harfe und Lyra. Eva- Maria Bredl (Harfe) und Klaus Wuckelt (Lyra) musizieren im Kurhaus Bad Boll Werke vom italienischen Barock über die Romantik bis zum 21. Jahrhundert. Konzertbeginn im Königlichen Festsaal des Kurhauses ist 19 Uhr. Ein Kostenbeitrag von 15 Euro (ermäßigt 7 Euro) für das Konzert wird erbeten.

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