Konzert Duo Palomar überzeugt im Kurhaus Bad Boll

Auf höchstem Niveau spielte das Duo Palomar im Kurhaus.
Auf höchstem Niveau spielte das Duo Palomar im Kurhaus. © Foto: Bettina Steinbacher
Bad Boll / Ulrich Kernen 12.05.2018

Verena und Klaus Rothaupt hatten das Duo Palomar mit Vera Sophie Bayh (Flöte) und Janis Neteler (Gitarre) in den Festsaal des Kurhauses Bad Boll eingeladen. Die Flötistin verfügt über eine große Palette an Klangfarben, die sie geschmackvoll und immer ohne Kraftanstrengung einsetzt. Ihr Partner Janis Neteler  musiziert als Gitarrist souverän auf einem Instrument, das vom Klangvolumen her der Flöte unterlegen ist. Vera Bayh nutzte diese Überlegenheit nicht aus; dennoch beschränkte sich ihr Partner nobel auf eine für sie angenehme Begleiterrolle.

Die Rollenverteilung stimmte im Eröffnungsstück, der leichten, luftigen Sonate D-Dur opus 8 von Filippo Gragnani. Seine künstlerische Visitenkarte gab Janis Neteler dann mit „Scottish Choro“ von Heitor Villa-Lobos ab. Feines Piano überzeugte, ein kontrolliertes zartes Swingen hätte aber dem Stück sicher gutgetan.

Vera Bayh spürte in der Sonate d-Moll opus 2 von Benedetto Marcello den emotionalen Linien dieser feinen Musik nach, und so entwickelte sich eine Atmosphäre der Leichtigkeit. Ein einmaliges Kunstwerk ist der erste Satz der a-moll-Solosonate von Carl Philipp Emanuel Bach: Losgelöst von allen Konventionen seiner Zeit schuf der Komponist ein Seelengemälde, dessen Wirkung man sich nicht entziehen konnte, auch deshalb, weil die Künstlerin mit grandioser Hingabe alles stimmig in Musik umsetzte: Kunst auf höchsten Niveau!

Unverkennbar war die Vorliebe des Duos für Lateinamerikanisches: Piazzollas „Histoire du Tango“ und Celso Machados „Musiques populaires brésiliennes“. Da blühten wundervolle Cantilenen auf, um immer wieder von mitreißenden Rhythmen abgelöst zu werden. Das Duo fand zu der scheinbaren Lässigkeit dieser Musik, in der man die lustvollen Tanzbewegungen mit ihrer Mischung aus Süße, Sehnsucht und Schmerz genießen durfte.

Als Auflockerung waren zwei überaus elegante Werke eingeschoben: die Sonatina opus 205 von Mario Castelnuovo-Tedesco und der rasant genommene „Entr’acte“ von Jaques Ibert. Zurück blieb der Eindruck: Aus dem Zusammenwirken von technischer Präzision, Lockerheit und farbiger Tongebung entsteht faszinierende Musik! Ulrich Kernen

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