Vertrag Friedwald-Euphorie ist verflogen

Die Parkplatzsituation und der Vekehr auf der schmalen Zufahrtsstraße zum Wangener Friedwald stoßen den Gemeinderäten sauer auf. Sie fordern jetzt eine Lösung.
Die Parkplatzsituation und der Vekehr auf der schmalen Zufahrtsstraße zum Wangener Friedwald stoßen den Gemeinderäten sauer auf. Sie fordern jetzt eine Lösung. © Foto: Giacinto Carlucci
Wangen / Dirk Hülser 02.03.2018
Auch im zweiten Anlauf blockiert der Wangener Gemeinderat eine neue Satzung für den Friedwald.

Unverrichteter Dinge mussten die zwei Vertreter der Friedwald GmbH am Donnerstagabend wieder aus Wangen abreisen. Auch im zweiten Anlauf stimmte der Gemeinderat einer Änderung der Friedhofsordnung nicht zu. Die hessische GmbH verwaltet den Friedwald, Träger ist die Gemeinde und Besitzer des Waldes der Graf von Degenfeld. Auf Wunsch der GmbH solle die Friedhofsordnung dahingehend geändert werden, dass es nur noch zwei Grabarten gibt: Bäume und Plätze. Bisher sieht das System verschiedene Baumarten vor.

Die Gemeinderäte wollten vor allem wissen, wie sich die Änderungen auf die Liegezeiten auswirken. Bislang – und auch künftig – laufen sie maximal bis zum Ende der Widmung des Walds als Friedhof. Dieser Vertrag läuft für 99 Jahre von der Eröffnung im Jahr 2012 an gerechnet. Bereits jetzt gibt es die Möglichkeit, eine Liegezeit von 20 Jahren zu kaufen, das soll künftig verstärkt angeboten werden. Nur: Dazu fand sich in der Sitzungsvorlage nichts. „Das steht so nicht in der Vorlage, die ist überschaubar mit einer Seite“, monierte Fritz Uebele.

Je nach Baum, Liegezeit und der Zahl der Urnen kosten Beisetzungen zwischen 490 und 6990 Euro, erläuterte Ute Diesbach von der Friedwald GmbH. „Sie können aber Liegezeit nachkaufen“, betonte sie. Das überzeugte die Bürgervertreter nicht. „Wir können nicht über eine Satzungsänderung entscheiden, die uns nicht vorliegt“, fand Benjamin Christian. „Jetzt haben wir wieder nur eine Seite.“ Damit nahm er Bezug auf eine Sitzung im November, als die Gemeinderäte das Thema vertagten, weil ihnen die Vorlage zu dürftig erschien und nicht die ganze Satzung vorlag. „Das ist aber der einzige Paragraf, den wir ändern müssen“, verteidigte sich Diesbach. Zu drei Vierteln sei der Friedwald ohnehin schon belegt, berichtete sie. Die Änderungen könnten eines bewirken: „Vielleicht schlagen wir dadurch noch ein Jahr raus.“

Das forderte erneut Fritz Uebele zum Widerspruch heraus: „Ich habe Verständnis, dass Sie – salopp gesagt – Ihren Durchsatz erhöhen wollen, Sie wollen Geld verdienen.“ Dann lenkte er den Blick auf den Ärger mit den Anliegern und dem schmalen Zufahrtssträßchen: „Dann müssen Sie uns aber auch etwas vorschlagen, wie man die Situation mit der Straße verbessert.“ Die Leute im Dorf sagten bereits: „Nur dass die einen Haufen Geld verdienen und alle fahren in die Wiese rein.“

Erich Schurr sah es ähnlich wie Uebele: „Ich wehre mich dagegen, wir sollen hier wieder den Steigbügelhalter machen für den Grafen. Wir haben nur den Ärger im Flecken und den Verkehr.“ Barbara Bär stimmte Schurr zu und  Maik Schäfer schlug vor, keiner Satzungsänderung zuzustimmen, bevor das Verkehrsproblem mit der Straße und dem Parkplatz gelöst ist.

Bürgermeister Daniel Freys Stellvertreter Uwe Uebele, der die Sitzung leitete, zog schließlich einen Schlussstrich: Wir haben eine Situation, die so nicht tragbar ist. Wir telefonieren nächste Woche und gucken, wie wir weitermachen. Es muss eine Gesamtlösung her.“

Bürgermeister Daniel Frey bleibt Sitzung fern

Bürgermeister Der im zweiten Wahlgang am 25. Februar abgewählte Wangener Bürgermeister Daniel Frey kam am Donnerstag nicht zur ersten Gemeinderatssitzung nach der Wahl. Da Entscheidungen getroffen werden, die über die Amtszeit Freys – sie endet am 30. April – hinaus wirken, werde Frey an den Sitzungen nicht mehr teilnehmen, berichtete der stellvertretende Bürgermeister Uwe Uebele von einem Gespräch mit dem 40-Jährigen. Uebele leitete die Sitzung am Donnerstagabend.

Nachfolger Troy Dutta war zum Nachfolger von Frey gewählt worden und besuchte die Sitzung am Donnerstag. Der 41-Jährige saß im Publikum und machte sich während der Debatten der Gemeinderäte fortwährend Notizen. Das Interesse an der Sitzung war vergleichsweise groß: Im Mehrzweckraum des Kinderhauses versammelten sich rund 20 Zuhörer.

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