Etwa 3500 Handwerksbetriebe vom Bäcker bis zum Zimmerer gibt es im Landkreis Göppingen. Allein im Jahr 2018 haben sich 253 Handwerksbetriebe neu gegründet und bei der Handwerkskammer eintragen lassen. „Die Auftragsbücher sind voll, die Handwerker momentan sehr zufrieden“, sagt Alexander Gonzalez, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Kreis Göppingen. Das Problem der Handwerker liege eher darin, die notwendigen Fachkräfte zu finden.

Duales Studium macht Hoffnung

Deshalb werde viel Zeit in Aktionen und Projekte gesteckt, um Nachwuchs zu generieren, sprich Azubi zu finden, die Spaß haben und fit sind für die Arbeit im Handwerk und speziell auf dem Bau. „Da gibt es zum Beispiel Kampagnen, die dem Trend zum reinen Studium entgegenwirken, wie etwa durch das Duale Studium“, erklärt Gonzalez.

Als Beispiel nennt der Experte das Stuckateur-Handwerk: Ein neues, bundesweites Ausbildungsmodell ist der Ausbau-Manager. Dieser beinhaltet eine klassische Berufsausbildung als Stuckateurgeselle sowie Stuckateurmeister und bereitet die Azubi innerhalb von nur sieben Semestern zeitgleich darauf vor, rasch Führungsaufgaben in einem Handwerksunternehmen wahrzunehmen. Nach Meinung von Gonzalez „soll und muss“ die klassische Ausbildung im Handwerk jetzt und in Zukunft weiter forciert werden – „weil das die eigentlichen Fachkräfte der Zukunft sind, die wir dringend benötigen“.

Digitalisierung hat Handwerk erfasst

Attraktiv für die Nachwuchskräfte werden die Handwerksberufe auch durch die Digitalisierung, die sich auch auf dem Bau mehr und mehr durchsetzt.  „Für die digital-affinen jungen Leute ist das ein wichtiges Argument“, sagt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Vermessungen auf der Baustelle werden übers Tablet online eingegeben, mit dem Architekten oder den Kollegen im Büro wird übers Internet kommuniziert und so manche digitalen Geräte machen die Arbeit, etwa im Straßenbau, effektiver. „Auf Bildungsmessen werben die Firmen mit Projekten, bei denen kleine Roboter elektronische Vermessungen vornehmen oder Bagger digital gesteuert bewegt werden“, erklärt Alexander Gonzalez.

Vorurteile sollen widerlegt werden

Das Handwerk und vor allem das Bau- und Stuckateur-Handwerk sei intensiv damit beschäftigt, Vorurteile zu widerlegen, die potenzielle Azubi von einer Bewerbung abhielten. „Nein, man verdient nicht wenig; nein, man wird nicht grundsätzlich schmutzig und nein, auch die Arbeitszeiten sind nicht unattraktiv“, macht Gonzalez klar. Im Gegenteil, betont er, die meisten Betriebe ließen sich sogar „enorm viel“ einfallen, um für ihre Mitarbeiter ein interessantes Arbeitsumfeld zu schaffen. Das gehe von gemeinschaftlichen Unternehmungen im Betrieb über das zur Verfügung gestellte Tablet oder sogar Geschäfts-Fahrzeug bis hin zur vom Unternehmen finanzierten Meisterschule oder sonstigen Fortbildung. Die Mitarbeiter auf dem Bau beziehungsweise im Handwerk allgemein würden wertgeschätzt und das werde gezeigt.

Vorbild für zahlreiche Länder

Die Kampagnen zeigen Wirkung: Wurden in diesem Jahr 20 junge Gesellen im Bau- und Ausbaugewerbe losgesprochen, so haben im vergangenen Jahr gleich 64 neue Azubi in diesem Bereich ihre Lehrverträge unterschrieben. Für das typisch deutsche duale Ausbildungssystem findet Alexander Gonzalez nur lobende Worte: „Darauf, wie das funktioniert, können wir stolz sein in Deutschland und sind damit Vorbild für zahlreiche Länder in Europa.“

Info Die Kreishandwerkerschaft ist die Dach-Institution der Innungen im Handwerk und unterstützt diese mit Lobbyarbeit, Beratung, Marketing und in der Ausbildung.