Uhingen Drei Ortschaftsräte im Nassachtal treten Mandat nicht an

Uhingen / KARIN TUTAS 15.07.2014
Seit der Wahl des Ortschaftsrates herrscht Unfrieden im Nassachtal. Drei altgediente Bürgervertreter nebst Ortsvorsteher haben ihr Mandat nicht angetreten. Der Ortschaftsrat hat nur noch sieben Mitglieder.

Das Tal der Frohen, so nennen die Bewohner das idyllisch gelegene Nassachtal. Jedoch der Frieden ist gestört. Erstmals nach Jahren trat zur Wahl des Ortschaftsrats eine zweite Liste an, die Initiative Nassachtal-Diegelsberg (IND), die einen Erdrutschsieg hinlegte. Mit knapp 4800 Stimmen eroberte die IND sieben von zehn Sitzen und stellte damit die bisherigen Verhältnisse im Täle auf den Kopf. Die bislang allein im Gremium vertretene UWG (Unabhängige Wählergemeinschaft) um den bisherigen Ortsvorsteher Achim Klump bekam rund 2100 Stimmen (drei Sitze).

Bei der konstituierenden Sitzung kam es zum Eklat: Bürgermeister Matthias Wittlinger informierte das Gremium, dass die drei gewählten UWG-Vertreter ihr Mandat nicht antreten wollen. Auf Nachrücker kann man im Nassachtal ebenfalls nicht zählen, da die Liste sich aufgelöst hat. So besteht der Ortschaftsrat in dieser Amtszeit nur noch aus sieben Mitgliedern. Das sorgt für Unmut: "Die Stimmung in der Sitzung war sehr aufgeheizt", berichtet Eberhard Hottenroth, der Achim Klump als Ortsvorsteher abgelöst hat. Hottenroth selbst macht kein Hehl aus seinem Ärger: "Ich verstehe es überhaupt nicht, dass man sich aufstellen lässt und dann das Amt nicht annimmt."

Unmut über Art des Wahlkampfes

Offenbar hat es bereits im Vorfeld der Wahl "böses Blut" gegeben. Die Darstellung der Akteure geht jedoch weit auseinander. "Ich wollte eigentlich schon vor fünf Jahren aufhören", sagt Achim Klump. Aber weil es erneut schwierig gewesen sei, Kandidaten zu finden, hat er sich wieder beworben. Nach einer Info-Veranstaltung sei er davon ausgegangen, wieder eine Liste zusammenzubekommen. Plötzlich jedoch, "fast in letzter Sekunde, war die zweite Liste da" - mit 20 Kandidaten. Grundsätzlich habe er damit keine Probleme, jedoch die Art des Wahlkampfes der IND habe "nicht gerade Freude ausgelöst".

Unverfroren habe die Liste um Hottenroth Bewerber der UWG abgeworben. Auf Wahlplakaten und Flugblättern seien Ortschaftsräte persönlich angegriffen worden, berichtet Klump. Hottenroth dementiert: "Wir stehen dazu, dass wir mit der Spitze des Ortschaftsrates nicht einverstanden waren, aber das war alles nüchtern und sachlich", sagt der 74-Jährige.

Klump und seine Kollegen Klaus Großmann und Ottmar Woitsch haben die Konsequenzen gezogen und erklärt, ihr Mandat nicht anzutreten. Dies lässt die Gemeindeordnung zu, unter anderem wenn die Betroffenen mehr als zehn Jahre dem Gremium angehören. Allerdings muss der Ortschaftsrat dies prüfen und beschließen", erklärt der Leiter des Kreis-Kommunalamtes, Franz Nagel. Diesen Beschluss hat noch der alte Ortschaftsrat in nichtöffentlicher Sitzung gefasst, sagt Rathauschef Wittlinger. Sein Anliegen sei, nun "so schnell wie möglich wieder Ruhe reinzukriegen, um eine funktionierende Ortschaftsratsarbeit zu ermöglichen".