Kreis Göppingen Doktorand aus Rechberghausen erforscht Burgen im Landkreis

Die Burg Ramsberg bei Donzdorf aus der Luft abgelichtet. Die Anlage steht auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Reichenbach unter Rechberg.
Die Burg Ramsberg bei Donzdorf aus der Luft abgelichtet. Die Anlage steht auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Reichenbach unter Rechberg. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / JÜRGEN SCHÄFER 12.01.2016
Man kann es heute nicht mehr ahnen: Im Kreis Göppingen standen einst mehr als 80 Burgen. Dem geht jetzt ein Forschungsprojekt nach. Mit dabei: Ein Doktorand, der im oberen Filstal forscht.

Michael Weidenbacher hat schon an vielen Grabungen von Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher mitgearbeitet. Jetzt ist der gebürtige Rechberghäuser eingebunden in ein Forschungsprojekt der Uni Tübingen, das auf drei Jahre angelegt ist. Erforscht werden sollen die Burgen in den Landkreisen Göppingen und Esslingen. Weidenbacher ist dazu prädestiniert: Burgen im Oberen Filstal hat er sich als Doktorarbeit herausgesucht. Ein Schwerpunkt, weiß Kreisarchäologe Rademacher. "Am Albtrauf und im oberen Filstal sind Burgen sehr stark konzentriert." Da standen die Burg Berneck, die Burg Leimberg, die Burg Bühringen oder Überkingen, namenlose Burgen im Dürrental und in Türkheim oder der Burgstall in Mühlhausen, mit Wall und Graben mitten im Ort. So schilderte das der Kreisarchäologe neulich bei einem Vortrag im Bad Boller Seniorenfrühstück.

Imposant bis heute ist die Burg Reußenstein. Wie Rademacher sie sieht: "Die Vorburg mit Wall und Graben umgeben, der Hauptbau auf einem Felsen." Geschleift wurde die Burg Helfenstein. Was man heute sehe, ist ein Wiederaufbau des frühen 20. Jahrhundert, sagt der Experte. "Dabei ist Vieles auch der Phantasie entsprungen."

Bedeutend seit uralten Zeiten war die Burg Hiltenburg, die der württembergische Herzog Ulrich 1516 zerstörte. Mehrere übereinander liegende Siedlungs- und Burgbauphasen hat Rademacher gefunden - wie einst Schliemann in Troja. "Auch bei uns ,wachsen' Siedlungen und Burgen nach oben", kommentiert der Kreisarchäologe. Die Funde reichen bis ins zweite vorchristliche Jahrtausend zurück. Denn: "Wer die Burg hatte, hat das Tal beherrscht. Dort verlief ein Fernverkehrsweg von den Alpen ins Neckartal."

So fanden sich auf dem Schlossberg sogar spätrömische Keramik aus dem Rheinland und Haller Heller aus dem 13. Jahrhundert, als die Helfensteiner schon Burgherren waren. Alte Keller und eine zweite Ringmauer kamen zum Vorschein, ebenso das Fundament einer Burgbäckerei mit den Resten des Backofens. Regenwasser wurde in Zisternen gebunkert. Mit Eseln schaffte man jedoch auch Frischwasser in die Burg.

Auf fast jedem Berggipfel eine Burg: Staufeneck, Scharfenberg und Ramsberg im mittleren Filstal oder über Kuchen die geheimnisvolle Hunnenburg. Dazu auf dem Spitzenberg, auch bei Kuchen, die Burg des gleichnamigen Adelsgeschlechts. Dessen bekanntester Spross, Gottfried von Spitzenberg, war kaiserlicher Hofkanzler und Bischof von Würzburg. Er zog mit Kaiser Barbarossa in das Heilige Land und starb um 1190 in Antiochia. Zumindest seine rechte Hand sollte in Würzburg begraben werden - sie ging jedoch auf dem Rücktransport pikanterweise verloren.

Der Hohenstaufen war seit alters her als Wohn- und Herrschaftssitz attraktiv. "Seit 1500 vor Christus wurde der Berg immer wieder aufgesucht." Davon zeugen bronzezeitliche und frühkeltische Scherbenfunde. Rademacher fand auch einen Friedhof aus der Karolingerzeit, zu dem sicher auch eine Kirche gehörte. Mit Errichtung der Stauferburg wurde sie dann als Burg-, später als Wallfahrtskapelle umfunktioniert. Der Stauferburg mit Mannsturm und Bubenturm, die im Bauernkrieg zerstört wurde, bescheinigt Rademacher nach Bodenradarmessungen verschiedenste Bau- und Umbauphasen.

Wo aber stand die "Wiege" der Staufer? Der frühere Kreisarchivar Walter Ziegler sieht sie auf dem Burren bei Wäschenbeuren, beim heutigen Wasserturm. Dort stand eine Turmhügelburg, also ein Wohnturm auf einer natürlichen Erhebung, die "noch zugeschnitzt sowie mit Wall und Graben gesichert wurde", so Rademacher. Das später entstandene Wäscherschloss wird dagegen einem Ministerialen der Staufer zugeordnet. Die Anlage war früher größer: "Es gab einen Zwinger, gesichert durch eine zweite Ringmauer außenrum", weiß Rademacher.

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