Eislingen Diskussion in Eislingen über Sterbehilfe

Eislingen / PM 14.10.2014
In Würde sterben: Zum strittigen Thema Sterbehilfe diskutierten jetzt Vertreter von Politik, Medizin, Sterbebegleitung und Kirche in Eislingen.

Wer unheilbar krank ist, bittet oftmals um Hilfe zum Sterben. Die derzeitige juristische Situation erläuterte die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens. Suizid ist straffrei, nicht dagegen die Tötung auf Verlangen. Eine rechtliche Grauzone ist die Beihilfe zum Suizid. Während Ärzten Sterbebegleitung, Behandlungsbegrenzung und Leidenslinderung erlaubt ist, haben sie in manchen Bundesländern berufsrechtliche Sanktionen zu befürchten, wenn sie Beihilfe zur Selbsttötung leisten, also dem Patienten ein tödliches Medikament beschaffen. "Diese rechtlich uneinheitliche Situation muss beendet werden", forderte Baehrens. Bisher wurden drei verschiedene Vorschläge für eine Gesetzesinitiative im Bundestag entwickelt: Vorrang für Lebensschutz, Ablehnung kommerzialisierter, organisierter Sterbehilfe, Liberalisierung der Sterbehilfe und Zulassung von Sterbehilfevereinen.

Versuch, die Angst zu nehmen

Michael Grebner lehnt als Arzt Beihilfe zur Selbsttötung ab. "Der Sterbewunsch bei einer schweren Erkrankung entspringt oftmals einer Depression als Begleiterkrankung. Diese aber ist behandelbar", betonte Grebner. Es gelte, andere Maßstäbe an Lebensqualität anzulegen und den Blick fürs Schöne zu stärken. Marta Alfia versucht als Leiterin des Hospizes in Faurndau ihren Gästen die Angst zu nehmen - Angst vor Schmerzen, Angst vor dem Alleinsein, Angst vor dem Pflegeheim, Angst davor, den Angehörigen zur Last zu fallen. Für den Hospiz-Geschäftsführer Georg Kolb ist das Leben das höchste Gut.

Voll besetzt war das Eislinger Stadthallenfoyer - für die Veranstalter von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen ein Beleg dafür, wie groß das Interesse am Thema ist. Redebeiträge aus dem Publikum zeigten, dass jeder eine eigene, biographisch geprägte Sicht auf Leben und Sterben hat. Dass sich die Einstellung zur Sterbehilfe auch ändern könne, zeigte Pfarrerin Kathinka Korn am Beispiel des Schriftstellers Walter Jens auf. Für die Eheleute Jens war klar, sich bei Krankheit gegenseitig zu helfen, aktiv aus dem Leben zu scheiden. Aber während seiner Demenzerkrankung äußerte Jens in einem lichten Moment: "nicht totmachen". "Der Bundestag wird sich Zeit nehmen, diese existenzielle Frage zu diskutieren", versprach Baehrens. Eine Entscheidung sei aber nicht vor Herbst 2015 zu erwarten. 

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