Durch das geöffnete Dachfenster weht ein angenehmes Lüftchen. Wer braucht da schon eine Klimaanlage? Die fehlt im etwas anderen Bürgerbus, der seit einer Woche durch Ebersbach tourt, ebenso wie eine Heizung. Das würde nämlich der Akku nicht packen. Aber es ist Sommer und es handelt sich um einen Prototypen. Nach Salach ist Ebersbach die zweite Kommune, die einen Bürgerbus mit Elektroantrieb dem Praxistest unterzieht.

Das war am Dienstag dem Verkehrsminister des Landes, Winfried Hermann, einen Besuch in der Stadt im unteren Filstal wert. Denn das Land hat das Modellprojekt E-Bürgerbus auf den Weg gebracht und fördert es über das Programm Namoreg (Nachhaltig mobile Region Stuttgart) mit rund 310.000 Euro. Das Projekt sei Teil des baden-württembergischen Schaufensters Elektromobilität, erklärte der Minister. „Umweltfreundliche Mobilität hat sowohl in Städten als auch in ländlichen Gebieten großes Potenzial, das noch ausgebaut werden muss“, sagte Hermann.

Erstmals werden die elektrisch betriebenen Busse im Realbetrieb in vier Gemeinden – neben  Ebersbach auch Uhingen, Salach und Wendlingen – erprobt. „Ein kleines, aber feines Modellprojekt“, sagte der wissenschaftliche Leiter, Professor Dr. Georg Herzwurm von der Universität Stuttgart. Von dem Praxistest erwartet sich das Land nicht zuletzt eine Entscheidungsgrundlage, ob elektrisch betriebene Bürgerbusse eine Zukunft haben.

Zwei Erkenntnisse haben die Wissenschaftler aus den bisherigen Erfahrungen in Salach und Ebersbach gewonnen: „E-Mobilität ist machbar“ und sie funktioniere auch für Bürgerbusse“, sagte Herzwurm im Beisein vieler Vertreter der angeschlossenen Modellkommunen. Der Wissenschaftler lobte die „Neugierde und Risikobereitschaft“ der ehrenamtlichen Fahrer der Bürgerbusvereine, sich auf das Projekt einzulassen. Die Praktiker unterstrichen die Sicht des Geschäftsführer des Landesverbandes „Pro Bürgerbus“, Fred Schuster, der darauf hinwies, dass der E-Bus „noch viele Ecken und Kanten“ habe. So verfügt das umgerüstete Gefährt des Herstellers German E-cars nur über sieben statt acht Sitzplätze und es hat nur eine elektrisch ausfahrbare Stufe statt eines Niederflureinstiegs.

Einig waren sich Wissenschaftler und Praktiker, dass die Technik dringend weiterentwickelt muss. Denn die Akkuleistung hat den Praxistest nicht in allen Kommunen bestanden. In Salach, wo der Bürgerbus Sami vormittags und nachmittags jeweils 40 Kilometer abspule, sei man ganz ordentlich über die Runden gekommen, berichtet der Vorsitzende des Bürgerbusvereins, Johannes Frey. Der stellvertetende Vorsitzende des Uhinger Bürgerbusvereins, Wolfgang Euchner, stellt dem in Uhingen getesteten Hybridfahrzeug, mit dem der Versuch gestartet worden war, ein schlechtes Zeugnis aus. „Nach 30 Kilometer war Feierabend“ und das Umschalten auf Dieselantrieb während der Fahrt war nicht möglich gewesen.

In Ebersbach – hier sind die Bedingungen aufgrund der steilen Anstiege am härtesten – komme man mit dem E-Bus gerade mal vormittags  über die Runden. „Für den Nachmittagsbetrieb ist die Ladezeit über die Mittagspause zu kurz“, sagt Richard Vöhringer, der für die Einteilung der Fahrer zuständig ist.

Aber mit ein wenig Geschick lässt sich Strom sparen. Bergabwärts lässt Fahrer Reinhard Klay den E-Bus im Leerlauf rollen.  Der Minister fühlte sich jedenfalls wohl auf seiner Mini-Sightseeing-Runde durch Ebersbach in dem sanft schnurrenden Gefährt.

Ein Kommentar von Karin Tutas: Vorbildlicher Pioniergeist

In Salach, Ebersbach und Uhingen werden in diesem Sommer elektrisch betriebene Bürgerbusse erstmals im Realbetrieb getestet. Es kommt sicher nicht von ungefähr, dass gleich drei von vier Kommunen, die für das landesweite Modellprojekt ausgewählt wurden, im Landkreis Göppingen liegen. Schließlich darf sich dieser, ohne zu übertreiben, getrost als Wiege der Bürgerbusbewegung bezeichnen.

Seit 13 Jahren tourt der Sami durch Salach, der Eberbus feiert im Oktober seinen zehnten Geburtstag. Wie auch in Uhingen verhelfen Ehrenamtliche mit enormem Engagement ihren Mitbürgern zu mehr Mobilität. Wer nicht mehr gut zu Fuß ist oder in Randlagen wohnt, wäre ohne die Stadtlinien aufgeschmissen. Der Besuch zum Arzt oder der Einkauf würde zum unüberwindbaren Hindernis.

Die Bürgerbusse spulen tagtäglich ein beachtliches Pensum ab und befördern jährlich wie in Ebersbach bis zu rund 14.000 Fahrgäste. Damit leisten sie bereits jetzt einen großen Beitrag zu klimafreundlicher Mobilität.

Es spricht sehr für die beteiligten Bürgerbusvereine, dass sie sich nun auch auf den Modellversuch des Landes einlassen. Wie anders als im Realbetrieb ließe sich herausfinden, ob der Elektroantrieb auch für die Stadtlinien taugt. Den ehrenamtlichen Fahrern verlangt der Praxistest einiges ab. Vielleicht führt dieser Pioniergeist ja dazu, dass der Landkreis eines Tages nicht nur als Wiege der Bürgerbusbewegung gilt, sondern auch der Elektro-Mobilität.