Die erneuten Schneefälle in der Nacht auf Mittwoch haben zu teilweise chaotischen Verhältnissen auf der Alb geführt. Durch Schneeverwehungen gab es vor allem am Morgen erhebliche Behinderungen im Berufsverkehr.

In Böhmenkirch ging kurzzeitig gar nichts mehr, da mehrere Sattelzüge auf der B 466 vor einer Ampel in der Ortsmitte nicht mehr vom Fleck kamen. Westerheim war am Vormittag zwischenzeitig komplett von der Umwelt abgeschnitten: Wegen querstehender Lkw und im Graben liegender Pkw kamen die Räumfahrzeuge weder Richtung Laichingen, Hohenstadt noch Feldstetten durch. Die Kreisstraße nach Wiesensteig war wegen Schneebruchgefahr bereits am Dienstag vorsorglich gesperrt worden. Auf der A 8 stockte der Verkehr auf dem Albaufstieg zwischen Aichelberg und Hohenstadt zwar immer wieder, zu größeren Behinderungen kam es aber nicht.

Auch der Zugverkehr war vom Schneechaos betroffen: In Am­stetten mussten zwei Züge zwischen 9.17 Uhr und 10.10 Uhr knapp eine Stunde lang warten, bis zugewehte Weichen im Bahnhof wieder freigeschaufelt waren. In der Folge kam es zu weiteren Verzögerungen im Zugverkehr. Im Laufe des späten Vormittags normalisierte sich die Lage auf den Straßen wieder.

Neben den Straßenmeistereien sind vor allem die Mitarbeiter der Bauhöfe derzeit voll gefordert. Seit dem Wintereinbruch mit Blitzeis am Mittwoch vergangener Woche sind die Arbeiter der Kommunen auf der Alb mehr oder weniger im Dauereinsatz. Bundes-, Land- und Kreisstraßen sind relativ schnell von der Straße geräumt. In den Gemeinden türmen sich dagegen die Schneemassen inzwischen zu regelrechten Bergen auf. Straßen in Wohngebieten sind bis auf die Hälfte ihrer Breite geschrumpft, sodass Autos oft gar nicht mehr aneinander vorbeikommen.

„Wir sollten gerade überall gleichzeitig sein“, verweist Böhmenkirchs Bauhofleiter Bruno Lenz auf manchen Anruf von erbosten Anliegern. Lenz bittet um Verständnis. Die Verkehrssicherheitspflicht gebe hier eindeutige Regeln vor: Erst müssen die Hauptverbindungsstraßen geräumt werden, dann kommen die Wohngebiete dran.

Das hätte eigentlich längst geschehen sollen. Doch angesichts der erneuten Schneefälle mussten wieder zunächst die Hauptstraßen geräumt werden. Ab dem heutigen Donnerstag sollen die Wohngebiete von ihrer weißen Last befreit werden. Da zum Räumen längst kein Platz mehr ist, müssen die Berge am Straßenrand abgefräst und der Schnee mit Lkw aus dem Ort transportiert werden.

Die Anwohner schippen derweil, was die Arme halten. Rentner Hans-Peter Gantert kann sich kaum erinnern, wann es zuletzt so viel geschneit hat. 1988 habe es Böhmenkirch mal auf die erste Seite der Bildzeitung geschafft. „Jetzt kann uns nur noch der liebe Gott helfen“, zitierte das Boulevardblatt einen Satz des damaligen Bürgermeister Jürgen Lenz. Ganz so schlimm sei es diesmal aber nicht, räumt der 69-Jährige ein – und schippt tapfer weiter an seiner Garagenzufahrt.

Gantert fürchtet, dass er bald wieder zur Schaufel greifen darf.  Wenn die Wettervorhersagen eintreffen, sollen die Schneefälle noch bis zum kommenden Dienstag anhalten. Am Wochenende ist bei Böen von bis zu 60 Kilometern in der Stunde auch wieder mit kräftigen Verwehungen zu rechnen.

Bislang ist das Schneechaos noch ohne schlimmere Folgen geblieben. Außer einigen unfreiwilligen Rutschpartien hat sich gestern im Raum Geislingen nur ein einziger Unfall wegen Schneeglätte ereignet. Und das war nicht auf der eingeschneiten Alb, sondern in Geislingen, wo bei einem Auffahrunfall allerdings nur geringer Sachschaden entstand.