Albaufstieg Die „Drackis“ lassen ihre K-Trasse überarbeiten

Vor allem an der geplanten Brücke übers Gosbachtal (mit Blick in Richtung Gosbach) stören sich die Mitglieder der Bürgerinitiative: Sie sei für die Umwelt und für die Anwohner die schlechteste Variante des Albaufstiegs.
Vor allem an der geplanten Brücke übers Gosbachtal (mit Blick in Richtung Gosbach) stören sich die Mitglieder der Bürgerinitiative: Sie sei für die Umwelt und für die Anwohner die schlechteste Variante des Albaufstiegs. © Foto: swp
Drackenstein / Ralf Heisele 17.08.2018

Die „Drackis“ lassen sich nicht unterkriegen: „Wir wollen, dass die von uns vorgeschlagene K-Trasse ernsthaft geprüft und in das derzeitige Planfeststellungsverfahren aufgenommen wird“, sagt der Sprecher der „Bürgerinitiative A 8 Drackensteiner Hang“, Edgar Kastner. Seit 30 Jahren kämpfen er und seine Mitstreiter für eine umwelt- und anwohnerfreundliche Trassenführung am Albaufstieg der Autobahn. Jetzt freuen sie sich, dass der Gemeinderat Drackenstein Ende Juli beschlossen hat, das Ansinnen mit einem Zuschuss über 9100 Euro zu unterstützen  – um die Planung voranzutreiben. Eine Woche zuvor war dies noch anders: Im Bad Ditzenbacher Gremium wurde eine Förderung mit großer Mehrheit abgelehnt.

 Mit dem Geld aus Drackenstein und  dank einiger Spenden (siehe Info) überarbeitet Hans-Peter Kleemann vom Schorndorfer Büro für angewandten Umweltschutz derzeit die K-Trasse und bringt sie auf den neuesten Stand – etwa durch die Einbindung eines Standstreifens. Dieser war bei der ersten Planung vor rund 15 Jahren noch nicht gefordert. Kleemanns  Auftrag ist aus Kostengründen etwas reduziert worden, außerdem arbeiten ihm die „Dracki“-Mitglieder zu. Ende August will Kleemann, der auf einen Teil seines Honorars verzichtet, die modifizierte Planung vorlegen. Diese wird für die Stellungnahme der Bürgerinitiative benötigt, die bis 24. September beim Regierungspräsidium vorliegen muss.

In ihrer Stellungnahme werden die „Drackis“  auch etliche Einwände gegen das Planfeststellungsverfahren und gegen die vom Landesamt für Straßenwesen favorisierte E-Trasse mit zwei Brücken und zwei Tunnel vorbringen. Diese  beschneide die Frischluftzufuhr ins Gosbachtal, zerstöre wichtige Naherholungsräume und bedeute mehr Lärmbelästigung. Die von der Bürgerinitiative favorisierte K-Trasse komme dagegen mit nur einer Brücke und einem Tunnel aus. Außerdem sei sie zwischen 80 und 100 Millionen Euro günstiger. Hier einige Punkte, die für die Bürgerinitiative wichtig sind:

Schutzgebiet: Nachdem das 600-Millionen-Euro-Projekt jahrelang auf Eis lag, tauchte der Albaufstieg erst 2016 als „fest disponiertes Projekt“  wieder im Bedarfsplan des Bundesverkehrsministeriums auf. Doch die K-Trasse ist im Planfeststellungsverfahren nicht berücksichtigt worden. Ein Ausschlusskriterium für das Land sind die FFH-Schutzgebiete, die von der K-Trasse zerstört würden. „Ein Witz“, nennt dies Kastner. Bei genauem Studium der Pläne und Karten fanden die „Drackis“ heraus, dass ihre Trasse nirgends über ein FFH-Gebiet läuft. Sie ist mindestens 100 Meter davon entfernt.  Anders sieht es bei der offiziellen E-Trasse aus: Deren Brücke über das Gosbachtal führe  direkt über ein solches Schutzgebiet, sagt Nicole Schäfer vom Vorstandsteam der „Drackis“. Ihr Mann Peter Schäfer verweist auf den „umweltfachlichen Beitrag“ im Planfeststellungsverfahren.  Darin heißt es unter anderem: „Das Gostal ist nur durch die Variante E betroffen. In den offen geführten Abschnitten gehen von der Variante E hohe Risiken für die Schutzgüter Tiere und Pflanzen, Boden, Fläche sowie Landschaft aus. Die Trasse quert das Gostal, das sich durch seine Naturnähe und wertvolle Freiraumfunktionen auszeichnet.“ Aus Sicht der Umweltverträglichkeit und der Ökologie sei die E-Trasse „am schlechtesten einzustufen“.

Länge: Die K-Trasse ist drei Kilometer länger als die E-Trasse. Von offizieller Seite heißt es, dass auf der längeren K-Trasse jährlich rund 8,7 Millionen Liter Benzin mehr verbraucht würden. Dies koste die Autofahrer im Jahr 13 Millionen Euro. Für Edgar Kästner ist dies ein reines Zahlenspiel und „blanker Zynismus“.  Sollte die kürzere Streckenlänge ein Hauptargument für die E-Trasse sein, dann müsse man 70 Prozent der Umgehungsstraßen in Deutschland schließen. Diese seien in der Regel länger als der direkte Weg. Kästner führt als Beispiel die Umfahrung Münchens in Richtung Salzburg an. Diese ist 20 Kilometer länger als der kürzere Weg durch die  bayerische Landeshauptstadt.  Legt man die gleiche Anzahl an Fahrzeugen zugrunde, würde um München herum pro Jahr Benzin im Wert von 86 Millionen Euro zusätzlich verbraucht.

Zeitdruck: Ein zeitnaher Bau des Albaufstiegs ist aus Sicht des Landes nur mit der E-Trasse zu erreichen. Durch die Neuplanung könnte sich das Projekt um 10 bis 20 Jahre verzögern. Dem widersprechen die „Drackis“: Laut ihrem Planer könne man die K-Trasse in zwei bis drei Jahren zur Baureife bringen. Angesichts der Dimension und der Folgen für die kommenden Generationen müsse man diese Zeit aufbringen. „Wir wollen für die Umwelt und für die Bürger die beste Lösung“, sagt Peter Schäfer. Der Albaufstieg sei schließlich ein Projekt, das auf die nächsten hundert Jahre angelegt ist.

Info Wer die Bürgerinitiative finanziell unterstützen will, findet auf der Homepage die Kontaktdaten: www.dracki.de

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