Friedhof Diebe kennen keinen Respekt vor Trauer

Dieses Kreuz wurde auf dem Eislinger Friedhof gestohlen.
Dieses Kreuz wurde auf dem Eislinger Friedhof gestohlen. © Foto: Axel Raisch
Eislingen / Axel Raisch 31.08.2018
Einer Eislingerin wurde ein schön gestaltetes Grabkreuz gestohlen. Die Ermittlungen sind laut Polizei nicht einfach.

Brigitte Rothfischer traute ihren Augen nicht, als sie am 7. August zum Grab ihres Mannes auf dem Friedhof in Eislingen-Süd kam. Wo noch am Tag zuvor ein Kreuz stand, klaffte nun eine Lücke. Das Kreuz war über Nacht abmontiert und gestohlen worden. „Grausam“, findet Brigitte Rothfischer, dass manchen Menschen selbst der Respekt vor Friedhöfen abhanden gekommen ist. Dabei sei der reine Materialwert des Kreuzes gering, erklärt die Geschädigte. Weshalb sie auch einen Rohstoff-Diebstahl für unwahrscheinlich hält.

Was ihr allerdings das Kreuz bedeutete, was sie und ihren Mann damit verband, ist materiell nicht zu fassen. Ein „Faible für alte, antike Sachen“ habe sie mit ihrem Mann geteilt, erzählt die Eislingerin. Insbesondere schöne, kunstvoll gestaltete Kreuze hatten es ihnen angetan. Immer wieder hätten sie daher Friedhöfe in Bayern und Südtirol besucht, wo solche Kreuze noch heute zu finden sind.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 2004 machte sich Brigitte Rothfischer daher auf die Suche nach einem besonderen schmiede- oder gusseisernen Kreuz und wurde schließlich nach intensiven Recherchen im Jahre 2007 im Internet fündig. Nach der Anlieferung transportierte sie das Kreuz persönlich zu einem Kunstschmied und Restaurator nach Ulm. Das völlig rostig angelieferte Kreuz, das Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sei, wurde in ihrem Auftrag aufwendig restauriert. Nun hofft sie auf Hinweise auf den Dieb. Womöglich sei es ein Auftragsdiebstahl gewesen.

Hinweise auf eine organisierte Bande, die Auftragsdiebstähle auf Friedhöfen begehe, lägen dem Polizeipräsidium Ulm nicht vor, erklärt Dominik Köhler von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ulm. Die Ermittlungen seien jedoch nicht einfach. Köhler: „Ohne Hinweise aus der Bevölkerung ist eine Aufklärung der Fälle oftmals schwierig.“ Ursula Angele, Leiterin des Bauverwaltungsamtes in Eislingen, berichtet, dass es immer wieder zu Diebstählen auf den Friedhöfen komme. Allerdings handle es sich meist um Blumen. Es komme immer wieder vor, dass auf den Friedhöfen des Kreises Blumen ausgerissen oder Blumenkübel umgekippt würden, erklärt Polizeisprecher Köhler. Beschädigte Grabsteine mit einem Sachschaden von rund 1000 Euro und das entwendete Kreuz seien „Ausnahmefälle“. Eine Häufung derartiger Fälle sei im Kreis Göppingen nicht zu beobachten.

„Es ist schon pietätlos“, sagt die Eislinger Amtsleiterin Angele und berichtet, dass auch die Friedhofsmitarbeiter schon bestohlen wurden. Die Friedhöfe in Eislingen sind daher seit Sommer 2016 bei Nacht – jahreszeitlich angepasst – geschlossen, nachdem der Blumendiebstahl damals erheblich zugenommen hatte. Vandalismus wurde in diesem Jahr jedoch erstmals festgestellt: Am 8. März wurde das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in Eislingen-Nord verschmiert.

Um solche Vorfälle zu unterbinden, gehe der Abenddienst des Gemeindevollzugsdienstes auf seiner Runde zwei bis drei Mal in der Woche an den Friedhöfen vorbei, erklärt Angele. Die Installation von Kameras sei jedoch nicht möglich und verbiete sich auf einem Friedhof. Trauernde sollten auch weiterhin in geschütztem Bereich die Gräber besuchen können und dabei nicht gefilmt oder beobachtet werden. Auch das Polizeirevier Göppingen überprüfe regelmäßig die Friedhöfe, erklärt Polizeisprecher Köhler.

Wie sieht es in anderen Städten aus? In Göppingen seien die Friedhöfe bei Nacht nicht abgeschlossen, erklärt Pressesprecher Dejan Birk-Mrkaja. Gemäß Friedhofssatzung gelte als Besuchszeit jedoch nicht die Nacht. Auch in Esslingen seien die Friedhöfe nicht geschlossen, weiß Ursula Angele.

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