Bürgermeisterwahl Die Kandidaten müssen ran

Vor vollem Haus stellten sich Martin Stölzle (l.) und Ibrahim Ender Arslan den Donzdorfern vor.
Vor vollem Haus stellten sich Martin Stölzle (l.) und Ibrahim Ender Arslan den Donzdorfern vor. © Foto: Giacinto Carlucci
Donzdorf / Peter Buyer 13.04.2018

Volle Halle, viele Fragen und schwitzende Kandidaten. Der Bürgermeister-Wahlkampf ist auf dem Höhepunkt, am Mittwochabend stellten sich die Kandidaten in der Donzdorfer Stadthalle vor. 600 Wähler drängen sich in die proppenvolle Halle, auf dem Podium bleibt aber ein Platz leer: Friedhild Miller, die auch in vielen anderen Städten und Gemeinden kandidiert, hat es nicht nach Donzdorf geschafft. Aber Amtsinhaber Martin Stölzle und sein Herausforderer Ibrahim Ender Arslan sind da, und wie.

Stölzle kommt in seiner Bewerbungsrede gleich zu Beginn des Abends schnell zur Sache: „Seit meiner Wahl im Mai 1994 haben wir viel erreicht.“ Seit 24 Jahren ist er im Amt, seine persönliche Vorstellung fällt dann auch eher kurz aus: „Ich bin 57 Jahre alt, habe drei Töchter und komme aus einem katholischen Elternhaus.“ Und er ist Verwaltungsfachmann, „das ist wichtig für den Beruf des Bürgermeisters und dessen tägliche Arbeit“, bei der er die 200 städtischen Angestellten kompetent führen müsse. Er gehöre keiner Partei an und fühle sich nur dem Wohl der Stadt verantwortlich.

Weil es seitens des Herausforderers Arslan in den vergangenen Wochen Kritik an der finanziellen Situation der Kommune gab, kommt Stölzle auch auf das Thema Geld zu sprechen. Der amtierende Rathauschef hält die Verschuldung der Stadt für vertretbar, vor allem vor dem Hintergrund der beiden Großprojekte Schlosskauf und Ortsumgehung. Von letzterer werde Donzdorf in Zukunft stark profitieren. Außerdem liege ein Großteil der Schulden bei den Eigenbetrieben der Stadt, die investierten und machten Schulden, „um zum wirtschaftlichen Erfolg beizutragen, Ertragskraft ist wichtiger als der Schuldenstand“, sagt Stölzle, dem in der etwas stickigen Halle unter dem heißen Scheinwerferlicht der Schweiß von der Stirn tropft.

Bei Rednern fließt der Schweiß

Auch Arslan wird es am Rednerpult warm, wenn auch nicht so lange wie dem Amtsinhaber. Stölzle hat gut 20 Minuten geredet, Arslan ist nach zwölf Minuten mit seiner Rede durch. Die persönliche Vorstellung wird etwas länger als die des Bürgermeisters, Arslan ist nach einigen Wochen Wahlkampf zwar nicht mehr der ganz Unbekannte, aber immer noch der „Neue“. „Ich bin 35 Jahre, ein Schwabe aus Winterbach, geboren in Schorndorf.“ Kindheit und Jugend im CVJM, der Jungschar, Zivildienst bei einer katholischen Einrichtung in Mittelamerika. Dann Betriebswirtschaft studiert, einen Master in nachhaltigem Management gemacht. Er war Unternehmensberater und ist seit zwei Jahren Geschäftsleiter bei einem Feinkostspezialisten in Weinstadt.

Mit Zahlen kenne er sich aus, „Donzdorf ist ein Fall für den Unternehmensberater“, sagt der Mitbewerber, schaltet auf Angriff und beklagt den Schuldenstand der Stadt von „26 Millionen Euro“, den er für zu hoch hält. Wenn er Bürgermeister wird, verspricht er eine Finanzanalyse und „schrittweise Korrekturen“. Er wolle mehr bezahlbaren Wohnraum, wie Stölzle den interkommunalen Gewerbepark mit Leben füllen und „bürgernah sein“.

Nach den schweißtreibenden Reden der Kandidaten sind die Zuschauer dran. Die meisten Fragen gehen an den „Neuen“, an Arslan. Wieso der nicht aus der Verwaltung komme, fragt einer und trifft einen Punkt, der auch einige andere im Saal umtreibt. Sie halten Arslan vor, kein Verwaltungsfachmann zu sein, sondern ein Wirtschaftsexperte. Arslan sagt, er traue sich die Arbeit trotzdem zu, er lerne schnell, wolle Seminare besuchen – „Amtseinführung ist im Juni, bis dahin habe ich Zeit“ –  und sich besonders am Anfang auf die Erfahrungen und Kenntnisse der Verwaltungsexperten und Amtsleiter im Rathaus verlassen. Bei einem Fragesteller bleiben Zweifel, „wählen Sie mich, dann zeige ich es Ihnen“, ruft Arslan ihm zu und erntet Applaus.

Dann ist die Religion dran. Warum er dazu nichts gesagt habe, fragt einer. Murren im Publikum, nicht alle im Saal sind mit der Frage einverstanden. Arslan sagt, er mache da kein Geheimnis draus und habe es bei anderen Wahlveranstaltungen auch schon gesagt: „Ich bin muslimischen Glaubens, ein Alevit mit liberalen Ansätzen.“ Für ihn sei das etwas Persönliches und „hat jetzt hier für das Amt des Bürgermeisters keinen so hohen Stellenwert“. Genauso wie seine Parteizugehörigkeit, Arslan ist SPD-Mitglied. „Als Kommunalpolitiker ist das nicht wichtig, hier geht es nur um Donzdorf, auch bei der Kandidatur ist mir die Unabhängigkeit ganz wichtig.“

Auch Stölzle muss nochmal ran, jemand spricht ihn auf sein Verhältnis zum Gemeinderat an, „was man so hört, soll es nicht das beste sein“. Nicht immer sei er mit den Räten einer Meinung, gibt Stölzle zu, verweist aber auch auf Einigkeit, wie beim „einstimmig gefassten Haushaltsplan-Beschluss“. Einig sind sich nach über zweieinhalb Stunden fast alle im Saal, dass es für den Moment reicht. Am Sonntag haben die Wähler das Wort.

Wahllokale am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet

Urnengang Gewählt wird der neue Bürgermeister am Sonntag, 15. April. 8645 Wahlberechtigte dürfen in Donzdorf wählen, davon 1409 in Winzingen und 1274 in Reichenbach. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Wahllokale In Donzdorf gibt es vier Wahllokale, alle befinden sich in der Stadthalle im großen Saal. In Winzingen wird im Bürgerhaus und in Reichenbach im Rathaus gewählt.

Entscheidung Wenn am kommenden Sonntag keiner der drei Kandidaten mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen auf sich vereinen kann, kommt es am 29. April zur Stichwahl. Dann reicht dem Gewinner die einfache Mehrheit der Stimmen.