Schule Die Jugend lernt heute anders

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Albershausen / SWP 14.03.2018

Veränderte Jugend – verändertes Lernen“, das war das Thema, über das Peter Struck, Professor an der Universität Hamburg, vor zahlreichen Besuchern in der Albershäuser Albert-Schweitzer-Schule sprach.

Er stellte unideologisch dar, was besonders erfolgreiche Schulen in Deutschland und weltweit mit dem Lernen anders machen. Junge Menschen seien heute infolge der multimedial vernetzten Kinderzimmer und der Smartphones ganz anders in ihrem Hirn vernetzt und lernen deshalb ganz anders als frühere Generationen, hat er herausgefunden. Er ging auf die neuen Herausforderungen durch Individualisierung, Rhythmisierung, Inklusion und jahrgangsübergreifende Lernfamilien ein, auch auf flexible Eingangsphasen und auf die Vorteile der Ganztagsschule. Partnerarbeit, Lernen durch Handeln, Ausprobieren, Aussprechen, Präsentieren, Rollen- und Theaterspiel, Chorsprechen und Bewegung bezeichnete er als wichtige Faktoren für erfolgreiches Lernen.

Wie Gewalt entsteht und präventiv verhindert werden kann, wie man mit ADHS-Kindern und Hochbegabten umgeht und welche Rolle die Fähigkeit zum vernetzenden Denken spielt, wurden ebenso problematisiert wie die Lehrerbelastung. Er zeigte, wie Kinder mehr lernen können und wie man künftig berücksichtigen kann, dass das Können immer wichtiger wird als das bloße Wissen.“ Mittlerweile fallen die schulische und die außerschulische Welt bei immer mehr jungen Menschen auseinander. In vielen Schulen herrschen immer noch Lehrbuch, Fotokopien, Tafel und Kreide vor, und Smartphones als Hilfsmittel sind oft verboten.

Schon heute seien die meisten Jugendlichen erkundungsstärker als die meisten Erwachsenen, so Struck. Sie können sich wichtige Informationen besser und schneller über Smartphone, iPad oder Tablet besorgen. Wissen müsse nicht mehr so lange vorhalten wie früher, und das Können sei bedeutsamer geworden als das Wissen. Kritische Informationskompetenz, also aus der Distanz heraus bewerten zu können, was im Internet zu finden ist, sei inzwischen wichtiger, als den Unterschied von Lippen- und Schmetterlingsblütlern benennen oder das Datum der Schlacht von Issos hersagen zu können.

In den USA nenne man den Wandel von der Belehrungsanstalt zur Lernwerkstatt „invertierten Unterricht“, was bedeutet, dass der Lernstoff zu Hause oder auch in der Schule im eigenen Lerntempo erworben wird, während dann später in der Schule mithilfe der Lehrkräfte die kritische Distanz zum Wissen aufgebaut wird, also zu dem, was wir Problemlösekompetenz oder Vernetzt-Denken-Können nennen. Das Resultat nach Jahren seien selbständige und selbstbewusste kreative junge Menschen, so Struck. Eltern hätten jedoch oft Vorbehalte, etwa gegen den Verzicht auf Noten bis zum 14. Lebensjahr, gegen Jahrgangsübergreifende Klassen oder gegen die Ganztagesschule. Dabei seien genau das die Faktoren, die beispielsweise Finnland so erfolgreich gemacht hätten.

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