Gingen In Gingen wird über Parkplatzprobleme diskutiert

Gingen / Günter Hofer 04.12.2018
Wie sieht die aktuelle Parkplatzsituation aus und welche Änderungen könnte die Zukunft bringen. Etwa 70 Bürger informieren sich im Rathaus darüber.

Vor etwas mehr als einem Jahr war das Thema Parken im Bereich Neubau Altenpflegeeinrichtung Samariterstift innerhalb von Gingen mit viel Emotion verbunden. 47 Bürger hatten sich damals in einem offenen Brief sogar an Landrat Edgar Wolff gewandt (wir berichteten ausführlich). Bei der jüngsten Bürgerinformation am Mittwoch wurde die zukünftige Parkplatzsituation rund um die neue Altenpflegeeinrichtung in übersichtlichen Planunterlagen und zahlreichen Detailbildern den etwa 70 Bürgern, die der Einladung gefolgt waren, in allen Feinheiten von Planer Manfred Mezger (Büro „mquadrat“ aus Bad Boll) vorgestellt.

Sachlich und informativ wurde gemeinsam über Details gesprochen und diskutiert. Bürgeranregungen wurden für weitere Planungen mit auf den Weg genommen. Der erste Teil des Abends bestand aus der gestalterischen Darstellung des Zugangsbereichs zur Altenpflegeeinrichtung Samariterstift und dem damit verbundenen Teil der Grabenstraße. War in der ersten emotionsgeladenen Vorstellung zum Bau des Samariterstifts die Rede von drei Parkplätzen, so weist die von Manfred Mezger vorgestellte neue Planung insgesamt 13 Parkplätze aus.

Drei der Plätze gehören fest zur Samariterstiftung, acht neue öffentliche Parkplätze werden zur Fils hin erstellt und drei zusätzliche  an der Grabenstraße auf Seiten des Samariterstifts. Die acht Parkplätze an der Fils werden mit einem Freibereich zum Verweilen architektonisch kombiniert.

Bedenken wegen Pflastersteinen

Viel Überlegung gab es bei der Planung zwecks Beschaffenheit der Straßenoberfläche. Anfangs tat sich, nach Auskunft vom Planer, der Gemeinderat mit einem empfohlenen Pflasterbelag sehr schwer.

Nach einer Besichtigungstour in Altenstadt, Schlat und Göppingen waren beim Gemeinderat alle Bedenken bereinigt.  Die Entscheidung für Gingen fiel zugunsten der Pflastersteine aus. Dabei wurde auch an die Nutzer von Rollatoren, Rollstuhl und Kinderwagen gedacht. Um einen straßen- und gehwegähnlichen Bereich zu erhalten, wird es eine knapp 1,5 Zentimeter tiefe und überfahrbare Entwässerungsrinne geben.

Die bei einer Pflasterung entstehenden Fugen im Boden wurden im Anschluss von einem Gingener Bürger hinsichtlich einer Lärmentwicklung als ungünstig bezeichnet. „Dies allerdings ist bei heutiger Bauweise“, so der Kommentar von Bürgermeister Marius Hick,  „nicht mehr der Fall“. Als Negativbeispiel für Gingen verwies er auf die Uferstraße.

Ein weiterer Bürger sprach von Mehrkosten in Höhe von 30 000 Euro durch die Pflastersteine gegenüber einer Asphaltschicht. Er lobte aber zugleich das schöne Aussehen von Pflastersteinen. Pflaster sei in den Augen des Planers wie ein altes Ehepaar, es benötige eine verlässliche Pflege. Ein unmittelbarer Anlieger sah bei den Rüttelarbeiten für die Pflasterung schon Gläser vom Schrank fallen oder befürchtete sogar die Entstehung von eventuellen Rissen in den Hauswänden. Der Planer empfahl, entsprechend vor Baubeginn, eine Bestandsaufnahme durch einen Sachverständigen zu veranlassen. Eventuellen Streitereien könne so vorgebeugt werden.

Angeregt wurde zudem, im Bereich der Auffahrt zum Samariterstift eine Wassereinlaufrinne vorzusehen. Ohne eine solche könnte es bei Starkregen durch das Gefälle bei der Auffahrt in der Grabenstraße eventuell zu Behinderungen kommen und das Wasser schieße direkt in das gegenüberliegende Grundstück.

Im zweiten Teil des Abends ging es um die generelle Parkplatzsituation im Kernbereich von Gingen. Bereits im Oktober vergangenen Jahres wurde die Landsiedlung Baden-Württemberg (LS BW) von der Gemeinde beauftragt, eine Voruntersuchung zum Thema Parken zu erstellen. Im Anschluss daran fand eine Eigentümerbefragung per Fragebogen statt und im Dezember vor einem Jahr gab es zum Thema „Parken-Ortsmitte“ eine Bürgerinformation im Rathaus.

Viele Autos, wenig Stellflächen

Im März dieses Jahres hat die Gemeinde Gingen die Befragung in einer zusätzlichen Fragebogenaktion um die Bereiche Kirchgasse, Hintere Gasse, Froschgasse, Filsstraße und Bauerngasse erweitert. Von der LS BW wurden 189 Fragebögen verschickt, 97 ausgefüllte Schreiben kamen zurück. Die Gemeinde verschickte zusätzlich 131 Bögen. Hiervon kamen 46 zurück. Dabei kam heraus, dass für die 94 Fahrzeuge der Anwohner 66 Parkplätze vorhanden sind.

In der Fragebogenaktion wurde aber auch kritisiert, dass vorhandene Garagen als Abstellraum und nicht als Parkfläche verwendet werden und dass manche Bürger ihr Auto auf öffentlichen Flächen parken, obwohl sie über eigene Stellflächen verfügen – sei es einem Parkplatz in einer Tiefgarage oder einem eigenen Stellplatz.

Workshop zum Parken

Doch auch etwas Erfreuliches kam bei der Fragebogenaktion heraus: Elf Rückmelder erklärten sich bereit, an einem Workshop „Parken- Ortsmitte“ aktiv mitzuwirken.

Über die von Bürgermeister Hick vorgestellten Fragebogen-Ergebnisse wurde im Anschluss aktiv diskutiert. So wurde zum Beispiel am Mittwoch im Rathaus-Foyer moniert, dass ein Parkplatz ständig mit einem Moped zugestellt sei. Der Besitzer des Fahrzeugs duckte sich aber nicht weg, hob sofort den Finger und bekundete unter Applaus und Lachen: „Des Moped g’hört mir.“ Ein Bürger sprach von gekennzeichneten Parkflächen bei der Bahnhofsunterführung und wollte dazu wissen, ob diese zeitlich begrenzt sind. Damit überraschte er Marius Hick: „Von den Flächen weiß ich noch nichts, das wird geprüft.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel