Göppingen Digitalisierung: Mehr Offenheit gefordert

Digitalisierung müsse als strategisches Thema begriffen werden, mahnte Professor Wilhelm Bauer bei der IHK.
Digitalisierung müsse als strategisches Thema begriffen werden, mahnte Professor Wilhelm Bauer bei der IHK. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Von Axel Raisch 26.07.2018
Der Technologiebeauftragte des Landes, Professor Dr. Wilhelm Bauer, mahnt beim Jahresempfang der IHK, Digitalisierung als Gestaltungsaufgabe zu begreifen.

Mehr als 11 000 Besucher waren seit der Eröffnung im vergangenen Jahr im IHK-Haus der Wirtschaft, das sich innerhalb kurzer Zeit zu einem zentralen Veranstaltungsort in Göppingen entwickelt hat.

Auch beim diesjährigen Jahresempfang war das Foyer des IHK-Zentrums in der Jahnstraße vollbesetzt. Neben zahlreichen Unternehmens- und Verbandsvertretern konnte der Göppinger IHK-Präsident Wolf Ulrich Martin die Bundestagsabgeordneten Hermann Färber und Volker Münz sowie die Landtagsabgeordneten Peter Hofelich und Nicole Razavi begrüßen. Neben Landrat Edgar Wolff sowie Göppingens OB Guido Till war auch Regionaldirektorin Dr. Nicole Schelling unter den Gästen des Empfangs, der musikalisch von „Miss Spectra and the Gentlemen“ begleitet wurde.

Thematisch hatte die IHK mit der Digitalisierung eines der derzeitigen Topp-Themen aufgegriffen. Über die daraus entstehenden Herausforderungen für die Unternehmensführung sprach der Technologiebeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Professor Dr. Wilhelm Bauer. Der Leiter des Fraunhofer- Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart plädierte dafür, „die digitale Transformation proaktiv zu gestalten“.

Eindringlich wiederholte Bauer dabei immer wieder die These, dass Digitalisierung als strategisches Thema in der Wirtschaft begriffen werden müsse. Es sei nicht mit einer neuen Software und „ein bisschen Elektronifizierung“ getan. Das Thema gehe alle Branchen und alle Betriebsgrößen an.

Es gelte, neue Ideen zu entwickeln, neue Geschäftsfelder zu erschließen, und Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten. Ein Mehrwert für die Kundschaft müsse geschaffen werden, um zu den Gewinnern der Digitalisierung zu gehören, mahnte Bauer. Lediglich das bisherige Geschäft zu digitalisieren sei eindeutig zu wenig. Das zeige sich an den Gewinnern und Verlierern der Digitalisierung. In Betrieben, die keine eigenen „Chief Information Officer“ hätten, müssten die Geschäftsleitungen das Heft des Handelns in die Hand nehmen: „Die Digitalisierung ist eine Führungsaufgabe.“ Bauer weiter: „Man muss nicht Informatik studiert haben, um digitalisieren zu können. Man muss Verständnis aufbauen.“ In Deutschland fehle es noch an einer entsprechenden Kultur. Kleinere Betriebe meldeten aber oft zurück, dass es an Zeit und Personal dafür fehle. Neben einer Änderung der Geschäftsmodelle erwartet der Experte auch eine andere Art, Unternehmen zu führen. Beispielsweise werde dann mit Netzwerken gearbeitet anstatt in Hierarchien.

Neben dem Strukturwandel in der Automobil- und Zulieferindustrie – der vor zwei Jahren beim IHK-Empfang Thema gewesen war – sieht IHK-Präsident Martin in der Digitalisierung die zweite große Herausforderung für die Wirtschaft im Filstal. Sorge bereitet Wolf Ulrich Martin, dass Deutschland, einem Index der EU-Kommission zufolge, bei der Digitalisierung nur mittelmäßig abschneide.

Für den Kreis Göppingen leitete er daraus drei zentrale Forderungen ab. Erstens, den schnellen Ausbau der digitalen Infrastruktur, zweitens die entsprechende Gestaltung der verkehrlichen Infrastruktur um eine gute Anbindung zu gewährleisten und Engpässe, Tempodrosselungen und Fahrverbote zu vermeiden. Schließlich müssten die Menschen auch auf dem Weg mitgenommen, qualifiziert und weitergebildet werden, um die notwendigen „digitalen Fachkräfte“ zu bekommen.

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