Kirchheim/Uhingen / Sabine Ackermann

Einen wunderschönen guten Abend“, begrüßen „Fidi und Jule“ die Gäste, und die Freude über ihre erste große Dinner-Show steht den beiden „Moderatoren“ förmlich ins Gesicht geschrieben. Genau genommen haben sich die beiden Trainerbrüder Fridolin und Julian Mischner an diesem Abend schon zum zweiten Mal so in Schale geworfen, die „Premiere in dieser Konstellation“ wurde kurz zuvor in der Gemeindehalle Wangen gefeiert.

Kaum ausgesprochen, zeigen vier Mädchen via Ball-Jonglage, dass die runden Kugeln nicht nur Fußballern vorbehalten sind. Keck, die pinkfarbenen Bommeln auf Kopf und schwarzem Samtkleid, verraten es schon bei der ersten Nummer: „Bei uns kommt nichts von der Stange“. Hinter den durchweg kreativen Kostümen steckt Verena Mischner, die mit Nadel und Faden und viel Liebe zum Detail – bis auf den riesigen Plüschdrachen, – jeden der talentierten Zirkuskünstler in Szene setzte. Besonders die Ganzkörperanzüge sind tolle Hingucker und unterstreichen die grazile Geschmeidigkeit der Akrobatinnen.

Die Mädchen sind nicht nur in der Überzahl, sie trauen sich auch richtig was zu. „Höhenangst? Wir doch nicht!“ Das Publikum zollt den Artistinnen Respekt für die Übungen in der Schlaufe, am Vertikaltuch oder am Trapez die allesamt vergessen ließen, dass hier keine Profis in den Seilen hängen. Aber auch am Boden beweisen die jungen Damen ihr Können, sind gelenkig und verbiegen sich, als wenn ihre Knochen aus Gummi wären. Und obendrauf gibt’s am Ende stets ein strahlendes Lächeln. Jedes Kunststück wird von den Gebrüdern Mischner angekündigt, so auch Julius und Sigurd, die nicht nur ihre Diabolos zu spanischer Musik zum Schwingen brachten, sondern auch als Clowns zu begeistern wussten. Richtig (Neon-)Farbe ins Spiel brachten die schwingenden Pois sowie die witzigen Wesen im geheimnisvollen Tanzsack.

„Ganz sicher geht es weiter“, verspricht Elke Thumm, die von Levin auf die Bühne gerufen wurde. Die Gründerin der Zirkusmacher zog ein kurzes Resümee über die vergangenen zwei Jahre, freut sich über die ausverkauften Abschlussveranstaltungen und blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. „Vielen Dank, dann kannst du jetzt wieder in die Küche“, verabschiedet der Nachwuchsmoderator keck die gute Seele des Vereins.

Apropos Küche, sogar das Essen eines Caterers wurde pfiffig serviert: „Guten Abend liebe Leute, ein Salat mit Freude heute, und jetzt noch einen Schritt, guten Appetit“, verteilten die Jugendlichen selbigen, brachten in schicken Uniformen und weißen Handschuhen noch das Hauptgericht und Dessert an den Tisch. Gleichfalls eine nette Idee, der Aperitif und die Häppchen am Eingang, die teilweise von Stelzenläuferinnen serviert wurden.

Weitere Programmpunkte waren Kunststücke beim Seilspringen, Keulen-Jonglage im Fünferpack sowie Akrobatik auf dem Einrad oder dem Ultimate, einem schwer beherrschbaren Gefährt, das nicht einmal einen Sattel besitzt. Das von Anfang bis Ende stimmige Programm der Zirkusmacher kam super beim Publikum an. Ob die Diskokugel, die dem Saal der Waldorfschule tausende von Sternchen bescherte, das schöne Klavierspiel von Elena beim Einlass oder Jaroslaw Wakarecys angenehme Unterhaltungsmusik in der Dinnerpause, die Zuschauer fühlten sich bestens unterhalten.

Kinder lernen Akrobatik und Klamauk

Idee Die Uhingerin Elke Thumm hatte 2015 die Idee, Mädchen und Jungen ab zwölf Jahre in dem Verein „Die Zirkusmacher“ eine Plattform zu bieten.

Förderung Daraus entstand das von der Baden-Württemberg Stiftung geförderte Projekt „Pflaster-Akrobaten“, das mit regelmäßigem Training in Kirchheim und Wangen, Trainingslagern, Workshops, Aufführungen in Fußgängerzonen, auf Straßenfesten und verschiedenen Veranstaltungen für Unterhaltung sorgt.

Trainer Julian und Fridolin trainieren rund 40 Jugendliche aus der Region. Die Brüder sind als „Jule und Fidi“ der Zirkusse Caristello in Kirchheim und Wangoni in Wangen bekannt. Wer mitmachen will, schaut auf die Seite www.zirkusmacher.de.