Bad Überkingen Die Fils wird erlebbar

Bad Überkingen / Ralf Heisele 15.08.2018
Jahrzehntelang ist die Fils in  ein Korsett gezwängt worden. Doch die Natur rächt sich, wie das Hochwasser 2013 zeigt.

Gemächlich plätschert die Fils durch Bad Überkingen. Auf Höhe des Brunnenbetriebs sind derzeit drei Arbeiter der Firma Wege- und Landschaftsbau Schäfer aus Leinfelden-Echterdingen damit beschäftigt, mit Baggern das Geröll aus dem Fluss zu schaffen. Vom Parkplatz des Brunnens arbeiten sie sich gegen den Strom rund einen Kilometer in Richtung Ortsmitte vor. Dabei graben die Männer die Fils bis zu einem Meter aus und begradigen das Bachbett. Die Ufer werden mit einem Teil der ausgehobenen Steine abgeflacht, um dem Gewässer bei Hochwasser etwas mehr Platz zu geben. Der restliche Teil des steinigen Aushubs wird später gebrochen und zur Instandsetzung der Feldwege rund um den Ort benutzt.

Ein Drittel der Strecke haben die drei Männer schon fertiggestellt. Dabei kommt ihnen die Hitzewelle zugute.  Dadurch führt der Fluss dieser Tage nur wenig Wasser. Der Wasserstand beträgt lediglich 25 Zentimeter. Die 400.000 Euro teuren Arbeiten gehören zum zweiten Abschnitt des Hochwasserschutzprogramms der Gemeinde.

Die Fils hat nämlich zwei Gesichter: Das hat auch Bürgermeister Matthias Heim leidvoll erfahren müssen. Als er 2010 Rathauschef wurde, hat er die Fils anfangs kaum wahrgenommen. „Man hat sie eigentlich nicht gesehen“, sagt Heim. Abgeschottet von Deichen zwängte sich der Fluss in einem künstlich geschaffenen Korsett durch die Badgemeinde. „Dass die Fils auch gefährlich sein kann, nimmt man erst bei Hochwasser wahr“, weiß der Bürgermeister seit dem Frühsommer 2013. Durch den anhaltenden Regen und gespeist von den Zuflüssen stieg Ende Mai der Filspegel auf über vier Meter an.  Nach einem ersten Hochwasser spitzte sich dann die Lage zu. „Es war dramatisch“, erinnert sich Heim. Der schon durchweichte Damm an der Hausener Straße drohte zu brechen, an mehreren Stellen sickerte bereits das Wasser durch. Im Rathaus  wurde ein Krisenstab eingerichtet. Sollte der Damm brechen, wäre der gesamte Ortskern überflutet worden.

In einem Großeinsatz wurden 25.000 Sandsäcke herbeigeschafft und damit der Erdwall auf einer Länge von 300 Metern beschwert, abgedichtet und stabilisiert.  Bis zu 200 Helfer waren im Einsatz.  Am Ende des Damms, im Bereich der Amtswiesen, trat die Fils trotzdem über die Ufer. Etliche Keller liefen voll,  drei Tiefgaragen standen unter Wasser.  Auch das Wasser des Mühlkanals drückte in viele Gebäude, betroffen waren unter anderem die Autalhalle und die Dehoga.  Der Sachschaden belief sich insgesamt auf vier bis fünf Millionen Euro.

Der Hochwasserschutz wurde fortan zur Chefsache erklärt, auch der Gemeinderat zog laut Heim „voll mit“.  Nach einer Planungsphase ging es im vergangenen Jahr los: Der alte Damm wurde abgetragen und durch eine Mauer aus drei Meter hohen Beton-Fertigelementen ersetzt. Dadurch liegt der neue Damm etwas höher als die ebenfalls neu angelegte Retentionsfläche auf der anderen Filsseite. Im Gefahrenfall sollen sich nun die Wassermassen dort ausbreiten  und nicht über dem Damm auf die Hausener Straße schwappen. Zudem wurde der Mühlkanal durch eine Wehranlage regulierbar gemacht. In einem dritten Abschnitt soll 2019 oder 2020 dann die Brücke ab der Bahnhofstraße erneuert werden. Das über 100 Jahre alte Bauwerk mit Mittelpfeiler kann nicht genügend Hochwasser abführen. Hierfür benötigt die Gemeinde aber die finanzielle Hilfe des Landes.

In den Hochwasserschutzmaßnahmen sieht Bürgermeister Heim auch einen weiteren Vorteil: „Die Fils wird jetzt erlebbar gemacht.“ Durch flache Uferbereiche, Sandbänke und den Weg am Fluss entlang sei ein neues grünes Zentrum in Bad Überkingen entstanden. Kinder würden am und im Wasser spielen, Senioren entlang der Fils spazieren und auch Sonnenanbeter hat der Schultes schon entdeckt. Hin zur Hausener Straße soll auf dem Damm mit der „Pergola an der Fils“ ein barrierefreier Sitzbereich geschaffen werden – eine „kleine Oase“, wie Bürgermeister Heim findet.  Ende des Monats findet hierzu der Spatenstich statt.

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