Bad Überkingen Sehnsucht nach Ruhe führt nach Spanien

Bad Überkingen / Claudia Burst 27.07.2018
Elke und Willem Koning machen wahr, wovon andere nur träumen – am kommenden Dienstag wandern sie aus nach Spanien.

Dorthin, wo die Welt noch in Ordnung ist. Wo das Klima milder ist und Stress ein Fremdwort. Davon träumen viele Menschen.  Elke und Willem Koning aus Bad Überkingen erfüllen sich diesen Traum. Am kommenden Dienstag geht es los in die neue Heimat Porto do Son, ein Fischerdorf mit knapp 10 000 Einwohnern an der nordspanischen Atlantikküste. „Am liebsten sofort.“ Willem Koning kann es kaum erwarten – und seine Frau stimmt ihm zu. „Wegen der Ruhe, dem Klima, der Gelassenheit der Leute“, begründet Elke Koning diesen Schritt und „kein Stress, Abschalten, Land und Leute kennenlernen“ ist für ihren Mann der Grund für seine Vorfreude.

Irgendwann mal auswandern, das konnten sich die Konings schon immer vorstellen. Auch Spanien als Ziel stand wegen der oben genannten Gründe bereits vor Jahren fest. Elke Koning liebt das Land, seit sie vor neun Jahren das erste Mal nach Santiago de Compostela gepilgert ist (wir berichteten). Seitdem pilgerte sie jedes Jahr erneut dorthin, aber immer auf einer anderen Strecke. „Im letzten Jahr ist mein Mann mitgepilgert. Als wir an der Atlantikküste ankamen, teilte er meine Begeisterung – und wir entschieden uns, in diese Region zu ziehen.“

Im vergangenen Jahr – da war Willem Koning bereits Rentner. Mit 62. „Leben ist nicht planbar. Dass ich bereits mit 62 in Rente gehe, habe ich nicht vorgehabt“, sagt er. Eine schwere Krankheit hatte dazu geführt. Wie bei seiner Frau Elke. Die 46-Jährige hat seit elf Jahren Multiple Sklerose, seit sieben Jahren ist sie deshalb nicht mehr arbeitsfähig und erhält ebenfalls Rente.

„Wir haben alles genau geplant. Finanziell wird es reichen mit der Rente und dem Ersparten. Außerdem sind dort, wo wir hinziehen, die Lebenshaltungskosten geringer“, berichtet Willem Koning. Das Haus, das sie mieten, wurde in diesem Jahr voll renoviert. „Es ist wunderschön“, schwärmt Elke Koning. Von der Dachterrasse aus sehen sie den Hafen des Fischerdorfs und das Meer. Im Dorf gibt es alles, was sie brauchen: Supermärkte, Zahnarzt, Friseur, Bäcker, Metzger. Sogar einen Tierarzt, denn der 15-jährige Hundemischling Quentin zieht natürlich mit – immerhin stammt er ursprünglich aus Spanien.

Einfach aber glücklich

Die Menschen in diesem Teil von Spanien leben einfach, wissen die beiden Auswanderer. „Aber sie sind trotzdem glücklich. Mit weniger glücklich zu sein, darauf freue ich mich“, betont Elke Koning. Einen riesigen Teil des „deutschen, überflüssigen“ Ballasts haben sie bereits abgeworfen. Willem Koning trennte sich vom allergrößten Teil seiner Schallplatten- und CD-Sammlung, die in Bad Überkingen ein Zimmer für sich allein beanspruchte. Auch Kleider, Bücher, Haushaltsartikel verkaufte das Paar im Laufe der letzten Monate im Internet. Ende Juni packten sie das, was sie als zukunftsrelevant einstuften, in einen Miet-Lkw und verfrachteten es in die neue Heimat. Alles, was danach immer noch im Mietshaus in Bad Überkingen auf drei Stockwerken zu finden war, verwandelte sich in „Schnäppchen“ – und wurde am 14. Juli bei einem Hausflohmarkt komplett verkauft. „Wir schlafen jetzt auf aufblasbaren Gästebetten, der Tisch und die Stühle hier sind vom Nachbarn“, erzählt Willem Koning lachend und seine Frau ergänzt: „Wir haben noch je zwei Löffel, Gabeln, Messer und zwei Pfannen – es funktioniert.“

Aufgeregt sind die Konings nicht. Angst vor Langeweile in der neuen Heimat haben sie „definitiv auch nicht“. Sie freuen sich auf Entspannung und Gelassenheit und darauf, das „Riesennaturschutzgebiet gleich hinterm Dorf“ zu Fuß zu erobern. Willem Koning als begeisterter Fotograf kann es kaum erwarten, endlich wieder Zeit für sein Hobby zu haben und neue Motive zu entdecken. „Und viele Leute haben angekündigt, uns zu besuchen. Allen voran unsere erwachsenen Kinder. Das wird schön“, sagt Elke Koning. Ihr Mann stimmt zu: „Schon jetzt geht es uns besser – Ballast abwerfen war klasse. Und die Zukunft wird es auch.“

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