Amstetten / JOCHEN WEIS  Uhr
Die beige-roten Personenwaggons sind ein Markenzeichen des Alb-Bähnles, der Museumsbahn von Amstetten nach Oppingen. Einst waren diese Veteranen in der Schweiz für die Appenzeller Bahn im Einsatz.

Als die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft, kurz: WEG, im Frühherbst 85 den Betrieb auf der Schmalspurbahn Amstetten-Laichingen einstellte und im Jahr darauf die Ulmer Eisenbahnfreunde (UEF) mit den Planungen begannen, den bis Oppingen verbliebenen Abschnitt der 1901 eröffneten Nebenbahn als Museumsbahn zu retten, gab es ein grundlegendes Problem: Es fehlten schlicht und ergreifend die für denMuseumsbetrieb notwendige Lok samt Waggons. "Es gab keine Originalfahrzeuge mehr, die für den Museumsbetrieb geeignet gewesen wären", sagt Eisenbahn-Experte und Fachautor Korbinian Fleischer aus Reichenbach im Täle.

Die Original-Lok, die 2s, fristete zu jenem Zeitpunkt ihr Dasein als Exponat im Fahrzeugmuseum Reichert in Marxzell. Und die einstigen Waggons - fünf Personen - sowie ein Post- und Gepäckwagen - existierten schon längst nicht mehr. "Als die WEG 1956 den Dampfbetrieb auf der Strecke eingestellt hatte, wurden die Holzaufbauten der Waggons entweder weiterverwertet als Hütten oder einfach verbrannt, der Rest verschrottet", erklärt Fleischer, "später fuhren nur noch Dieseltriebwagen und Beiwagen auf der Strecke. Das war im Prinzip seinerzeit so, als ob man heutzutage sein altes Auto verschrottet. Da denkt wohl kaum jemand dran, dass sein Wagen in einigen Jahrzehnten einmal musealen Wert haben könnte."

Das andere Problem zu jener Zeit: Es gab auch keine vergleich- und verfügbaren Wagen, die man mit vertretbarem Aufwand wieder hätte in Dienst nehmen können." Zumindest in Deutschland gab es sie nicht, allerdings in der Schweiz, genauer: bei den Eidgenossen in Appenzell. "Die Appenzeller Bahn modernisierte 1985 ihren Fuhrpark und musterte alte Waggons aus", erläutert Fleischer, dabei verschenkte die Bahngesellschaft gegen Abholung die Wagen. Vier nahmen die UEF mit, allesamt Personenwaggons, drei sind aktuell im Einsatz.

Und sie tragen das Prädikat "Museumswagen" zu Recht: Als sie 1986 nach Amstetten kamen, hatten sie schon 100 Jahre auf dem Buckel respektive den Achsen. "Die Appenzeller Bahn setzte die Wagen auf der Strecke Urnäsch-Appenzell ein. Gebaut hatte sie 1886 die Schweizerische Industrie-Gesellschaft - besser bekannt unter dem Kürzel SIG - in Neuhausen am Rhein", erklärt Fleischer, "in den 1940er Jahren wurden die Waggons überholt und modernisiert. Die Rahmen sind aus Stahl, die Außenverkleidung ist aus Blech. Die Schweizer Fahrzeuge werden besser gewartet als in Deutschland und sind in aller Regel in einwandfreiem technischen Zustand."

Was den vier Appenzeller Personenwaggons jedoch nicht eine gründliche Überarbeitung in Amstetten ersparte. Fleischer: "Technisch einwandfrei heißt nicht automatisch, dass nichts zerschlissen ist." Im Inneren wurden beispielsweise neue Polsterungen für die Sitze fällig, zudem Fußböden und Fenster ausgebessert. Die Wagen selbst mussten frisch lackiert, die Verkleidungen zum Teil erneuert, schadhafte Stellen an den Dächern abgedichtet werden. Außerdem mussten die technischen Einrichtungen der Waggons modifiziert und angepasst werden.

Vier Jahre dauerte die Aufarbeitung, seit Eröffnung der Museumsstrecke im Jahr 1990 versehen die eidgenössischen Waggons ihren Dienst auf der 5,73 langen Museumsstrecke des Alb-Bähnles. Wobei die UEF den Fuhrpark 2006 um zwei weitere Personenwagen aufstockten, die sich schon optisch völlig von den Schweizer Waggons unterscheiden: Deren Farbe ist beige-rot, die der anderen grün. Manchen sind sie vielleicht auch noch in ihrer beige-blauen Originallackierung in Erinnerung. Die beiden Waggons stammen ursprünglich von der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) und sind im Vergleich zu ihren eidgenössischen Veteranen Jungspunde: Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) lieferte die relativ leichten, vierachsigen Waggons 1929 nach Garmisch, wo sie auf der 1930 fertiggestellten Zahnradbahn hoch zum Schneefernerhaus unterm Zugspitzgipfel im Einsatz waren.

"Diese Waggons waren wie die aus der Schweiz in sehr gutem Zustand", sagt Fleischer, "man brauchte sie, weil bei den anderen Wagen zwangsläufig einmal Reparaturen anfallen." Wie derzeit bei den Appenzellern. Anders formuliert: Weil Arbeiten an historischen Fahrzeugen sehr zeitaufwendig sind, sich eine Museumsstrecke - siehe Anfang - jedoch nicht ohne Fahrzeuge betreiben lässt, rollen die im Vorfeld aufgearbeiteten MAN-Waggons nun schwerpunktmäßig über die Strecke.
 

Mit 99 7203 oder T06

Betrieb Am kommenden Sonntag ist auf der Schmalspurbahn nach Oppingen wieder Dampfbetrieb mit der Lok 99 7203. Abfahrt in Amstetten ist um 10 Uhr, um 12.40 Uhr, um 14.30 Uhr und um 16.10 Uhr. Dann ist auch Teddybär-Tag, das heißt, jedes Kind bis 14 Jahre mit Teddybär fährt kostenlos. Fahrzeiten ab Oppingen: 11 Uhr, 13.50 Uhr, 15.25 Uhr und 17 Uhr. Am Sonntag fährt auch der Diesel-Triebwagen T 06 auf der Lokalbahn von Amstetten nach Gerstetten. Abfahrtszeiten ab Amstetten: 9.40 Uhr, 12.40 Uhr, 15.50 Uhr und 18.50 Uhr. In die andere Richtung geht es bereist ab 8.30 Uhr. Weiter Abfahrtszeiten: 11 Uhr, 14.30 Uhr und 17.20 Uhr. Weitere Infos online unter www.uef-dampf.de