Natur Diskussion um Ökopunkte

Im Gewann Bruckwasen in Rechberghausen wird der Naturschutzbund Östlicher Schurwald eine Streuobstwiese schaffen. Die Gemeinde verzichtet für das Projekt auf Ökopunkte.
Im Gewann Bruckwasen in Rechberghausen wird der Naturschutzbund Östlicher Schurwald eine Streuobstwiese schaffen. Die Gemeinde verzichtet für das Projekt auf Ökopunkte. © Foto: Staufenpress
Rechberghausen / Kristina Betz 17.04.2018

Mit dem Ziel, sie zu renaturieren, kaufte die Gemeinde Rechberghausen drei Grundstücke im Gewann Bruckwasen. Die Hütten und der Maschendrahtzaun um das Gelände sollten entfernt werden und das Gebiet sollte in eine Streuobstwiese verwandelt werden.

Ganz ähnliche Pläne hat der Naturschutzbund (Nabu) Östlicher Schurwald. Dieser bot an, das Grundstück gegen eine Kostenbeteiligung der Gemeinde zu renaturieren und in eine Streuobstwiese zu entwickeln. Auch um die Landschaftspflege würde sich der Nabu mit seinen Weideschafen kümmern. Der Verein würde seine jährliche Vereinsförderung in Höhe von 1000 Euro einsetzen und bräuchte von der Gemeinde für den Rückbau zusätzlich 1900 Euro. Der Haken für die Gemeinde: Diese kann für die Renaturierung keine Ökopunkte verbuchen. Diese könnten später als Ausgleich, zum Beispiel für ein Neubaugebiet, eingesetzt werden. „Die Nabu-Maßnahme hingegen soll einen reinen ökologischen Mehrwert darstellen“, erklärt die Verwaltung.

Für die Renaturierung könnte die Gemeinde 23 000 Ökopunkte sammeln. „Damit könnte man beispielsweise 6000 Quadratmeter niedrig bewertete Ackerfläche in ein Wohngebiet umwandeln“, half Hauptamtsleiter Matthias Dichtl mit einem Vergleich. In diesem Falle müsste die Gemeinde die Fläche auf eigene Kosten für 2900 Euro renaturieren und dieses auch langfristig selbst pflegen.

Die Verwaltung stellte das Gremium bei der Sitzung vor die Wahl. Und das machte es sich nicht leicht. Besonders der Maschendrahtzaun sorgte für Diskussionen. „Der Zaun ist mir persönlich ein Dorn im Auge“, gab Bürgermeisterin Claudia Dörner zu. Nicht nur aus ästhetischen Gründen. „Wir sind auch Vorbild für andere Grundstücksbesitzer. Wieso sollten andere den Zaun entfernen, wenn er auf unserem Grundstück stehen bleibt?“, fragte Dörner, die aber ebenfalls die Eigeninitiative des Nabu lobte und sich dafür aussprach, den Weg mit dem Nabu zu gehen und auf die Ökopunkte zu verzichten.

Gudrun Ramm (UB), die Schriftführerin beim Nabu ist, erklärte den Nutzen des Zauns für die Arbeit des Nabu. „Um die Wiese mit Schafen zu beweiden ist der Zaun ideal. Wir könnten auch mit einem Wechselzaun leben, aber mit einem Maschendrahtzaun haben wir weniger Arbeit.“

Die große Mehrheit des Gremiums sprach sich für die Zusammenarbeit und gegen die Eröffnung des Ökopunkte-Kontos aus. „Es wäre schade, dass man nicht mal was renaturieren kann, ohne, dass es was dafür gibt“, sagte Gudrun Ramm. Auch Sieglinde May (Grüne) stimmte zu: „Es wäre nicht der richtige Ansatz auf die Ökopunkte zu bestehen. Wir haben einen Verein, der das toll macht.“

Es gab aber auch kritische Stimmen. „Wenn es ein neues Baugebiet gibt, sind die Grünen wieder die ersten, die nach Ausgleichsmaßnahmen rufen“, gab Franz Steeb (CDU) zu bedenken. Und Markus Staudenmaier merkte an: „Wenn wir das Grundstück schon kaufen, müssen der Zaun und die Hütten auch weg.“

Verwaltung und Gemeinderat einigten sich auf eine getrennte Abstimmung der zwei strittigen Punkte. Mit elf zu fünf Stimmen wurde beschlossen, den Weg mit dem Nabu zu gehen und auf die Ökopunkte zu verzichten. Zwölf Gemeinderäte stimmten dann dafür, in Gespräche mit dem Nabu zu treten, um den unbeliebten Maschendrahtzaun in den nächsten fünf Jahren zu entfernen.

Ökopunkte werden auf dem Konto sogar verzinst

Ökokonto Ein Ökokonto ist ein Instrument um Ausgleichsmaßnahmen von Gemeinden und Städten zu bewerten. Der Naturschutz- bzw. baurechtlichen Eingriffsregelung soll so flexibel geregelt werden. Beispielsweise kann eine Streuobstwiese als Ausgleich für die Neuanlegung eines Baugebietes ausgewiesen werden.

Punkte Auf das Konto kann die Gemeinde Ökopunkte einzahlen und darauf bei Bedarf zurückgreifen. Das Guthaben wird verzinst. Auch ein Verkauf der Ökopunkte ist möglich.

Eröffnung Um ein Ökokonto zu eröffnen, muss eine geeignete Eröffnungsmaßnahme gefunden werden.