Asyl Dürnau will Asylunterkunft bauen

Dürnau / JÜRGEN SCHÄFER 13.07.2015
Der Dürnauer Gemeinderat erwägt, eine Asylunterkunft zu bauen, weil es sonst kein Quartier im Ort gibt. Die Meinung der Bevölkerung ist gefragt.

Dürnau betritt Neuland bei der Unterbringung von Asylbewerbern: Kein Wohncontainer, sondern gleich ein richtiger Hausbau wird angepeilt. "Weil ein Container auch viel Geld kostet, und man hat nichts davon. Der ist mit der Zeit fertig", urteilt Gemeinderat Friedrich Allmendinger. Ein Haus könne man dagegen später noch nutzen. "Wir hätten dann was für sozial Schwache". Dies werde im Gremium einhellig so gesehen. Dazu komme, dass ein Wohnhaus anders wirke als ein Wohncontainer. Das sehe nach mehr Heimat aus, für die Bewohner wie für die Nachbarschaft. Allmendinger hat noch im Ohr, dass es früher das Wort "Barackenleute" gab. "Eine Containerlösung hätte gewisse Akzeptanzprobleme", sagt Bürgermeister Friedrich Buchmaier.

Beim Standort gibt es wenig Auswahl. Ins Gewerbegebiet will man keine Asylunterkunft setzen. Der Gemeinderat favorisiert eine Platz am Ortsrand beim alten Bahngleis nach Boll, auf dem Korridor der einstigen Nebengleise. Dort hat die Gemeinde ein Grundstück, das zwar als Bauplatz ungünstig zugeschnitten sei, aber als Asylquartier den Zweck erfülle, sagt der Schultes. An drei Geschosse werde gedacht, weil es tiefer liege als das Wohngebiet. Das böte 15 Personen Platz, fünf pro Geschoss. In einem Haus, dass dann nicht Asylantenheim heißen soll, sondern freundlicher: "Haus für Gäste ist mal der Arbeitstitel", sagt der Schultes.

"Große Augen" habe der Gemeinderat angesichts der Kosten gemacht, berichtet Buchmaier: Dreigeschossig läge man bei Minimum 400 000 Euro, auch bei einfacher Ausführung. Dagegen könne man nur Mieteinnahmen rechnen, die der Landkreis für die Belegung zahlen würde. Allerdings hätte man auch Vermögen geschaffen. Für Allmendinger sieht die Rechnung auf lange Sicht nicht schlecht aus. Der Punkt sei: Es wäre Kapital gebunden. 114 000 Euro stehen schon im Haushalt bereit.

Buchmaier hofft, dass die Bevölkerung möglichst große Akzeptanz für das "Haus für Gäste" aufbringt. Man wolle damit gezielt an die Öffentlichkeit gehen, bei weiterer Planreife könnte ein Gespräch mit den Anwohnern folgen. Was bei mangelnder Akzeptanz geschieht, weiß Buchmaier nicht. Er hält auch die Kosten noch für einen Knackpunkt. Ob die Gemeinde zum Ziel komme, sei ergebnisoffen. "Wir versuchen, diesen Weg zu gehen."

Allmendinger ist da robust. Er wisse von einem Anwohner, der dagegen sei. Was Allmendinger aber nicht umstimmen würde. "Egal wo man's hinstellt, würde man Widerstand kriegen. Keiner schreit Hurra." Wichtig sei, sei der Bevölkerung zu vermitteln, dass die Gemeinde zu diesem Schritt gezwungen sei. Es gehe nicht nur um Asylbewerber, die sie aufnehmen wolle, um ihren Beitrag im Kreis zu leisten, sondern auch um Zuweisung von Flüchtlingen, die schon länger hier sind und je nachdem anerkannt sind. Dafür hält die Gemeinde seit Monaten eine seniorengerechte Wohnung frei. Aber das sei keine Dauerlösung, winkt der Schultes ab. Er denkt beim "Haus für Gäste" an acht Plätze für zugewiesene und sieben für Asylbewerber.

Versucht habe man alles, sagen Buchmaier und Allmendinger. Aufrufe, Gespräche mit Wohnungsbesitzern, Sondierung von Wohnungen, die dann nicht geeignet gewesen seien, Gespräche über Hauskäufe. Allmendinger: "Es tut uns ein bisschen weh, vom Landkreis als weißer Fleck dargestellt zu werden."

Ein Kommentar von Jürgen Schäfer: Mutig und notwendig

Hut ab! Es ist mutig, wie die Gemeinde Dürnau Wohnraum für Flüchtlinge schaffen will, nachdem alle anderen Möglichkeiten gescheitert sind: mit einem Haus, das am Ortsrand gebaut werden soll. Das hat noch keine andere Gemeinde im Umkreis gemacht. Schultes und Gemeinderat werfen einen großen Stein ins Wasser: Was sagt die Bevölkerung, wenn die Gemeinde 400.000 Euro oder mehr in eine Asylunterkunft investiert? Und was sagen die Anwohner dazu?

Klar ist: Dürnau muss etwas tun. Jede Gemeinde bekommt Flüchtlinge zugewiesen, die anerkannt oder geduldet sind. In Dürnau ist der Fall nur noch nicht eingetreten. Dafür gibt es genau eine Wohnung, die für Senioren gedacht ist. Schultes und Gemeinderat handeln aber auch verantwortungsbewusst. Eine hohe Zahl von Flüchtlingen kommt in den Kreis, irgendwo müssen sie unterkommen. Die Dürnauer Mandatsträger wollen dazu beitragen.

Mit dem Weg, den sie einhellig eingeschlagen haben, machen sie das Beste draus. Mit einem richtigen Haus für Flüchtlinge statt einem Wohncontainer, das ist doch gleich etwas anderes. Mit einem Haus, das nicht Asylantenheim heißen soll, sondern einen Namen bekommen soll, der im Flüchtling den Menschen sieht. Und mit einem Haus, das einen Geldwert darstellt. Die 400.000 Euro wären gut angelegt, sie können auf lange Sicht Früchte tragen. Darüber könnte auch die Politik nachdenken. Zuschüsse wären angebracht.

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