Modellflug Die Formel 1 der Flieger

Gruibingen / Jürgen Schäfer 10.07.2018
Auf dem Nortel lieferten sich Modellflieger spannende Rennen im GPS-Dreiecksflug. Der Flugplatz wird feste Station der EM.

Die Anzeigentafel am Rand des Flugplatzes erinnert noch daran, dass voriges Jahr auf dem Nortel eine Weltmeisterschaft ausgetragen wurde. „GPS-Triangle 4th World Masters in Gruibingen Germany“ steht da. Jetzt wurde sie wieder gebraucht. Auf dem Nortel trafen sich erneut Asse im GPS-Dreieck-Modellfliegen, um mit ihren gar nicht kleinen Modellen ein Dreieck in der Luft möglichst oft in vorgegebener Zeit zu durchfliegen. Es war ein Wettbewerb zu den Europameisterschaften. Nichts Neues mehr auf der Filsalb. So hat es vor Jahren angefangen mit dem Triangel-Fliegen auf dem Nortel, und das soll so bleiben. „Wir sind eine feste Station bei den Europameisterschaften“, sagt Organisator Jörg Etzler vom Aero-Club Göppingen-Salach.

Schon vorher war klar: Der Nortel hat die Modellflieger überzeugt. „Der Platz ist groß, die Verfügbarkeit ist perfekt mit Camping und Wirtschaft, der Verein macht mit und stellt die Helfer“, bilanziert Etzler. Sodann sei die Alb thermisch für Segelflug sehr gut. Er kann nur sagen: „Die Teilnehmer sind begeistert.“ Das hört man auch aus dem Fliegercamp. „Wenn hier nächstes Jahr wieder was ist, komm ich wieder“, sagt der Tanner Georg aus Garmisch.

Ein Heimspiel ist es für Peter Hiemer. Er ist der einzige Teilnehmer vom Aeroclub – und ein „Newcomer“. Es war just die WM in Gruibingen, die ihn zu dieser Disziplin und damit auch zum Nortel brachte. Modellflugzeuge hat er schon 25 Jahre geflogen, und zwar an der Teck, Segelflieger und Hubschrauber, als er das Triangel-Fliegen entdeckt hat.  Einfach sei das aber nicht. „Da liegen Welten dazwischen.“ Hiemer hat gleich bei der WM mitgemacht, nach dem Motto: „Dabei sein ist alles.“ Jetzt arbeitet er sich nach vorne. „Im Moment bin ich im Mittelfeld“, sagt er zufrieden.

Erstaunlich: Viel trainiert hat er nicht. Das ist auch nicht so einfach, erzählt der Mann aus Aichtal bei Nürtingen, weil der Nortel ja an Wochenenden für die großen Flugzeuge da ist. Man müsste ihn für den Modellflug reservieren. Es bringt auch nicht viel, allein zu trainieren, sagt Hiemer.  Das seien ja nur die Abläufe. „Weiterentwickeln kann man sich nur im Wettbewerb.“ Da habe man den Stress und den Zeitfaktor, mit dem man zurechtkommen muss. Das tut Hiemer nach Kräften. Er war dieses Jahr schon bei Wettbewerben in Bayern und auf der Alb bei Burladingen.

Hiemer ist jetzt auch technisch gerüstet. Er hat sich einen Modellflieger mit Hilfsmotor zugelegt, der selber starten kann – im Gegensatz zu den Maschinen, die hochgezogen werden. Es ist das Modell einer echten Maschine, einer ASW  22 B2, im Maßstab 1:3. Mit 8,30 Metern Spannweite gehört es zu den großen.

Heimvorteil? Hiemer lächelt. „Beim Segelfliegen ist das nicht alles. Die Jungs sind so gut – das ist, wie wenn man in der Formel 1 auf die Pole Position kommen will.“  Aber ein Heimspiel hatte er schon. Es kamen seine Fliegerkameraden von der Teck, wo er all die Jahre sein Hobby gepflegt hat, und die verfolgten aufmerksam, was beim Triangel-Fliegen so abgeht. Mit den Zwei-Mann-Teams, einer am Steuergerät und einer am Display. Hiemer glaubt, dass der eine oder andere auch auf den Geschmack kommt. Das wäre dann auch Zuwachs für den Nortel. Die Modellflugplätze an der Teck sind zu klein für die Triangel-Modelle. „Da braucht man Platz“, sagt Hiemer.

Aus Deutschland sind die meisten der über 30 Modellflieger gekommen, die an drei Tagen an verschiedenen Wettbewerben teilnahmen. Die Schweizer Flagge im Fahrerlager war sichtbares Zeichen der internationalen Beteiligung. Aus der Schweiz, aus Österreich und aus Dänemark sind Teilnehmer angereist, einer sogar aus Südafrika. Organisator Etzler ist hochzufrieden mit allem: mit der Teilnehmerzahl, mit dem Ablauf, mit dem Wetter, mit erstaunlich vielen Zuschauern. „Es ist perfekt gelaufen.“  Alles auch unfallfrei, ergänzt er. Glück hatten die Modellflieger, dass sich das schlechte Wetter bis Freitag mittag wieder verzogen hatte. Bis 20 Uhr abends sind sie geflogen und haben ihr Programm an allen Tagen gut durchgekriegt.

Der Aero-Club hat seinen Platz im Getriebe der EM gefunden. Vor drei Jahren ist er eingestiegen mit einem Termin im April. Da kamen nicht so viele, und es war kalt, erinnert sich Etzler.

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