Jubiläum Die Geschichte einer langen Ehe

Anita Engisch hält stolz das Hochzeitsfoto hoch, dass sie und ihren Mann vor 60 Jahren zeigt. Im Hintergrund hängen selbstgemalte Öl-Bilder von Werner Engisch.
Anita Engisch hält stolz das Hochzeitsfoto hoch, dass sie und ihren Mann vor 60 Jahren zeigt. Im Hintergrund hängen selbstgemalte Öl-Bilder von Werner Engisch. © Foto: Sabine Ackermann
Rechberghausen / Sabine Ackermann 16.05.2018

Nein, es ist keine Galerie, auch wenn die Vermutung beim Betreten der Wohnung der Engischs angesichts der unzähligen Gemälde nahe liegt. Rechnet man noch die gleichfalls großzügig verteilten Familienfotos dazu, wird dem Betrachter schnell klar, was dem Diamantenen Hochzeitspaar wichtig ist und besonders Anita Engisch – die obendrein just heute ihren 82. Geburtstag feiert – am Herzen liegt.

Insgesamt drei Töchter haben sie, und aus allen Mädchen sei etwas geworden, findet auch ihr ein Jahr älterer Mann Werner Engisch.  Die Erstgeborene ist Cordula, Sozialpädagogin aus Esslingen, dann kommt Architektin Monika, die in Köln lebt und das „Nesthäkchen“ Brigitte, die Physiotherapeutin hat es nach Berlin verschlagen. Die Töchter im Alter zwischen 59 und 52 Jahren schenkten ihren Eltern insgesamt sieben Enkel im Alter zwischen 28 und 13 Jahren, „darunter ist nur ein Junge“, berichtet die Jubilarin lachend. Stolz blättert sie in einem ihrer vielen Fotobücher, die neben den reichlichen Schnappschüssen an den Wänden schöne Erinnerungen aus längst vergangenen Tagen lebendig werden lassen.

Da aufgrund der Entfernungen  die Treffen mit allen Familienmitgliedern eher selten geworden sind, freut es die Jubilare umso mehr, dass am Wochenende die komplette Familie für eine Woche im Raum Frankfurt zusammenkommt, um gemeinsam zu feiern.

Am Tag ihrer Trauung lief alles ruhiger und reduzierter ab. „Weil ich in anderen Umständen war, durfte ich nicht in Weiß heiraten“, verrät Anita Engisch die damalige strenge Kleiderordnung. Mehr oder weniger „kennengelernt“ haben sie sich 1943 im schwäbischen Locherhof-Dunningen, einem kleinen Ort in der Nähe von Schramberg: In der bekannten Uhren- und Industriestadt arbeiteten beide Väter für die Firma Junghans. Werner Engischs Vater war dort Betriebsleiter, dementsprechend habe er ihm nachgeeifert, verrät der 83-Jährige, der in Stuttgart erfolgreich sein Studium als Diplom-Ingenieur mit Schwerpunkt Elektrotechnik absolvierte.

Lange Zeit davor besuchten er und „sein Mädel“, wie Werner Engisch seine Frau nennt, gemeinsam den Konfirmandenunterricht – „die ersten drei Jahre trafen wir uns hälinga“, erinnert sich Anita ­Engisch augenzwinkernd an die Nachhilfestunden, die ihr „Freund“ damals ihrem Bruder in Mathematik gegeben hatte.

Verlobt haben sie sich in der Südschweiz, nach der Heirat und Geburt der ersten Tochter sollten fünf Umzüge folgen, seit 1970 wohnen sie im „Betongold“ in Rechberghausen, wie Werner Engisch die Wohnhäuser dort nennt. Etwa zehn Jahre lang arbeitete er in der Konstruktionsabteilung der Firma Boehringer, später leitete er zwei Jahrzehnte lang den Vertrieb und Verkauf einer kleineren Firma in Frankfurt, sei nur an den Wochenenden nach Hause gekommen. Bis vor ein paar Jahren habe er noch viel gemalt, „als Entspannung, meistens Landschaftsbilder in Öl und Acryl“, berichtet Werner Engisch bescheiden von seinen mehr als 100 Bildern, die er noch nie in einer Ausstellung gezeigt hat.

„Ich habe in dieser Zeit für die Kinder gelebt“, betont Anita Engisch und lässt erst später die Katze aus dem Sack, wie umtriebig sie einst war und im Grunde noch immer ist. Über viele Jahre leitete sie den Frauenkreis mit, agierte lange Zeit als Gemeinderätin, als SPD-Mitglied sowie im Seniorenkreis, war Schöffin und natürlich für alle ihre Enkelkinder mit viel Freude da. Noch immer habe sie Spaß am Haushalt, insbesondere am Kochen, das bei ihr „frisch, regional und zeitgemäß“ sein muss. Sehr froh sei sie, dass ihr Mann seine drei Schlaganfälle gut überstanden habe und Werner Engisch, der Ruhigere von beiden, hätte dies gar nicht erwähnt – denn man merkt es ihm keinesfalls an.

Infokasten

34 Zeilen

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel