Kreis Göppingen Kaum einer will noch Dieselautos

Kreis Göppingen / Von Peter Buyer 04.04.2018
Gebrauchte Dieselautos lassen sich gerade nicht so gut verkaufen. Für viele Händler ist das ein Problem. Auch bei Leasing-Rückkäufen.

Fahrverbot ja oder nein? Wenn ja, wann, wo und für welche Autos? Die Unsicherheit besonders unter Dieselfahrern ist groß, keiner weiß, ob er im kommenden Jahr bei Feinstaubalarm mit seinem Auto noch in Stuttgart fahren darf oder nicht. Dabei muss das Auto nicht einmal besonders alt sein. Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 5, für die möglicherweise die Straßen dicht gemacht werden, sind zum Teil erst zwei oder drei Jahre alt.

Wer nicht einfach weiterfährt und die Diskussion abwartet, verkauft seinen Diesel. Auf den Höfen und Plätzen der Auto- und Gebrauchtwagenhändler im Landkreis Göppingen stehen sich gebrauchte Diesel-Autos dann oft die Reifen platt. Belastbare Zahlen gibt es nicht für den Landkreis, aber für die ganze Republik. Nach den von der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT) gesammelten Daten stehen Diesel bis sie verkauft werden im Schnitt 102 Tage beim Händler, 14,5 Wochen. Benziner zwei Wochen weniger. Für die Händler, die ihre Gebrauchtwagen bis zum Verkauf finanzieren müssen, sind die langen Standzeiten teuer. Aber auch die Preise sind ein Problem. Der Preisvergleich von dreijährigen Benzinern und Diesel macht es deutlich: Benziner erzielten zuletzt noch 58 Prozent ihres Listenneupreises, Diesel nur noch knapp 54 Prozent, sagt die DAT-Statistik. Und das, obwohl neue Dieselautos meist etwas teurer als vergleichbar ausgestattete Benziner sind.

„Die Abverkaufsituation ist schwierig, das berichten viele Händler, mit denen wir sprechen“, sagt Ludger Wendeler, Obermeister der Kfz-Innung Göppingen. Aber, trotz aller Unkenrufe: „Es ist nicht so, dass die Händler kurz vor dem Untergang stehen.“ Der Druck auf den Handel sei aufgrund der Preisabschläge bei älteren Dieseln natürlich da, sagt Wendeler, der auch geschäftsführender Gesellschafter beim Mercedes-Benz Autohaus Burger Schloz ist. Aber die Händler werden ihre Autos trotzdem irgendwann los, sie verkaufen immer mehr in die Ferne, dank der Internet-Autobörsen ist das recht einfach.

Im Bayerischen Wald oder Mecklenburg-Vorpommern, also Regionen, in denen die Feinstaubdebatte deutlich weiter weg ist als im Einzugsbereich der berühmtesten Messstation der Republik am Stuttgarter Neckartor, werden auch noch Dieselautos gekauft. Warum auch nicht, Vielfahrer sparen damit immer noch bares Geld, und vom Klimakiller Kohlendioxid kommt auch weniger hinten raus als bei Benzinern. Und wenn die Diesel in Deutschland keiner haben will, dann gehen die Autos ins Ausland, vor allem nach Osteuropa. Vor allem die Euro-4-Autos, die in Deutschland nur noch schwer zu verkaufen sind, gehen ins Ausland, sagt Wendeler.

Manch ein Händler hat auch Probleme mit Leasing-Rückläufern, sagt Walter Runft. Er betreibt in Göppingen eine Kfz-Werkstatt und ist seit Jahrzehnten als Händler, Mechaniker-Meister und Auto-Vermittler im Geschäft, engagiert sich auch bei der Kfz-Innung. Leasing-Rückläufer sind Autos, die am Ende des Leasingvertrages zwischen Händler und Kunde, meist nach zwei oder drei Jahren, vom Kunden zurückgegeben werden. Der Händler übernimmt die Autos und muss sie gegenüber dem Hersteller oder der Bank finanzieren, also möglichst schnell wiederverkaufen. Bei den langen Standzeiten und den fallenden Preisen ist das besonders für kleinere Händler ein Problem, „große Firmen können das eher auffangen“, sagt Runft.

Bei den Neuzulassungen haben die Händler wenig Grund zur Sorge. Zwar sank bei den Neuzulassungen der Anteil der Dieselautos im vergangenen Jahr um gut 13 Prozent, gleichzeitig stieg der Anteil von Benzinern aber um fast 14 Prozent. Die stärkere Nachfrage bei den Benzinern kann die Hersteller vor Probleme und die Geduld der Kunden auf die Probe stellen. Runft berichtet von einem Bekannten, der einen Neuwagen bestellen wollte: Lieferzeit 18 Wochen. Zu lang, fand der Bekannte, nach längerer Suche fand er schließlich sein Wunschauto bei einem Händler, allerdings nicht in Göppingen, sondern in der Ferne, im sächsischen Leipzig.

Wer zahlt für die Umrüstung?

Wichtig ist eine Lösung, die ständige Diskussion um Fahrverbote für Dieselautos bringt viel Unsicherheit mit sich, sagt Ludger Wendeler, Obermeister der KFZ-Innung Göppingen. Euro-6-Autos sind nicht von möglichen Fahrverboten betroffen, vor allem für die Besitzer von Euro-5-Autos müsse eine Lösung her. Wendeler kann sich vorstellen, dass sich am Ende Hersteller, Politik und Fahrzeughalter die Kosten für eine Umrüstung auf Euro 6 oder eine neu einzuführende Schadstoffklasse Euro 5b teilen, für die es dann auch die blaue Plakette geben könnte – sofern die kommt.

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