Porträt Die Fotoschwaben und ihr Schatz

Gerhold Platta und Otto Nicksch von den Fotoschwaben mit dem detailgetreuen Nachbau einer Daguerre-Kamera von 1839. Das Objektiv soll sogar ein Originalteil sein.
Gerhold Platta und Otto Nicksch von den Fotoschwaben mit dem detailgetreuen Nachbau einer Daguerre-Kamera von 1839. Das Objektiv soll sogar ein Originalteil sein. © Foto: AXEL RAISCH
Uhingen / AXEL RAISCH 04.02.2017

Seit 2003 gibt es im Uhinger Rathaus ein Foto-Museum, das über die umfangreichste Kamerasammlung in Baden-Württemberg verfügt und als eines der bedeutendsten seiner Art in ganz Deutschland gilt. Die Interessengemeinschaft der „Fotoschwaben“ betreut und pflegt die Stücke.

Anlass zur Gründung des „Foto-Museums“ war die Sammlung des Uhinger Foto-Journalisten Wilhelm Pabst. Er hatte über Jahrzehnte interessante und seltene Kameras zusammengetragen und schließlich vor 14 Jahren seine Sammlung der Stadt Uhingen mit der Auflage übergeben, ein Museum zu installieren.

Um die Sammlung kümmerten sich von Anfang an die „Fotoschwaben“, eine Interessengemeinschaft, die derzeit aus acht Personen besteht. Ulla Czöppan ist dabei nicht nur die einzige Frau, sondern hat auch einen besonderen Bezug zur Sammlung: Sie war langjährige Assistentin von Wilhelm Pabst. Da alle Mitglieder der Interessengemeinschaft im Rentenalter sind, wird dringend Nachwuchs gesucht. Sprecher ist derzeit Gerhold Platta. Der aus Berlin stammende Fotoschwabe erklärt, wie es zum Namen kam: „Es sollte ein regionaler Bezug im Namen sein“.

Über 300 Exponate können die Besucher des Museums besichtigen und von den Fotoschwaben auch allerhand dazu erfahren. Technisches, Historisches und auch die eine oder andere Anekdote. So wird eine Führung durchs Museum zu einem Ausflug in die Technik- wie auch Indus­triegeschichte des Landes und man erhält einen Einblick in die gesellschaftliche Entwicklung.

Der Bestand umfasst rund 1400 Kameras, die aus Platzgründen aber nicht alle ausgestellt werden können. Die ehrenamtlich tätigen Fotoschwaben haben in hunderten Arbeitsstunden die Kameras in einer Datenbank erfasst. Immer wieder kämen neue gespendete Exemplare hinzu, berichtet Otto Nicksch. Er ist für die Öffentlichkeitsarbeit der Interessengemeinschaft zuständig.

Auf einige Ausstellungsstücke sind die Fotoschwaben ganz besonders stolz. Dazu gehört der originalgetreue Nachbau einer Daguerre-Kamera aus dem Jahre 1839 – das Objektiv ist sogar ein Originalteil. Bemerkenswert ist auch ein Exemplar der ersten Metallkamera der Firma Voigtländer, die Uhinger Handwerker nachgebaut haben.

Zu vielen Kameras wissen Platta und Nicksch Interessantes zu berichten. Etwa über die Atelierkameras, welche einem in Zeiten der Handyfotografie wie Möbelstücke erscheinen. Ein ganzer Raum ist im Stile der damaligen Zeit mit den entsprechenden Ausrüstungen der Photographen eingerichtet. Nebenan gibt es eine Dunkelkammer mit sämtlichen Apparaturen und Chemikalien.

Eine unscheinbare und zugleich faszinierende Vitrine beherbergt winzige Kameras. Sie waren das Handwerkszeug von Agenten, Detektiven und Spionen. Von der Knopfloch- über die Armbanduhr-Kamera und die klassische Minox bis zur berühmten Tessina. Es sei das baugleiche Modell, das beim Watergate-Einbruch in den USA 1972 und vom Spion und persönlichen Kanzlerreferenten Günter Guillaume, der 1974 Willy Brandt zu Fall brachte, zum Einsatz gekommen war, wissen Nicksch und Platta.

Die Exponate sind Beleg dafür, dass nicht nur Bilder sondern auch Kameras Geschichten erzählen, spannend geschildert von den Fotoschwaben. So wie die der Retina Kleinbildkamera aus den 30er Jahren, die den Onkel des Spenders im Zweiten Weltkrieg bis nach Stalingrad begleitete. Jetzt ist sie eine der vielen Besonderheiten in den Vitrinen.

Besuch im Museum

Öffnungszeiten Während des Kandelhocks, beim verkaufsoffenen Sonntag in Uhingen und an einem Sonntag im Monat ist das Museum geöffnet. Einige Fotoschwaben informieren über die ausgestellten Exponate.

Führungen Für Gruppen, Vereine, Organisationen können gesonderte Führungen vereinbart werden. Außerdem veranstalten die Fotoschwaben unregelmäßig klassische Dia-Lichtbildvorträge. Der Eintritt ist kostenlos.

Sonderausstellungen Immer wieder gibt es Sonderausstellungen, derzeit zum Thema „Deutsche Kameras der Jahre 1945-1955“. Hier begegnet der Besucher alten Markennamen, die längst vom Markt verschwunden sind.

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